Internationale Freundschaft muss gelebt werden

Im Rahmen der öffentlichen Feierstunde im Park von Denton erklangen die Nationalhymnen von England, Frankreich und Deutschland.

KIERSPE ▪ „Wo Wege der Freundschaft zusammenführen, sieht die Welt für eine Weile wie Heimat aus“, brachte Bürgermeister Frank Emde zur offiziellen Gründung der neuen Städtepartnerschaft mit der englischen Stadt Denton ein Zitat des deutschsprachigen Schriftstellers Hermann Hesse.

Diese Wege seien nunmehr geöffnet. Zugleich wurde am vergangenen Wochenende in der Stadt bei Manchester auch das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Montigny-le-Bretonneux gefeiert, mit der Kierspe ebenfalls eine langjährige Freundschaft verbindet.

Mit fast einer halben Stunde Verspätung hob der Flieger mit der neunköpfigen Kiersper Delegation in Köln am Freitagnachmittag ab und traf dann um 16.15 Uhr Ortszeit in Manchester ein. Dort wurden die Gäste schon von ihren britischen Gastgebern erwartet. Wer im Hotel schlief, wurde dorthin gebracht, für die anderen ging es in die Gastfamilien. Das Abendprogramm sah für alle unterschiedlich aus. Einige unternahmen nach dem Abendessen einen Ausflug in die Stadt, in der es noch eine intakte Gastronomie gibt. Natürlich ging es auch in einen originalen englischen Pub. An diesem Abend bestand so genügend Gelegenheit zum Gedankenaustausch und gegenseitigen Kennenlernen.

Typisch für die Häuser und Wohnungen ist, dass sie meist über zwei Etagen angelegt und vergleichsweise klein sind. „Wenn man hineingeht, betritt man direkt das Wohnzimmer. Unten befindet sich ansonsten noch die Küche, und oben sind dann das Bad und zwei Schlafzimmer“, berichtet Dorette-Vormann-Berg. Kierspes Hauptamtsleiterin war ebenfalls bei einer Gastfamilie untergebracht. Sie kam mit einem insgesamt positiven Eindruck aus der neuen Partnerstadt zurück: „Es waren entspannende Tage, in denen eine tolle Freudschaft voller Herzlichkeit ihren Anfang nahm. Der Aufenthalt war wirklich sehr schön“, lautet das Fazit der Stadtmitarbeiterin, die zu der Kiersper Delegation mit Bürgermeister Frank Emde, seiner Stellvertreterin Marie-Luise Linde und den beiden Vorsitzenden des Städtepartnerschaftsvereins Karin Makereel und Christiane Busch an der Spitze gehörte.

Begründung einer Städtepartnerschaft mit Denton in England

Am Samstagmorgen wurde zunächst das neue Schulzentrum besichtigt, das Denton Community College, das erst seit Anfang des Jahres in Betrieb ist. Hier wurden zwei Schulen zusammengefasst, deren Gebäude beide marode waren, so dass sich Kommune lieber für den Neubau entschied. Es handelt sich um ein architektonisch betont offen gestaltetes Gebäude mit Klassenräumen ohne Türen. Die Schule ist recht groß und in einer U-Form über zwei Etagen errichtet. Es gibt einen Innenhof mit Grünanlagen und Pflanzbeeten, Ruhebänken und einer kleinen überdachten Freilichtbühne, der als Oase bezeichnet wird. Turnhalle, Fitnessraum, Kletterwand, Balettraum sowie kombinierter Hörsaal und Theater sind vorhanden. Die Naturwissenschaftsräume sind sehr modern eingerichtet und ausgestattet. In der Schule hängen an den Decken Bildschirme, auf denen immer die neuesten BBC-Nachrichten flimmern.

Denton ist eine Stadt von 28 000 Einwohnern, die zum Verwaltungsbezirk Tameside zählt. Tameside hat den Status eines Metropolitan Borough in England und ist nach dem Fluss Tame benannt. Sitz der Verwaltung ist Ashton-under-Lyne. Zu Tameside gehören neben Denton weitere Orte wie Ashton, Audenshaw, Droylsden, Dukinfield, Hyde, Longdendale, Mossley und Stalybridge, St. Peters und St. Michaels.

Denton liegt acht Kilometer östlich von Manchester und hat sich über viele Jahrhunderte zu einer pulsierenden Stadt entwickelt. Ein neues Einkaufszentrum ist auf dem Gelände einer ehemaligen Hutfabrik gebaut worden, wo sich zahlreiche Geschäfte angesiedelt haben. Im Zentrum gibt es trotzdem noch viele kleine Läden. Ein neuer, moderner Platz mit einem Springbrunnen ist ebenfalls in den letzten Jahren entstanden, der auch als Marktplatz genutzt wird. Neben der weierführenden Schule gibt es noch zehn Grundschulen und neun Kindergärten.

Im Bereich Sport sind in Denton drei professionelle Kricketclubs und mehrere Fußballmannschaften aktiv. Weiterhin werden Yoga, Golf, Karate, Badminton, Tischtennis und vieles andere angeboten.

