Tragen des Kreuzes hilft beim Rückblick aufs Leben

Sechs Stationen hatte der ökumenische Kreuzweg, den die Christen am Freitagabend gingen. - Fotos: Goldbach

Kierspe - Zu einem ökumenischen Kreuzweg machten sich am Freitagabend 30 Christen aus der evangelischen, frei evangelischen und katholischen Gemeinde auf. Seit 1984 treffen sie sich immer eine Woche vor Ostern, um durch die Straßen von Kierspe zu gehen, voran ein großes hölzernes Kreuz.

Von Gertrud Goldbach

Dieses wurde 1974 für einen Jugendgottesdienst in der Margarethenkirche gefertigt und ist von Beginn an ständiger Begleiter des ökumenischen Kreuzweges.

Ihre erste Station hatten die Kreuzwegteilnehmer in der katholischen Kirche St. Josef, die sie mit einer kurzen Andacht begannen. „Welches Kreuz trage ich?“, fragte Pastor Gregor Myrda die Gemeinde. „Ein Kreuz zu tragen lässt uns zurückblicken auf alles, was bisher geschah.“

Dr. Paul Gerhard Schröder war der erste Träger, der das Holzkreuz zur zweiten Station am Rathaus trug. Hermann Reyher sah das Rathaus als Symbol für politisches Handeln. Er rief die vielen Flüchtlinge in Erinnerung, die hier verwaltungsmäßig aufgenommen worden sind. „Diese Menschen haben grausame Bürgerkriege und Verfolgungen überlebt“, machte er deutlich. „Wir sind zornig und traurig, dass diese schrecklichen Kriege und Terroranschläge in Asien und Afrika unvermindert weitergehen – und leider oftmals religiös motiviert sind.“

Bei ihrer dritten Station hatte die Gruppe die Seniorenzentren im Blick. „Warum will niemand ein Pflegefall sein, warum will keiner, der selbst pflegt, ein Pflegefall werden?“, waren Fragen die Ulrich Jatzkowski sich und den Kreuzwegteilnehmern stellte. „Oft fühlt sich ein Mensch, der ein Pflegefall ist, nur als Kostenfaktor“, überlegte er weiter laut.

Über den Haunerbusch zog die kleine Gruppe der vierten Station entgegen – der Pestalozzischule. Die ehemalige Lehrerin der Bismarckschule Gisela Paulick hatte diese Station übernommen. „Inklusion bedeutet in unseren Schulen, dass Menschen mit Behinderungen einbezogen werden sollen in die Lebensbereiche der nichtbehinderten Menschen“, so Gisela Paulick. „Doch bei der Inklusion geht es in den meisten Fällen nur darum, dass die Kinder mit den unterschiedlichsten Behinderungen am normalen Schulleben teilnehmen können und möglichst wenig auffallen sollen. Einfach nur dabei sein, ist keine Inklusion.“ Mit dem Bau eines Hauses verglich Gisela Paulick die Entwicklung eines Kindes. „Nur auf einem soliden Fundament steht ein gutes Haus. Das gilt auch für unsere Kinder.“ Die fünfte Station war am Ende des Haunerbusches im Industriegebiet. Wolfgang Rittinghaus machte sich Gedanken zu den Arbeitsbedingungen der Menschen in Bangladesch und ihren Lebensbedingungen. Die Freie evangelische Gemeinde war die letzte Station des ökumenischen Kreuzweges. Nach einer kurzen Besinnung unter der Anleitung von Pastor Siegfried Ochs waren alle Christen zu einer Agapefeier eingeladen – einem Freundschaftsmahl.

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