„Sprechender“ Grabstein erzählt Zeitgeschichte

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Mehrere Heimatfreunde nahmen den von einem Kölner Steinmetz restaurierten Obelisken-Grabstein auf dem Rönsahler Friedhof entgegen, wo er wieder aufgestellt werden soll.

Rönsahl - „Gräber schaffen Heimat“ – so sagt man. Und dass in diesem Sprichwort mehr als nur ein Quäntchen an Wahrheit verborgen liegt, das findet sich immer wieder bestätigt. Angehörige von verstorbenen Familienmitgliedern, selbst wenn sie mittlerweile längst nicht mehr am Ort wohnen, finden insbesondere bei entsprechenden Anlässen hin und wieder den Weg zum Friedhof ihrer Heimatgemeinde, um an den Gräbern ihrer Verstorbenen stille Einkehr zu halten.

Ältere Grabsteine zeigen die Namen, die Lebens- und Sterbedaten vergangener und hier und da zum Teil im Mannesstamm am Ort bereits längst erloschener Geschlechter auf, wecken gleichzeitig die Erinnerung an Menschen, die einmal dort gelebt haben, an deren Wirken und Schaffen.

Alte Grabsteine sind – wenn die Nachwelt Glück hat und diese Steine im Familienbesitz bleiben und so die Jahrzehnte überdauern – zumeist auch Dokumente ihrer Zeit, der Zeit, in der sie errichtet wurden und seitdem ein Stück Zeitgeschichte erzählen. Einige solcher zeitgeschichtlichen Dokumente finden sich auch auf dem Kommunalfriedhof in Rönsahl.

Kaum wahrnehmbare Beschriftung

Eines davon, ein etwa 500 Kilogramm schwerer Obelisken-Grabstein, zuvor infolge kaum noch wahrnehmbarer Beschriftung scheinbar in Vergessenheit geraten und bereits auf dem dafür vorgesehenen Platz auf dem Friedhofsgelände am Büscherberg in Kierspe abgelegt, konnte dank der Aufmerksamkeit einiger Heimatfreunde indes gerettet werden.

Der Zufall hatte mitgespielt, als den Heimatkundlern Regina und Karl-Friedrich Marcus vor etlichen Monaten das Fehlen dieses markanten Grabsteins aufgefallen war. Noch rechtzeitig vor der endgültigen Entsorgung dieses Obelisken, eines so genannten „sprechenden Grabsteins“, gelang es in gemeinsamem Bemühen, diesen Zeugen der Ortsgeschichte zu retten.

Steinmetz Johann Steinmus, zuständig für die Steinmetzarbeiten auf dem Melaten-Friedhof in Köln, hatte dank des Sponsorings durch die Sparkassenstiftung das Restaurieren des wohl ältesten „sprechenden Grabsteins“ auf dem Rönsahler Friedhof übernommen.

Zumindest ein Stück weit erzählt dieser Stein die Geschichte der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Heuser, die über mehrere Jahrhunderte in Rönsahl lebte. Ein großes Dankeschön geht in diesem Zusammenhang an die Adresse der Sparkassen-Stiftung in Kierspe.

Denn die Stiftung stellte die Kosten für die fachgerechte Restaurierung des aus rheinischem Kalkstein bestehendem und mit sogenanntem heimischen Blaustein durchsetzten Steins durch einen auf dem Melatenfriedhof in Köln tätigen Steinmetz bereit.

Die nun wieder lesbare Inschrift auf dem Obelisken-Grabstein lautet: „Hier ruhen die Gebeine der beiden Brüder Friedrich und Leopold Heuser, welche am 4. August 1825 aus ihren ersten Graebern herausgenommen und in dieses Grab versenkt wurden. Ein Denkmal der Liebe meinem Vater und Oheim gewidmet von Servas Heuser.“ Eine solche Umbettung war im Grunde – wergen der Störung der Totenruhe – damals wie auch noch heute verboten.

Im Jahr 1823 neuen Friedhof angelegt

Zum besseren Verständnis sei angemerkt, dass der jetzige Friedhof im Jahr 1823 neu angelegt wurde und der bisherige nördlich der Kirche gelegene in den Folgejahren aufgegeben wurde.

Servas Heuser wollte wohl das Andenken an seinen Vater und Onkel, Johann Leopold und Friedrich Heuser wach halten. Es waren die beiden Söhne von Johann Peter Heuser, dem zur Zeit des großen Dorfbrandes im Jahre 1766 in Rönsahl tätigen Pfarrers.

Der wohl älteste noch erhaltene Grabstein auf dem jetzigen Friedhof in Rönsahl erzählt als sogenannter „sprechender Grabstein“ ein Stück weit die Geschichte der über mehrere Generationen in früheren Jahrhunderten ansässigen Pfarrer- und Kaufmannsfamilie Heuser.

Leopold Heuser hatte in Amsterdam eine Ausbildung als Kaufmann gemacht und danach in Südafrika Handel betrieben. Er kam nach Rönsahl zurück, als sein Bruder Friedrich starb und führte die Geschäfte in Rönsahl fort.

Johann Friedrich Heuser wiederum war erfolgreicher Pulverkaufmann in Rönsahl. Er residierte im Pfarrhaus, in dem sein Vater und später sein Bruder lebten.

Nach dem Tod von Johann Wilhelm baute er das ehemalige Amtshaus und jetzige Bürgerhaus am Marktplatz, um dort zu residieren. Servas Heuser wiederum war der Sohn von Johann Leopold und ging zurück nach Südafrika, kam aber immer mal wieder nach Rönsahl zurück.

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