Bergisches Land: Wandern auf zwei neuen Wegen

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Der neue Wanderweg „Bergischer Panoramasteig“ führt auch durch Rönsahl. Die Planer erhoffen sich durch den neuen Weg, der im kommenden Jahr eröffnet wird, eine deutliche Steigerung der Bekanntheit des Bergischen Landes. ▪

KIERSPE ▪ Der Rennsteig hat es vorgemacht und seine Nachfolger Rothaarsteig, Rheinsteig und Eifelsteig haben es besser nachgemacht. Doch sie alle eint, dass sie dem Wanderwunsch der Deutschen nachkommen.

Vor allem am Rothaarsteig zeigt sich, dass mit einem gut ausgebauten Wanderweg das Hotel- und Gaststättengewerbe einen ungeahnten Aufschwung nehmen kann. Kein Wunder, dass da der Märkische Kreis nicht nachstehen wollte und mit dem Höhenflug seinen eigenen Streckenwanderweg in Auftrag gab. Und ab dem kommenden Jahr steht den Wanderfreunden dann auch der Bergische Panoramasteig zur Verfügung, der in seiner Wegführung auch Kierspe – zumindest im Grenzdorf Rönsahl – streift.

Mit einer Länge von 230 Kilometern bietet der Rundwanderweg auch ambitionierten Wanderern eine Herausforderung, die nur in mehreren Tagesetappen bewältigt werden kann. Dabei kommt der Wanderer durch die Natur nahe der Städte und Gemeinden Radevormwald, Wipperfürth, Marienheide, Bergneustadt, Reichshof, Morsbach, Waldbröl, Nümbrecht, Wiehl, Engelskirchen, Lindlar, Kürten, Wermelskirchen und schließlich wieder Radevormwald.

Doch nur mit einem neuen Weg wollten sich die Planer von „Das Bergische“ nicht zufrieden geben – und so entstand neben dem genannten Rundwanderweg noch der Fernwanderweg „Bergischer Weg“, der von Essen bis Königswinter führt.

In der Informationsschrift der Planer zu den Wegen heißt es: „Das Projekt beinhaltet die Neuverknüpfung, den infrastrukturellen Ausbau und die inhaltliche Aufwertung von überwiegend bereits vorhandenen, aber wenig bekannten Wanderwegen sowie deren dauerhafte Pflege und Vermarktung. Das Wegenetz schafft Angebote für Tages- und Fernwanderer. Gleichzeitig verbindet es das Ruhrgebiet, das Bergische Land, das Sauerland und das Rheinland.“

Bei der Planung der insgesamt 450 Kilometer langen Wege sollten zahlreiche Kriterien erfüllt werden, die dem Wanderer größtmögliches Vergnügen bereiten sollen. Dabei war es den Planern nach eigenen Angaben besonders wichtig, Strecken zu erarbeiten, die möglichst naturnah sind und nur selten über Asphalt führen.

Gekennzeichnet sind die Wege mit einfachen Symbolen, die in den Farben Gelb, Orange und Rot gehalten wurden und so eine gute Sichtbarkeit haben sollen.

Die Realisierung eines solchen Vorhabens gibt es aber nicht zum Nulltarif. Insgesamt 2,18 Millionen Euro haben Entwicklung und Umsetzung der neuen Weges gekostet. 80 Prozent davon kommen als NRW-Förderung aus EU-Mitteln des EFRE-Programms (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung). Zur Umsetzung des Projektes wurde die gemeinnützige Gesellschaft „Das Bergische“ gegründet. Gesellschafter sind der Rheinisch-Bergische Kreis, der Oberbergische Kreis und der Zweckverband Naturpark Bergisches Land.

Den Mut, Wanderwege von solchem Umfang zu planen, fanden die Verantwortlichen auch durch die Vorbilder Rhein- und Rothaarsteig. Nach Angaben der Planer waren im ersten halben Jahr (Winterhalbjahr) mehr als 100 000 Wanderer auf dem Rheinsteig unterwegs, auf dem Rothaarsteig wurden sogar 1,5 Millionen Wanderer in nur einem Jahr gezählt. Deshalb gehen die Mitarbeiter von „Das Bergische“ davon aus, dass mehrere 100 000 Fernwanderer und Tageswanderer pro Jahr auch für die beiden neuen Wege realistisch seien.

Ein weiteres Ziel sei aber auch, nicht nur Touristen die abwechslungsreiche Landschaft vor Augen zu führen, sondern auch die an den Wegen wohnenden Menschen für die eigene Landschaft als Tourismusregion zu begeistern.

Die Statistik gibt den Planern recht. So wandern nach Zahlen des Deutschen Wanderverbandes 56 Prozent der Deutschen. 50 Prozent dieser Wanderer bevorzugen demnach leicht hügeliges Gelände und 40 Prozent wandern am liebsten in den Mittelgebirgen.

Allerdings gibt es auch Kritik an der Wegführung. So kritisiert Dr. Rainer Brämer, Gründer und Ehrenvorsitzender des Deutschen Wanderinstitutes in Marburg, vor allem das Anlegen großer Rundwanderwege: „Wer will denn schon 230 Kilometer in der gleichen Landschaft unterwegs sein? Dem Weg fehlt der Mythos Ferne.“ Diesen bescheinigt er aber dem Bergischen Weg: „Dort geht der Wanderer durch verschiedene Landschaften und Regionen und kann deutlich die Unterschiede der Landschaft auf dem Weg erleben.“ ▪ Johannes Becker

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