Pastor zieht es immer aufs Neue in die Ferne

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Pastor Werner Steinbachs Steckenpferd ist die Organisation und Leitung der Ü50-Reisen im Katalog der FeG-Freizeiten, wo er zwei Seiten belegt. ▪

KIERSPE ▪ Ferne Länder zu besuchen, bietet die Möglichkeit, Menschen unterschiedlicher Kulturen in ihrem natürlichen Umfeld kennenzulernen. Möglich ist das am besten auf Reisen, was schon immer eine große Leidenschaft von Pastor Werner Steinbach ist.

„Ein bisschen Abenteuerlust spielt dabei vielleicht auch eine Rolle“, gesteht er augenzwinkernd. So kam es nicht von ungefähr, dass er von jeher gerne Freizeiten organisiert und geleitet hat. Er schätzt zudem die Erfahrungen, die er in den verschiedenen Gruppen macht, ob er früher mit Jugendlichen unterwegs war oder heute im Rahmen der Seniorenfreizeiten. Es zog ihn immer in die Ferne. Mit den Ü50-Reisen hat er bereits während seiner beruflichen Tätigkeit als Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Kierspe sowie als Leitungsmitglied innerhalb der Seniorenarbeit im Bund freier evangelischer Gemeinden angefangen, konnte diese dann aber, als er 2003 in den Ruhestand trat, noch ausweiten.

Im aktuellen mehr als 60-seitigen Prospekt zu den FeG-Freizeiten, der vom Bund herausgegeben wird, belegt der Kiersper Geistliche gleich zwei Seiten mit seinem Reiseprogramm: Im Februar wird dieses erst einmal seinen Kollegen Klaus Howahrde, mit dem er zusammen seit einigen Jahren die Reisen veranstaltet, auf die Kanareninsel La Palma zu einer Wanderfreizeit führen. Er selbst ist dann eine Woche mit einer anderen Gruppe auf der benachbarten Vulkaninsel Lanzarote. Beide zusammen betreuen im März eine China-Reise mit Besuch der Kaiserstadt Peking und einer Flusskreuzfahrt auf dem Yangtze, dem größten Strom Asiens und der Lebensader der Volksrepublik. Nach Island und seine vielfältigen Landschaften, die eine Faszination aus Feuer und Eis versprechen, geht es ebenfalls für beide mit einer weiteren Gruppe im Mai. Urlaub in Andalusien an der spanischen Atlantikküste im Juni, nach Sizilien, auf die blühende italienische Insel, im September sowie Träumen und Relaxen dann auf Korfu, der Königin der griechischen Inseln, das ist das weitere Programm im Prospekt 2012. „Wir teilen uns die Arbeit, ich zeichne für die Organisation verantwortlich und Klaus Howahrde für die geschäftliche Abwicklung“, erzählt Steinbach. Auch sein Kollege entstammt der Gemeindearbeit.

Steinbach wurde 1941 als echtes Ruhrgebietskind in Essen geboren. Als kleiner Junge erlebte er die Schrecken der alliierten Bombenangriffe hautnah mit. Bis heute sind ihm die ängstlichen Gesichter der Menschen, die auf den Kohlehaufen im Keller ausharrten, im Gedächtnis geblieben. Eigentlich sollte er das Malergeschäft seines Vaters Wilhelm übernehmen, doch kam er über seine Oma Maria, die sehr fromm war, zur Jugendarbeit der Freien evangelischen Gemeinde. Als bei ihm schließlich der Entschluss heranreifte, als Missionar nach Südamerika zu gehen, waren seine Eltern nicht gerade begeistert. Doch er besuchte trotzdem eine Sprachschule und lernte Spanisch und Englisch. Zu dem Zweck ging er Anfang der sechziger Jahre auch für ein Jahr nach Barcelona und arbeitete dort in einer evangelischen Gemeinde mit. Bereits damals übten andere Länder und Menschen einen immensen Reiz auf ihn aus. „Ich jobbte in einem Hotel als Dolmetscher und hätte die Möglichkeit gehabt, dort auch noch weiter im Immobiliengeschäft zu arbeiten“, erinnert sich der heute 70-Jährige. Doch war für ihn klar, dass es das nicht war, was er wollte.

