Liste von Argumenten pro Komplettfällung der Allee

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In der Sitzung wurde eine hohle Astscheibe von der Kastanienallee als Demonstrationsobjekt für die Schäden an manchen Bäumen präsentiert. Ordnungsamtsleiter Wolfgang Plate listete ein Argument nach dem anderen pro Komplettfällung der Allee auf.

KIERSPE ▪ „Wir leben in einer Demokratie, ich akzeptiere diesen Beschluss und werde jetzt auch keine Sitzblockade an der Kastanienallee mehr machen“, nahm die Kiersper BUND-Vorsitzende Gudrun Barth spürbar resigniert zu der Entscheidung des Umwelt- und Bauausschusses Stellung, der am Dienstag mit 11:8 Stimmen für die Komplettfällung der Kastanienallee bei der Isenburg votiert hatte.

Verbunden sein soll damit die Neuanpflanzung von 42 jungen Winterlinden. Erich Mürmann von der SPD appellierte, dabei dann aber Fachleute hinzuziehen, um sicherzustellen, dass die neuen Bäume so gepflanzt werden, dass diese wirklich alt werden können.

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Zu Beginn der Sitzung hatte Gudrun Barth sich nochmals für den per Ratsbeschluss im vergangenen Jahr auf den Weg gebrachten Kompromiss eingesetzt, die gesunden Bäume zu erhalten und nur die zu entfernen, von denen eine Gefährdung ausgeht. Außerdem wies sie aktuell auf einen Kontakt mit dem Bundesumweltministerium hin: In dem Gespräch sei deutlich gesagt worden, dass auch Nach- oder Teilpflanzungen in einer Allee finanziell gefördert würden, wenn darüber politischer Konsens herrsche.

Zuhörer und Politiker wurden am Dienstag mit einer wahren Flut von Argumenten konfrontiert, die alle für den Verwaltungsvorschlag sprachen, die Allee jetzt komplett zu entfernen. Dafür sorgten weniger die Befürworter aus dem politischen Raum als die Verwaltung selbst. Wobei Bürgermeister Frank Emde erst noch zum wiederholten Mal unterstrich, dass hier nur ein Vorschlag in die Diskussion eingebracht werde.

Dann aber folgte es trotzdem Schlag auf Schlag, so dass den Befürwortern der Komplettfällung die Arbeit regelrecht abgenommen wurde: Schon in der Vorlage war das Gutachten des Fachbüros wiedergegeben worden, das unter anderem auch fünf neu geschädigte Bäume auflistete und zudem zwei, die aus Verkehrssicherungsgründen zusätzlich gefällt werden müssen. Aber es kam auch nochmals ein Zitat aus einer aktuellen Stellungnahme des Gutachters: So habe dieser klar gesagt, dass er der Allee aufgrund des Pseudomonas-Bakterien-Befalls keine Zukunft gebe und ihre Erhaltung nicht sinnvoll sei, fasste Ordnungsamtsleiter Wolfgang Plate zusammen.

Er war am Dienstag das Sprachrohr der Verwaltung und informierte erst einmal, in dem er sich auf ein aktuelles Gespräch mit der Bezirksregierung bezog, dass Fördermittel für eine Nachpflanzung definitiv nicht gewährt würden, denn natürlich habe Arnsberg das Gutachten zur Kenntnis erhalten und kenne dessen Aussagen.

In der Verwaltungsvorlage waren als weitere Argumente die hohen Zuschüsse, die es für eine neue Allee gibt, gleich schon mit konkreten Zahlen unterlegt, in Aussicht gestellt worden und zudem auf die Schwierigkeit hingewiesen worden, einen Standort für eine Bürgerallee in Kierspe zu finden, weil kein Eigentümer bereit sei, einen Streifen Land dafür abzugeben. Daher wurde die neue Winterlindenallee anstelle der alten Kastanienallee als Alternative für die von Grünen und UWG beantragte Bürgerallee ins Spiel gebracht. Niemand wisse zudem, ob das Landesförderprogramm auch noch nach 2015 weiterlaufe, gab Plate weiter zu bedenken. Möglich wäre ebenfalls, dass die Mittel vielleicht 2014 sogar schon aufgebraucht seien.

Im Übrigen sei Kierspe, so Plate, eine besonders waldreiche Region mit 47 Prozent Wald gegenüber im Durchschnitt 27 Prozent bei vergleichbaren Kommunen, womit er andeutete, dass es hier Bäume genug gebe.

Es half auch nichts, dass Christa Ackermann, eine Bürgerin aus dem Ortsteil Dorf, nochmals in die Waagschale warf, dass kranke Bäume sich wie Menschen wieder erholen und gesunden können. Sie forderte, den Kastanien die nötige Zeit dafür zu geben. Auch Hartmut Turck betonte, dass es eine Schande sei, diese immer noch wunderschöne Allee zu beseitigen. Hermann Reyher von den Grünen erinnerte an das schwere Unwetter vor kurzem und berichtete, dass die Kastanienallee so gut wie nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Also sei ihr Zustand anscheinend doch vielleicht gar nicht so schlecht. Das sei nur ein glücklicher Zufall gewesen, kam da ein Einwurf von Stadtmitarbeiter Klaus Müller. Tiefbauamtsleiter Karsten Seil präsentierte daraufhin eine dicke Astscheibe, die innen hohl war und, wie er angab, von der Allee stamme.

Kritik gab es von Erich Mürmann (SPD) daran, dass die Verwaltung von den zu fällenden Kastanien nach der Entfernung des Astwerkes die kahlen Stämme stehen gelassen habe und so für ein für viele Menschen „fürchterliches und unerträgliches Bild“ gesorgt habe. Auch die beschlossene Nachpflanzung wurde nicht umgesetzt – und von den Kritikern der Fällung wurde tatsächlich bereits geunkt, dass dahinter bestimmt Berechnung steckte.

Mürmann fand es absolut falsch, dass angesichts des großen öffentlichen Interesses im vergangenen Jahr und des gefundenen guten Kompromisses nach so kurzer Zeit eine Entscheidung gegen die Menschen in Kierspe getroffen werde.

Marie-Luise Linde von der CDU verteidigte, dass sich CDU, UWG und FDP über den erklärten Bürgerwillen hinwegsetzen: „Wir entscheiden hier nicht gegen die Bürger, sondern für die Zukunft, für eine neue Allee bei der Isenburg aus schönen Winterlinden.“ Ins gleiche Horn stieß Dieter Grafe von der UWG, wobei er ergänzend unterstrich, dass angesichts einer veränderten Situation sogar die Verpflichtung für die Politik existiere, neu nachzudenken. Er plädierte außerdem für eine einheitliche Lösung bei der Allee und meinte, die Winterlinde sei ein ausgesprochen widerstandsfähiger Baum und daher bestens geeignet. ▪ Rolf Haase

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