Mit Heißdampf und Granulat

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Mit einem speziellen Granulat werden die Ölspuren abgestreut. Anschließend wird das eingesetzte Bindemittel entsorgt. Anlass für diesen Einsatz auf der Straße Kamperbach war ein überlaufender Dieseltank.

Kierspe - Sie stinken, sind giftig, unter Umständen entflammbar und eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer – die Rede ist von den Spuren, die Öl- und Benzin hinterlassen, wenn sie aus einem Fahrzeug auf die Straße laufen. Undichte Tanks, Unfälle und Unachtsamkeit führen zu den oft Hunderte Meter langen Spuren. Die MZ sprach mit Wehrleiter Georg Würth über dieses Thema.

Wie oft muss die Feuerwehr wegen Ölspuren ausrücken? 

Da auch Unfälle immer wieder dafür verantwortlich sind, dass sogenannte Betriebsmittel auslaufen, muss sich die Feuerwehr immer wieder mit dem Thema beschäftigen. Allein in den vergangenen beiden Wochen sorgten ausgelaufenes Öl und Benzin für acht Wehreinsätze.

 Was waren dabei die Ursachen? 

Mal war der Tank eines Lkw so voll, dass dieser überlief, als der Wagen an einer abschüssigen Straße parkte. Ein anderes Mal hatte sich ein Lkw-Fahrer den Tank an einem Randstein aufgerissen und ein Pkw-Fahrer die Wanne seines Wagens an einem Bordstein. Aber es gab auch einen Verkehrsunfall, der ursächlich für auslaufendes Öl war. 

Wie ist das Vorgehen der Feuerwehr in einem solchen Fall?

Da die Wehr grundsätzlich zuständig ist, wird diese immer alarmiert, wenn Betriebsstoffe auslaufen. Vor Ort hängt es dann von der Länge der Spur ab. Ist das Öl konzentriert, wie das oft nach einem Unfall der Fall ist, dann kümmert sich die Feuerwehr darum, genau wie bei kleineren Spuren. Ist die Ölspur recht lang, dann wird eine Fachfirma hinzugerufen, die mit einem Heißdampfverfahren das Öl aufnimmt. In dem Fahrzeug wird dann das Öl vom Wasser getrennt – und das Wasser wird wieder für die Reinigungsarbeit verwendet. In einem solchen Fall streut die Wehr auch im Vorfeld nicht ab, weil das Fahrzeug mit Bindemittel behandeltes Öl schlechter verarbeitet. Dann konzentrieren sich die Wehrleute darauf, zu verhindern, dass Öl oder Benzin versickert oder in die Kanalisation gelangt. 

Welches Verfahren wendet die Feuerwehr an? 

Üblicherweise setzt die Feuerwehr Bindemittel ein. Dieses Granulat gibt es in verschiedenen Korngrößen – von fein wie Mehl bis grob wie Mais. Mit Besen wird dieses dann in das ausgelaufene Öl „eingefegt“. Sind die Betriebsstoffe vollständig gebunden, wird das Granulat aufgefegt und in einer speziellen Tonne zum Bauhof gebracht, wo es in einem Behälter landet, in dem auch weitere ölhaltige Abfälle gesammelt werden. Ist dieser gefüllt, wird er vom Entsorger abgeholt und der Inhalt fachgerecht entsorgt. Gehen 

Gefahren von dem Bindemittel aus? 

Das Granulat an sich ist vollkommen ungiftig. Nach dem Abstreuen, Einfegen und Aufnehmen bleibt meist ein feiner Staub zurück, von dem aber auch keine Gefahren ausgehen. Dieser Staub verweht entweder durch vorbeifahrende Autos oder wird vom Regen abgewaschen. 

Wenn das Öl sowohl von der Fachfirma als auch von der Wehr komplett entfernt wird, warum stehen dann oft noch Warnschilder an der Straße? 

Nach der Aufnahme durch den Heißdampf und auch nach dem Abstreuen bleiben Reste zurück. Nach dem Einsatz der Wehr ist es der erwähnte feine Staub, nach dem Einsatz mit dem Heißdampf eine nasse Fahrbahn. Die Warnschilder sollen Verkehrsteilnehmer zu höherer Wachsamkeit auffordern. Vor allem Motorradfahrer könnten gefährdet werden, wenn sie plötzlich auf einer nassen Straße fahren, damit aber nicht gerechnet haben. 

Wenn bei größeren Ölspuren sowieso eine Fachfirma gerufen wird, warum müssen die Wehrleute dann trotzdem ausrücken? 

Die Fachfirma muss – so ist es vertraglich geregelt – innerhalb einer Stunde vor Ort sein, die Feuerwehr ist nach wenigen Minuten da und kann den Bereich sichern und erste Maßnahmen einleiten, die Unfälle verhindern und Umweltschäden minimieren. Im Rahmen der Initiative „FeuerwEhrensache“ des Landes hatten die Wehren darauf gedrungen, von der Verpflichtung bei Ölspuren auszurücken, befreit zu werden. Doch damit haben sie sich letztlich nicht durchsetzen können. Auch jetzt steht im Gesetz, dass die Ölspur und die damit verbundenen Arbeiten grundsätzlich in den Aufgabenbereich der Feuerwehr fallen.

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