Pärchen für zahlreiche Einbrüche - unter anderem in Kierspe - verantwortlich

Sieben Jahre Haft gefordert

Im Prozess stand die schwierige Kindheit der Angeklagten an diesem Prozesstag im Vordergrund.
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Vor dem Landgericht müssen sich ein Mann und eine Frau wegen mehrerer Einbrüche verantworten. Einige der Tagen fanden in Kierspe statt.

Märkischer Kreis – Das Strafmaß ist abgesteckt im Landgericht, wo sich ein mittlerweile getrenntes Pärchen wegen vier gemeinsamen Wohnungseinbrüchen verantworten muss.

In seinem Plädoyer beantragte Staatsanwalt Engelke eine Haftstrafe von sieben Jahren für den Hauptangeklagten. Dabei schlugen vor allem die zahlreichen Vorstrafen des 30-Jährigen zu Buche, unter denen Diebstähle zahlenmäßig mit weitem Abstand herausstachen. Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten die hohen Sachschäden bei den Einbrüchen und das billige Verhökern von Erinnerungsstücken der Bestohlenen an irgendwelche Schmuckhändler vor.

Geständnisse positiv

Auf der positiven Seite der Waagschale befanden sich die Geständnisse der Angeklagten, der Suchtdruck, der sie zu den Taten getrieben hatte, und der Umstand, dass einige der Beutestücke an die Eigentümer zurückgegeben werden konnten.

Untergeordnete Rolle

Die 24-jährige Mittäterin habe bei den Einbrüchen nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Außerdem brachte sie nur eine vergleichsweise bescheidene Vorstrafenliste mit. Der Staatsanwalt beantragte für sie eine Haftstrafe von drei Jahren. Ihr Verteidiger Andreas Trode blieb mit seinem Antrag zwei Monate darunter. Entscheidender war eine Frage, über die die Juristen lange mit dem psychiatrischen Gutachter Dr. Patrick Debbelt diskutierten: Wäre eine Einweisung der jungen Frau in eine geschlossene Drogenentzugsklinik sinnvoll? Der Sachverständige sprach sich aus mehreren Gründen dagegen aus: Die 24-Jährige hatte im Verlauf des Prozesses nachdrücklich erklärt, dass sie eine solche Therapie nicht wolle. Zwar sei ein Gerichtsurteil kein Wunschkonzert, betonte der Verteidiger.

Erfolgsaussichten

Doch auch der Gutachter sah aufgrund dieser Verweigerungshaltung der 24-Jährigen keine guten Erfolgsaussichten für eine Therapie im Rahmen der Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung. Eine Drogentherapie im Rahmen des Prinzips „Therapie statt Strafe“ sah er hingegen als wünschenswert an. Die 24-Jährige hatte angegeben, dass sie seit längerem keine Drogen mehr nehme – eine Auskunft, die bei Inhaftierten immer wieder überrascht. Der Gutachter sah allerdings die Gefahr, dass die junge Frau in kritischen Lebenslagen oder mit einem falschen Partner auch wieder in gefährliche Verhaltensmuster abrutschen könne.

Einzige Chance

Für den Hauptangeklagten ist eine Drogentherapie hingegen die einzige Chance, eine lange Haftzeit zu verkürzen. Zu den sechseinhalb bis sieben Jahren aus Hagen kommt voraussichtlich noch eine weitere Verurteilung aus Stuttgart, wo er ebenfalls in drei Häuser einbrach. Der Staatsanwalt befürwortete eine zweijährige Therapie in einer geschlossenen Entzugsklinik und beantragte auf der Grundlage seines Strafantrags einen Vorabvollzug im Gefängnis von 18 Monaten – abzüglich der bereits verbüßten Untersuchungshaft. Nach dieser Zeit im Gefängnis könnte der 30-Jährige erneut in eine Entzugsklinik wechseln. Denn ein erster Versuch, ihn von den Drogen wegzubekommen, war gescheitert. Die Klinikleitung hatte ihn aus Gründen rausgeschmissen, die auch Gutachter Patrick Debbelt nicht durchweg überzeugten.

Teufelskreis

Auch Verteidigerin Julia Kusztelak hielt ein nachdrückliches Plädoyer für eine solche Therapie „als einzige Chance“ für ihren Mandanten, aus dem Teufelskreis von Drogen, Straftaten und weiteren Gefängnisstrafen zu entkommen.

Das Urteil soll am 8. Oktober verkündet werden.

Der Fall

Ein 30-jähriger Angeklagter und seine 24-jährige Mittäterin aus Remscheid müssen sich wegen vier Einbruchsdiebstählen in Kierspe, Lüdenscheid und Meinerzhagen vor dem Landgericht Hagen verantworten. Die Beute nutzten sie zur Finanzierung ihrer Drogensucht.

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