"Den Tod gemeinsam aushalten"

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Auf Initiative von Doris Fittig, Leiterin der Polyneuropathie-Gruppe im Kiersper Awo-Seniorenzentrum, war Krankenschwester Anja Kussek Referentin beim ersten Gruppentreffen des neuen Jahres.

Kierspe - Monatlich treffen sich rund 30 Personen in der Polyneuropathie-Gruppe des Kiersper Awo-Seniorenzentrums. Am Montag stand das erste Treffen des neuen Jahres auf dem Programm, doch die Teilnehmerzahl war deutlich geringer. Der Grund: ein Referat zu einem schwierigen Thema.

Gruppenleiterin Doris Fittig hatte Anja Kussek ins Seniorenzentrum eingeladen. Die Mitarbeiterin des Palliativmedizinischen Konsiliardienstes Lüdenscheid-Olpe erklärte, wie das „Palliative Care Team“ – eine Gruppe von Fachleuten, die sich der Versorgung von schwerstkranken Patienten widmen, deren Sterbeprozess begonnen hat oder in absehbarer Zeit bevorsteht – im täglichen Umgang mit Patienten agiert.

Nachdem bei Kaffee und Kuchen gesellige Stimmung zwischen den Gruppenmitgliedern herrschte, wurde es während der Ansprache Kusseks ruhig im Raum. „Der Tod ist ein schwieriges Thema, verständlicherweise haben viele Menschen Angst, darüber zu sprechen. Aber deshalb bin ich hier, ich will ihnen die Angst nehmen, offen mit dem Thema umzugehen“, gewann Kussek mit wenigen Worten die volle Aufmerksamkeit und das Vertrauen aller Anwesenden. Ein großer Teil ihrer Patienten leide an Tumor- oder Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Herzsystems oder neurologischer Art, die nicht mehr heilbar sind. „Es geht darum, den Menschen den Schmerz zu nehmen – sowohl physisch als auch psychisch“, erklärte Kussek.

Das „Palliative Care Team“ sichere die Versorgung der Patienten durch die ständige Verfügbarkeit einer speziell ausgebildeten Pflegefachkraft und eines speziell ausgebildeten Arztes. Neben der medizinischen Versorgung gehöre auch die Koordination der Aktivitäten und die Einbeziehung weiterer palliativtätiger Berufsgruppen und das Ehrenamt, die Kommunikation – beispielsweise mit Angehörigen. Auch die Dokumentation der Fälle und die Qualitätssicherung gehören zu den Aufgaben des Teams, das im gesamten südlichen Märkischen Kreis tätig ist. „In der akuten Sterbephase begleiten wir den Patienten und halten das Sterben gemeinsam aus“, beschrieb die Krankenschwester eine ihrer Aufgaben. Von 337 verstorbenen Patienten im Jahre 2014 konnten 305 die letzten Momente ihres Lebens in den eigenen vier Wänden erleben. Kussek blickte zurück: „Insgeheim möchte jeder Mensch dort sterben, wo er sich am wohlsten fühlt. Dem Großteil unserer Patienten konnten wir diesen Wunsch erfüllen.

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