Närrische Party der Frauen im katholischen Gemeindehaus

Angespornt durch Gregor Myrda und das Bobfahrerlied rodelte der Bob einer Goldmedaille entgegen.

KIERSPE -  Vier Stunden lang war das ausverkaufte Gemeindehaus am Glockenweg nicht wiederzuerkennen: Clowns, Käfer, Außerirdische und viele weitere farbenfroh kostümierte Wesen hatten das kirchliche Haus fest in ihrer Hand.

Von Gertrud Goldbach

Bei einer so großen Übermacht an närrischen Frauen musste Hausherr Pastor Gregor Myrda sich in sein Schicksal ergeben – so griff er kurzerhand in die Kostümkiste und feierte fröhlich mit.

„Zirkus kunterbunt“ lautete das Motto beim Karnevalsauftakt. Vor wilden Tieren musste sich dennoch niemand fürchten.

Seit Jahren gehört die Bühne zum Auftakt des Programms Christa Kluth, die mit einer Büttenrede für Stimmung sorgt. Wie es bei einer Katholikin nahe liegt, befasste sie sich mit einem religiösen Thema – der Kommunion. Viele Vorbereitungsabende müsse man überstehen und am Tag der Kommunion gebe es auch noch so manche Hürde zu überwinden: Sowohl der Gottesdienst als auch die Sitzordnung bei der Feier bedürften der genauen Planung.

Mit dem nächsten Programmpunkt wurde die Stimmung weiter angeheizt: Der Meinerzhagener Sing- und Spielkreis zeigte die neueste Mode aus Paris. Was die Models Anita, Lisel und Gertrud aus einer Herrenunterhose alles zaubern konnten, erstaunte das närrische Publikum. Die nun folgende Zirkusnummer zeigte auch akrobatisches Geschick: Mit einem Strumpfhosentanz zur Musik von Höhnern und Brings vollbrachten die Tänzerinnen wahre Höchstleistungen und schienen beide Beine zugleich in die Luft zu werfen.

Frauenkarneval in Kierspe

Bei genauerer Betrachtung erwiesen sich diese tollkühnen Sprünge jedoch als Trick. „Ayse“, alias Stephan Jatzkowski, berichtete Amüsantes über ihre Integration. So habe ihr Onkel ein neues „Integrations-Restaurant“ aufgemacht, in dem es jetzt neben Döner auch Grünkohl und Mettwurst gebe. Die letzte Nummer vor der Pause war besonders rasant. Pastor Myrda hatte sich ein weibliches Team aus Bobfahrerinnen zusammengestellt und rodelte, angespornt durch das Bobfahrerlied, einer Goldmedaille entgegen.

Der Fahrschulunterricht in der Küche präsentierte sich besonders originell: Als Kupplung diente ein Telefon, als Bremse ein Paket Spaghetti, und als Gaspedal musste ein Gummistiefel herhalten. Dumm nur, dass die Fahrlehrerin der Schülerin die Anweisung gab, falsch in den Glockenweg einzubiegen. Schon schellte es an der Tür und ein Beamter forderte 120 Euro Bußgeld.

Wie schnell sich die vorgefasste Meinung von Frauen ändern kann, zeigten wieder die Meinerzhagener Frauen mit ihrem mitreißenden Auftritt. Amüsante Einblicke in den Krankenhaus-Alltag gab Sanitäterin Lisa: Vom Chirurgen, der blind operiert weil er kein Blut sehen kann bis zum Arzt, der früher einmal Pastor war und sonntags die Wunden der Patienten mit Kreuzstich näht reichte die Bandbreite der Geschichten. Die „Wackeltenöre“ begeisterten mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“.

Mit einem Loriot-Sketch endete das Programm schließlich kurz vor 23 Uhr. Nun war Jürgen Hardes am Keyboard gefordert, der für Stimmung im großen Saal des Gemeindehauses sorgte. Polonaisen, Karnevalshits und Schunkellieder waren gefragt. Doch sehr lange hielten es die Frauen nicht mehr aus. Schon bald leerte sich der Saal, da am nächsten Tagbei der Arbeit die Pflicht rief. Das wird erfahrungsgemäß bei der Freitagsvorstellung anders, dann wird sicherlich ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

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