Auf Verkehrsschilder können sich Autofahrer nicht verlassen

Wer darf hier fahren? Durch die zusätzliche Beschilderung aufgrund der Engstelle der K 3 ist die Situation zumindest für Lastwagenfahrer vollkommen unverständlich. - Foto: Becker

KIERSPE - In Deutschland ist auf den Straßen alles geregelt. Das mag im Großen und Ganzen auch so sein. In Kierspe können Autofahrer aber an einigen Stellen an der Beschilderung verzweifeln – vorausgesetzt, es ist überhaupt ein Schild da.

Von Johannes Becker

Wer zurzeit von Meinerzhagen kommend über die B  54 nach Kierspe fährt, kann den Ort mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde durchqueren, vorausgesetzt, er wird von der Ampel an der Kreuzung Tannenbaum nicht gestoppt. Denn diese Geschwindigkeit gibt ein Verkehrszeichen vor, das sich wenige hundert Meter vor dem Ortseingang befindet. Ortseingang? Dieser ist derzeit nicht erkennbar. Und da die gelbe Tafel mit dem Stadtnamen nicht nur Hinweis sondern auch Gebot ist, fehlt dem ortsfremden Autofahrer jeder Anhaltspunkt, wo die Stadt anfängt und damit der Bereich in dem „50“ gefahren werden muss. Bei der Verwaltung am Springerweg ist das Problem schon länger bekannt. Da man jedoch diese Schilder selbst nicht aufstellen darf, wartet man im Rathaus auf den Landesbetrieb Straßen NRW, der dort ein neues Schild anbringen muss.

Die Mitarbeiter dieser Behörde waren es auch – nach Darstellung des Kreises – die eine fehlerhafte Beschilderung an der Kreisstraße 3 zu verantworten haben.

Dort werden zumindest Lastwagenfahrer vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Denn gleich beim Einfahren in die K 3 von der K 2 steht ein „Durchfahrtsverbot für Lkw“, nur ein paar Meter weiter wird das Schild wiederholt, allerdings mit dem Zusatz „Anlieger frei“ – rechtlich sind diese ersten Meter aber für einen Lastwagenfahrer nicht zu überwinden. „Beim Aufstellen des ersten Schildes hat der Landesbetrieb wohl vergessen, das zweite zu verhüllen. Denn solange die Engstelle auf der K 3 noch besteht, dürfen Lastwagen gar nicht einfahren“, erklärt Ursula Erkens von der Pressestelle des Kreises.

Die Engstelle, die sich 1,6 Kilometer hinter der Einfahrt in die K 3 befindet, wurde vor einem Jahr durch einen Lkw verursacht, der von der Kreisstraße abkam, den Hang hinunterstürzte und dabei einen Teil der steilen Böschung abriss und auch den Straßenrand beschädigte. „Die Straße wird in Kürze repariert. Der Auftrag ist erteilt“, teilt Thomas Meyer mit, der bei der Kreisverwaltung für die Kreisstraßen zuständig ist. Bereits am 12. August beginne das Unternehmen mit den Arbeiten. Allerdings solle die Firma an drei Stellen in der Region tätig werden, deshalb wisse er nicht, an welchem Tag mit den Arbeiten an der K 3 begonnen werde.

Problematisch ist dabei allerdings auch, dass die Engstelle nur von Fahrzeugen passiert werden darf, die nicht breiter als zwei Meter sind. So sieht es eine entsprechende Beschilderung, die der Kreis veranlasst hat, vor.

Nach Mitteilung von Erkens bezieht sich das auf die Breite der Fahrzeuge ohne Außenspiegel. Damit steht ihre Aussage allerdings im Widerspruch zu dem Handeln der Autobahnpolizei in Nordrhein-Westfalen, die die Gesamtbreite zugrunde legt und bei Fahrzeugen, die in Baustellen die linke Spur benutzen und die entsprechenden Maße überschreiten, abkassiert. Legt man die Breite mit Außenspiegel zugrunde, dürfte selbst ein neuer Golf die Engstelle der K 3 nicht mehr passieren. Nach Angaben des ADAC sind 67 Prozent der gängigen 280 Automodelle, die der Automobilclub unter die Lupe genommen hat, mit Spiegeln breiter als zwei Meter. Für die Bewohner in Mühlenschmidthausen ein Problem, denn über die L  528 führt auch kein Weg, da die Serpentinen gesperrt sind. Da bleibt dann nur der weite Weg durchs Oberbergische oder über Halver.

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