Bei Paul Wuttke gibt’s jeden Tag ein frisches Ei

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Paul Wuttke liebt den Umgang mit seinen Tieren. ▪

RÖNSAHL ▪ Paul Wuttke hat’s gut. Morgens nach dem Aufstehen geht er zuerst in seinen Garten – frisch gelegte Frühstückseier holen. Und auf dem gleichen Weg füttert der Rentner dann auch seine Ziegen. Otti, Molly und Nelke begrüßen ihn stürmisch, fressen ihm das Brot aus der Hand. Noch etwas verschlafen stiefelt der Nachwuchs hinterher. Die Drillinge sind Mollys ganzer Stolz und erst wenige Tage alt.

Zugegeben, etwas komisch ist es schon, mit den vielen Tieren im Garten. Allerdings nicht in der Siedlung am Wernscheid. Rund 40 Familien wohnen dort. In den fünfziger Jahren kamen die Heimatvertriebenen, die überwiegend aus Schlesien stammen, nach Rönsahl.

Landwirtschaft als Nebenerwerb

Dank des Siedlereignungsscheins konnten sie ein Grundstück in der landwirtschaftlichen Nebenerwerbssiedlung kaufen. Von den jeweils rund 1 500 Quadratmetern Fläche nutzten sie 500 für’s Haus und 1000 für die Kleintierhaltung und den Ackerbau. Die meisten haben kleine Stallungen und Unterstände im Garten. Andere hielten die Tiere im Untergeschoss des Hauses.

Anfangs versorgten sich die Anwohner übrigens nahezu komplett selbst. Sie hatten alles, was sie brauchten. Aber mit der Zeit gaben einige die Landwirtschaft auf. Heute betreibt noch schätzungsweise ein Fünftel der Leute die Kleintierhaltung. Am beliebtesten sind ganz offensichtlich Hühner. Überall laufen sie durch die Gärten, beliefern ihre Besitzer täglich mit frischen Eiern, werden aber auch gerne mal geschlachtet. Hinzu kommen Schafe, Ziegen, Enten und Hasen.

Leute versorgen

sich selbst

„Ja, das ist hier schon was ganz Besonderes“ sagt Ortsbürgermeister Horst Becker. Er kennt jeden Winkel am Wernscheid. Hat von 1956 bis 1962 als Maurer einen großen Teil der Häuser in der Siedlung mit aufgebaut. Während er mit seinem Auto eine Runde durch die Straßen dreht, hält er immer wieder an. Jeder kennt ihn, erzählt ihm etwas.

Becker ist auch mit Paul Wuttke per du. Er steigt aus und sieht bei ihm nach dem Rechten. Die beiden kennen sich immerhin schon seit Jahrzehnten. Wuttke hat 1962 sein kleines Haus am Wernscheid gebaut. Wie viele seiner Nachbarn hatte der gelernte Forstwirt in den ersten Jahren alles, was er zum Leben brauchte, im eigenen Garten. Vier Kinder haben Paul Wuttke und seine Frau Dorothea. Heute leben sie in ganz Deutschland verteilt, oft sieht er sie also nicht. Umso mehr schätzt er den Umgang mit seinen Tieren.

Vom Selbstversorger

zum Hobbyzüchter

Was einst der Versorgung diente, ist längst zur Liebhaberei geworden. „Das rechnet sich natürlich nicht. Die fressen viel mehr, als sie mir einbringen“, sagt der Rentner und lacht. Missen möchte er Molly, Nelke und Co. aber dennoch nicht. Besonders viel Freude hat Wuttke an den frisch geborenen Drillingen. „Die sind doch wirklich goldig.“ Aber: Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Und deshalb teilen sich Paul und Dorothea die Arbeit mit den Tieren. Nur morgens, da geht der Rentner alleine los – die Frühstückseier holen. ▪ Lisa-Marie Weber

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