Stattdessen zog es ihn zurück nach Deutschland, wo er an das theologische Seminar in Ewersbach bei Dillenburg wechselte. „Ich verbrachte fünf Jahre auf dem ‘heiligen Berg’, was ein großer Gegensatz zu meinem freien Leben in Spanien war. Ich empfand die neue Umgebung als richtig eng. Denn in Ewersbach ging es damals extrem streng zu. So durften die Studenten keine Freundin haben. Mittlerweile ist alles mehr aufgeweicht“, weiß Werner Steinbach, der das aber als positiv wertet.

Nach den zehn Semestern am Seminar folgte 1966 sein Vikariat in Simmern im Hunsrück. Dabei wurde er gewaltig gefordert, denn er musste sonntags oft vier Predigten nacheinander halten, was ihm seine Grenzen aufzeigte. Auch in der Woche war er ständig auf Achse zwischen den verschiedenen Gemeinden und Gruppen. „Die Bibelstunden auf dem Land liefen ganz anders ab, es wurde sehr viel gesungen“, schildert er, dass theologische Exkurse und Dispute weniger gefragt waren und der eine und der andere Bauer während der Bibelstunden, erschöpft von der Arbeit, auch mal einschlief.

Seine Frau Gisela kannte er noch aus seiner Essener Zeit, doch an eine Heirat während des Vikariats war nicht zu denken. „Wir haben uns lediglich verlobt. Bis wir heiraten durften, mussten wir erst das Ende des Vikariats abwarten und unsere geplante Hochzeit sogar etwas verschieben“, berichtet Steinbach. Dann endlich war es so weit, dass er seine Jugendliebe ehelichen konnte.

Beruflich verschlug es ihn nach Eschweiler, wo er in drei Gemeinden Aufbauarbeit leisten sollte, darunter auch in Aachen und Merkstein. Später bewarb er sich noch bei der Rheinischen Landeskirche als Religionslehrer und wurde der erste Freikirchler auf diesem Posten. Fortan gab er vier bis fünf Wochenstunden an einer Berufsfachschule.

Er baute einen guten Draht zu den Schülern auf, wobei ihm Jugendarbeit aus seiner Essener Lebensphase zugute kam genauso wie die Tatsache, dass er im Kohlenpott aufgewachsen war. „Das hat mich geprägt“, betont er. Immer hat ihn stark interessiert, was die Menschen denken, besonders auch von Religion und Kirche, und da war er von Essen aus sehr pragmatische, am Alltag orientierte Sichtweisen gewöhnt.

Die ersten drei Kinder der Familie kamen in den vier Jahren in Eschweiler zur Welt. Im Laufe der Zeit wuchs die Aachener Gemeinde von zu Beginn 16 Gemeindemitgliedern immer weiter. Von Vorteil war hier der Zustrom an Studenten. So war auch die Arbeit Steinbachs studentisch geprägt. In den Hausbibelkreisen gab es intensive und oft auch harte Diskussionen mit den jungen Leuten über Glaubensfragen, die er aber genoss. Die Aachener Gemeinde vergrößerte sich später mehr und mehr bis auf auf eine beachtliche Größe von rund 300 Gemeindemitgliedern.

Die Zusammenarbeit mit anderen christlichen Gemeinden und der Austausch untereinander war Werner Steinbach stets ein Anliegen. So war er Vorsitzender der evangelischen Allianz und gründete den ökumenischen Arbeitskreis mit. Fünf Jahre blieb er in Aachen, so dass es in der Region insgesamt neun Jahre wurden. Seine nächste berufliche Station war dann Unna, wo zwei weitere Kinder geboren wurden. Zuletzt wohnte die Familie im eigenen Haus in Bönen. Steinbach blieb hier 15 Jahre. 1991 wechselte er dann als Pastor zur Freien evangelischen Gemeinde nach Kierspe, wo er die Nachfolge von Bernd Gaumann antrat.

