Patientenverfügung schafft Klarheit

+
Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht und Vorsorgevollmacht gehören zusammen und sollten auch für den Fall der Fälle bereitliegen.

Kierspe – Herzinfarkt, Unfall oder nur ein Treppensturz – und plötzlich müssen Angehörige entscheiden, wie das Leben weitergeht.

Um auch in einer Situation, in der man selbst nicht mehr entscheiden kann, sicherzustellen, dass die eigenen Wünsche berücksichtigt werden, ist eine Patientenverfügung unerlässlich. Durch die Ausbreitung des Coronavirus erhält das Thema eine zusätzliche Aktualität.

„Ja, es gab schon Nachfragen und die ersten beiden Patientenverfügungen aufgrund der Angst vor einer Handlungsfähigkeit wegen einer Covid19-Erkrankung hat es auch schon gegeben“, erzählt der Kiersper Rechtsanwalt Christoph Gebauer. Warum das nicht mehr sind, kann der Jurist auch beantworten: „Die Beschäftigung mit dem eigenen Tod und einer vorausgehenden Pflege- und Behandlungsbedürftigkeit fällt den Menschen schwer.“ Doch aus Gesprächen mit Mandanten und Bekannten wisse er, dass diese Gedanken aufgrund der Pandemie nun aber eine größere Rolle spielen: „Das ist ein erzwungenes Denken an etwas, mit dem man sich eigentlich gar nicht beschäftigen möchte.“ 

Trotzdem gehören Patientenverfügungen, Vorsorge- und Betreuungsvollmachten zum alltäglichen Geschäft des Anwalts – und das, obwohl für all diese Dokumente kein anwaltlicher Rat vom Gesetzgeber gefordert wird. Gebauer rät aber trotzdem zu einem Gespräch vor dem Ausfüllen einer solchen Vollmacht: „Vor einigen Jahren wurde vom Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass ein großer Teil der damals verwendeten Verfügungen nicht ausreichend genau formuliert war. Und auch heute kursieren noch Vordrucke im Internet, die nicht auf dem aktuellen Stand sind. Wenn dann der Fall eintritt, dass ein Patient nicht mehr handlungsfähig ist, kann er die Verfügungen und Vollmachten aber nicht mehr ändern.“ 

Gebauer berichtet, dass er, als das Thema in seiner Kanzlei aufkam, unter anderem das Gespräch mit einem Palliativmediziner gesucht habe, um zusätzliche Punkte in die Verfügungen aufzunehmen. „Meist kommen die Mandanten wegen eines Testaments, daraus wird dann oft ein Gesamtpaket, weil ihnen im Beratungsgespräch bewusst wird, dass neben der Weitergabe des Vermögens noch viel mehr geregelt werden kann und sollte“, so Gebauer. Grundsätzlich rät der Rechtsanwalt dazu, Patientenverfügungen in bestimmten zeitlichen Abständen noch einmal zu lesen, um zu überprüfen, ob man mit all dem, was man dort festgelegt hat, auch noch einverstanden ist. „Bei älteren Menschen rate ich dazu, das alle zwei Jahre zu machen, auch im Hinblick auf sich veränderte Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten. Sind die Betroffenen noch jünger, reichen sicher auch fünf Jahre aus“, erklärt Gebauer. 

Und auch zur Aufbewahrung hat er einen Tipp: „Das Testament ist am sichersten bei Gericht hinterlegt. Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sollten beim Arzt in Kopie hinterlegt werden. Eine weitere Kopie sollte man bei jedem Klinikaufenthalt mitnehmen. Das Original ist am besten bei demjenigen aufgehoben, der im Fall der Fälle auch auf die Einhaltung der geäußerten Wünsche achten soll.“ Von einem Ort der Aufbewahrung rät Gebauer ganz klar ab: dem Bankschließfach oder dem Tresor. „Ich habe schon den Fall erlebt, dass die Angehörigen nicht an das Schließfach kamen, da die Vollmacht, die sie für den Zugriff benötigt hätten, eben dort gelagert wurde.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare