Tag des offenen Denkmals wieder gut besucht

Das kleine Museum im Alten Amtshaus ist vielen Kierspern immer noch unbekannt.

KIERSPE ▪ Bundesweit standen am Sonntag mehr als 8000 Denkmäler zur Besichtigung offen – neun davon in Kierspe. Dabei sollen am Tag des offenen Denkmals vor allem solche Sehenswürdigkeiten gezeigt werden, die normalerweise nicht zugänglich sind.

So gesehen, ist das Reidemeisterhaus ein Denkmal par excellence. Das von Familie Voswinkel bis heute bewohnte Haus wird tatsächlich nur an diesem einen Tag für die Öffentlichkeit geöffnet, dementsprechend groß war das Interesse. Die Besucher konnten unter Führung von Familienmitgliedern einzelne Räume besichtigen. So zeigte Erich Voswinkel im Reidemeisterzimmer Haushaltsgeräte, die in früheren Zeiten von der Familie benutzt worden waren. Die „Dröppelminna“ ist zwar schon lange außer Gebrauch, war den Besuchern aber immer noch ein Begriff. Nicht alle Räume wurden gezeigt, aber die Besucher bekamen einen guten Eindruck von dem frühindustriellen Unternehmerhaushalt.

Schwerpunktmäßig ging es diesmal um das Thema „Holz“. Dazu hatten Traugott Zentz und Ingmar Theis in der Servatiuskirche in Rönsahl eine besondere Führung vorbereitet. Die Besucher erklommen die steile Treppe bis zu den drei großen Glocken, von denen die älteste aus dem Jahr 1466 stammt. Von dort aus konnten sie durch eine Luke einen Blick in den Dachstuhl der Kirche werfen. „Die Sparren laufen alle nach oben,“ machte Kirchmeister Traugott Zentz aufmerksam. „Wie bei einer Brücke.“ Dieser Einblick war auch vielen Gemeindemitgliedern bislang unbekannt.

In der Brennerei drehten sich die Führungen hauptsächlich um Alkohol – bis 2002 wurde hier Hochprozentiges gebrannt, seit einigen Jahren braut Wolfgang Becker hier das in Kierspe mittlerweile sehr bekannte Rönsahler Landbier.

Zum Thema Holz gab es aber auch etwas zu sehen: Im Ausstellungsraum der Brennerei bestaunten die Besucher den neuesten Zugang, die große Weihnachtspyramide (wir berichteten). Die Kinder interessierten sich vor allem für die Modelle einer Pulvermühle und eines Osemund-Schwanzhammers. Elektrisch betrieben, stampften die Hämmer, surrten die Transmissionsriemen und gaben einen Einblick in die Industriegeschichte des 19. Jahrhunderts.

Nicht ganz so alt sind die Ausstellungsstücke im Bakelitmuseum im Alten Amtshaus. Hier zeigte Ortspfleger Ulrich Fink in Kierspe produzierte Gegenstände aus dem Kunststoff. Zwei Besuchern hatte es vor allem die Knittax-Strickmaschine angetan. Obwohl selber Kiersper, waren sie zum ersten Mal in dem kleinen Museum. Beim Anblick der zahlreichen Alltagsgegenstände, von denen viele in der Firma Deisting hergestellt worden waren, kamen Kindheitserinnerungen hoch. „So eine Dose hatte ich auch.“

Manche Besucher hatten weite Wege auf sich genommen, um Kiersper Denkmäler zu besichtigen. „Viele Leute machen eine Denkmaltour,“ sagte Karin Derksen in der Rhader Mühle. Sie erklärte das Backhaus auch Interessierten aus dem Rheinland, Ruhrgebiet und Hochsauerland.

Insgesamt wurde das Besucherinteresse sehr unterschiedlich wahrgenommen. Im Fritz-Linde-Museum war man zufrieden. „Vielleicht sind manche auch vom Stadtfest aus gekommen,“ vermuteten die Ehrenamtlichen. In der Rhader Mühle und in den Kirchen sah das anders aus. In der Servatiuskirche kamen die ersten Besucher am frühen Nachmittag; St. Josef stand zwar offen, fand aber auch wenig Interesse.

Im Schleiper Hammer traf Marc Wülfrath eine „alte Bekannte“ wieder, eine Bakelitpresse aus dem Jahr 1939. Die Presse hatte lange in der Firma Battenfeld als Ausstellungsstück gestanden und hatte von dort ihren Weg in den Schleiper Hammer gefunden. „Ich habe sie mit hierher gebracht,“ erzählte Wülfrath. Nun konnte er das gute Stück seiner Familie zeigen. ▪ bnt

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