Früher war der Ort geprägt von der Hutindustrie. In der Hochzeit wurden dort bis zu 24 000 Hüte in der Woche produziert. Im Jahr 1921 arbeiteten über 40 Prozent der Bevölkerung in diesem Industriezweig. Die letzte Hutfabrik schloss im Jahr 1980. Weitere Industriezweige in der Vergangenheit waren die Batterieherstellung und der Kohlebergbau. Dentons Erscheinungsbild ist auch heute noch geprägt von einzelnen Industriebauten aus dieser Zeit, doch einige mussten auch modernen Geschäften weichen oder wurden in moderne Büroräume umgebaut. Heute sind viele Dienstleistungsbetriebe ansässig.

Das älteste Gebäude wurde im Jahr 1529 gebaut: die Kirche St. Lawrence. Sie wurde bekannt durch ihr Fachwerk und wird auch die schwarz-weiße Kirche genannt. Im Zentrum liegt der Victoria Park mit einem Musikpavillion, wo sich im Sommer viele Menschen zu vielfältigen Freizeitaktivitäten treffen.

Nach der Schulbesichtigung ging es durch den Park zum Rathaus, wo die Gäste aus Deutschland und Frankreich schon von der John’s Brass Band sowie im Foyer und Treppenhaus von einer Ausstellung mit Bildern britischer Künstler und Kinder erwartet wurden. Andrew Gwynne, Member of Parlament, begrüßte die Besucher und die Mitglieder des Vereins für Städtepartnerschaften aus Denton sowie ebenfalls die anwesenden Gastfamilien. Aus Montigny war unter den 25 Personen neben Bürgermeister Michel Laugier auch der bis 2004 amtierende langjährige Bürgermeister Nicolas About erschienen, außerdem Michele Parent von der Stadtverwaltung sowie Marie-Thérèse Andre, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins.

Nach der Begrüßung durch den Unterhausvertreter Gwynne kam es zur formellen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde durch die Unterschriften von Margaret Downs, Präsidentin des Partnerschaftsvereins Denton/Tameside, der Oberbürgermeisterin von Tameside, Brenda Warrington, sowie Bürgermeister Frank Emde. Letzterer unterstrich: „Die Unterzeichnung der Urkunde ist mit dem Wunsch verbunden, dass sich eine dauerhafte und nachhaltige Freundschaft entwickeln möge, die nicht nur schriftlich vereinbart wird, sondern dass es gelingt, die Kommunikation durch Partnerschaftstreffen zu intensivieren.“ Emde zeigte sich froh, dass alle drei Städte Partnerschaftsvereine haben, die sehr engagiert seien und sich für die Verständigung von England, Frankreich und Deutschland einsetzten. Er ergänzte jedoch auch, indem er den deutschen Musiker und Ingenieur Ernst Zacharias zitierte, dass Freundschaft „ein köstliches Geschenk“ sei, aber genauso „eine dauerhafte Aufgabe“

Nach Emdes Rede sprach Montignys Bürgermeister Michel Laugier und bekräftigte durch die Unterzeichnung einer Urkunde die 20-jährige Partnerschaft mit Denton neu. Er ging auf die zahlreichen Besuche zu den unterschiedlichsten Anlässen ein und begrüßte ausdrücklich die offizielle Begründung der neuen Partnerschaft mit Kierspe. Mit dem Aufruf „Vivre Denton! Vivre Kierspe! Vivre Montigny! Vivre Europa“, schloss er seine Rede und machte damit ein eindeutiges Bekenntnis zu Europa in einer schwierigen Zeit, wenn man an die unter starken Druck geratene Währungsunion denkt.

Anschließend ging es in den Park wo bereits zwei Löcher ausgehoben worden waren: In eines wurde eine deutsche Linde gepflanzt und in das andere eine französische Eiche. Daran nahm auch die Bevölkerung von Denton regen Anteil. Bürgermeister Frank Emde kam es bei der Gelegenheit zu, einige Pfadfinder, die ihren Eid ablegten, auszuzeichnen. Bei dieser Feierstunde erklangen die Nationalhymnen der drei Länder. Es wurde ein Foto gemacht, auf dem die Offiziellen aus Montigny mit ihren Schärpen in den Nationalfarben waren und die deutschen und britischen mit ihren Bürgermeisterketten. Emde hatte entsprechend des Anlasses auch seine extra mitgebracht.

Ebenfalls dem Markt am Rathaus mit allerlei Ständen wie Geschenkkarten, Keramik, Seife und einem Getränkestand, an dem extra ein Partnerschaftsbier ausgeschenkt wurde, galt ein Bessuch. Nachmittags stand noch Bowling im Freien auf dem Programm, wo unter der Leitung der Damen des örtlichen Clubs ein kleiner Wettkampf veranstaltet wurde. Abends gab es dann im intimen Kreis eine kleine Feier im Pub The Lowes Arms, wo zu Abend gegessen wurde, zu vorgerückter Stunde die Engländer ein deutsch-fanzösisch-britisches Lied anstimmten und hinterher auch noch eine Rockband spielte.

Am Sonntag kam es zum Abschluss noch zu einem Besuch in Manchester mit Stadtbesichtigung und anschließend stand auch schon der Rückflug an.

Rolf Haase

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