Ortsumgehung Kierspe:

„Was ist am Ende schützenswert?“

Ortsumgehung Kierspe b 54n - Exkursion
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Jannik Bollweg vom Planungsbüro Landschaft und Siedlung AG führte eine der beiden Gruppen durch das Gelände.

Die Bürger schon weit im Vorfeld mit einbeziehen: So geht der mit der Planung der Bundesstraße 54n (Ortsumgehung Kierspe) beauftragte Landesbetrieb Straßen.NRW derzeit vor.

Kierspe - Seit Anfang dieses Jahres gibt es bereits ein Dialogforum zu dem Bauprojekt. Ihm gehören frei gewählte Bürger aus der Volmestadt an. Wegen der Pandemie konnte das Gremium bislang nur online beraten und diskutieren. Am Mittwoch aber trafen sich die Aktiven aus dem Forum zusammen mit weiteren interessierten Kierspern zu einer ersten Vorstellung der noch nicht ganz abgeschlossenen Umweltverträglichkeitsprüfung in der Reithalle in Hohenholten. Begrüßt wurden die Gäste von Dialoggestalter Martin Enderle von der Firma IKU sowie von Kevin Lass, Projektleiter beim Landesbetrieb Straßen.NRW.

Auf solchen Schaukarten gab es Infos über das Vorkommen von Tierarten und die Siedlungsstruktur im Untersuchungsgebiet.

Beide zeigten sich überrascht vom großen Interesse an dem Info-Angebot. Mit 30 Besuchern hatten sie gerechnet. Weit mehr jedoch meldeten sich nach einer Info in der MZ. Am Ende nahmen 60 Bürgerinnen und Bürger teil. Mehr sei mit Blick auf die Einhaltung der Hygieneregeln und einem für beide Seiten sinnvollen Gedankenaustausch nicht möglich gewesen, so die Veranstalter. Für die anschließende Exkursion ins Gelände wurden zwei Gruppen gebildet.

Zur Umweltverträglichkeitsprüfung für die B 54n hatte der Landesbetrieb große Schaukarten vorbereitet, die von Landespflegerin Petra Schmidt kurz erläutert wurden. Zu folgenden Bereichen gab es Ergebnisse: Klima und Mensch, Boden und Wasser, Brutvogelbestand, Dachsbestand, Vorkommen von Amphibien und Reptilien, Vorkommen der Zwergfledermaus und vorhandene Biotoptypen. Berücksichtigt wurden zudem Besonderheiten wie die Naturschutzgebiete und sogar die Villa Wirth ganz am Rand des Planungsbereichs als ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude.

Fachfrau für die Umweltverträglichkeitsprüfung und die dazu gehörenden Übersichtskarten: Landespflegerin Petra Schmidt von Straßen.NRW.

Als Beispiel dafür, wie Hinweise der Bürger in die Arbeit mit einfließen, berichtete Petra Schmidt von der aktuellen Suche nach der Schlingnatter. „Ein Bürger hat uns den Hinweis darauf gegeben. Jetzt versuchen wir zu ermitteln, ob es tatsächlich ein Vorkommen dieser Schlange im Untersuchungsgebiet gibt“, so die Landespflegerin.

Es schlossen sich Fragen nach der Wertigkeit solcher Funde und deren Auswirkung auf die weitere Planung an. Mit Blick auf die tief rot gefärbte Raumwiderstandskarte drängte sich manchem Besucher der Eindruck auf, dass es sich bei der Fläche für die B 54n insgesamt um ein riesiges Naturschutzgebiet handelt. „Was ist da am Ende schützenswert und wie sieht dieser Schutz aus?“, war die daraus resultierende Frage an die Planer. Petra Schmidt nannte anschauliche Beispiele wie die mögliche Umsiedlung einer Haselmaus-Kolonie oder die Schaffung von Wildbrücken.

Ganz schön viel Raumwiderstand: Je dunkler das Rot umso mehr spricht gegen die Realisierung des Straßenbauprojekts.

Die Probleme bei der Umsetzung des Straßenbauprojekts, das zur Entlastung von Friedrich-Ebert-Straße und Kölner Straße beitragen soll, sind vielfältig. Ob am Ende aller Untersuchungen überhaupt gebaut wird, entscheidet der Bund. Der hat die Trasse im nordöstlichen Stadtgebiet nach Jahrzehnten im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Entscheidend für die Realisierung sind neben dem Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung die wirtschaftliche Umsetzung und der verkehrstechnisch zu erzielende Effekt. Konkrete Angaben zu allen drei Bereichen sollen laut Straßen.NRW im kommenden Jahr vorliegen.

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