Immer hat er in seiner Dienstzeit Freizeiten organisiert, für Jugendliche, Schüler, auch für Studenten und später, inzwischen selbst älter, eben für Senioren. „Es ging sogar damals schon nach Spanien“, erinnert er sich. Durch die Freizeiten und insgesamt die langjährige Arbeit mit jungen Menschen war er einen lockeren und freien Umgang gewöhnt. Steinbach betrachtete die Reisen immer als wichtige Möglichkeit, durch das gemeinsame Leben mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Klar, dass es sich bei ihm als Theologen auch um Gott und Jesus drehte. Dabei vermied der Pastor es jedoch und vermeidet es bis heute, sich mit dem Thema aufzudrängen, sondern spricht mit seinen Mitreisenden genauso über alles Mögliche.

Auch im Rahmen der aktiven Sozialarbeit, der er sich stets verschrieb, pflegte er den Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern: Ob er in Aachen einem Afrikaner aus Kamerun Obdach für einige Zeit gewährte oder er in Kierspe im Arbeitskreis Flüchtlinge mitwirkte und versuchte, den um Asyl ersuchenden Menschen zu helfen und für sie möglichst ein Bleiberecht zu erwirken. „Wir waren beim Petitionsausschuss des Landtages in Düsseldorf und sogar über Kirchenasyl wurde konkret nachgedacht“, denkt an die bewegte Zeit in den neunziger Jahren zurück. Ein wenig konnte Steinbach sein Interesse an fremden Kulturen also auch bei diesem Engagement ausleben.

An seine erste Seniorenfreizeit vor nunmehr 15 Jahren kann er sich noch sehr gut erinnern: Die Reise in die Gegend von Side an der türkischen Rivera ist ihm auch deshalb im Gedächtnis geblieben, weil er dort ein paar Meter mit einem Fahrstuhl abgestürzt ist und sich verletzt hat. „Sie wurde besonders günstig angeboten und war tatsächlich in wenigen Tagen ausgebucht“, freut er sich über den bis heute andauernden Erfolg, den diese Arbeit ihm beschert, sowie das große Interesse.

Zupass kamen ihm seine gute Beziehungen nach Spanien. So führte eine weitere Reise danach zu einer deutschen Gemeinde in Roquertas de Mar bei Almeria. „Wir waren in Folge sehr oft in Spanien, auf dem Festland, jedoch auch auf den Balearen und Kanaren, aber ebenfalls in Marokko, Tunesien, Ägypten, der Türkei, in Portugal, Kanada, Neuseeland, Namibia, in der Toskana, Wandern auf dem Jakobsweg und inzwischen auch in Irland und Schottland“, zählt er auf. Den zwar boomenden, aber aus seiner Sicht völlig überzogenen Glaubenstourismus nach Israel hat er aus genau diesen Gründen bislang aus Prinzip gemieden.

Gewandelt hat sich im Laufe der Jahre der Schwerpunkt der Freizeiten etwas mehr weg von christlichen Inhalten hin zu allgemeinen Seniorenreisen, wobei der Glaube aber natürlich weiterhin nicht ausgeklammert ist. So jedoch fahren auch Menschen mit, die mit Religion gar nichts im Sinn haben, genauso wie freikirchliche Gemeindemitglieder oder evangelische und katholische. Bis heute gehört das Angebot von Andachten und Gottesdiensten trotzdem zum Programm, stellt aber kein Muss dar. Sie finden meist vor dem Abendessen statt.

War er früher nur ein- bis zweimal im Jahr unterwegs, ist er es seit 2003 häufiger. „Viele Senioren sind auf Achse. Überall in der Welt trifft man auf rüstige 70- und sogar 80-jährige“, beobachtet Werner , der eben selbst genau weiß, wie bereichernd Reisen sein kann. Dabei bewegt ihn vor allem, den Menschen die Möglichkeit zu bieten, ganzheitlich Gemeinschaft zu erleben, was ihm bis heute ein zentrales Anliegen ist. Schon Jesus habe deutlich gesagt, dass der Mensch eben nicht allein vom Brot lebe. Er hofft, diese Arbeit, die ihm viel Freude bereitet, noch lange weitermachen zu können.

Interessierten am FeG-Freizeiten-Programm und den Ü50-Reisen von Werner Steinbach steht dieser gerne unter Telefon (0 23 59) 29 59 89 zur Verfügung.

Rolf Haase

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