NRW-Wahl: Erinnerungen an einige Kuriositäten

+
Hans-Jürgen Malycha, Joachim Schumacher und Rüdiger Barthold sind bereits seit vielen Jahren Wahlhelfer. Auch gestern waren sie wieder dabei. ▪

KIERSPE ▪ Besonders unterhaltsam ist die Tätigkeit über den Tag nicht unbedingt, denn es gibt Zeiten, in denen die Wähler nur schleppend kommen. Die meiste Zeit besteht so aus Warten. Erst abends beim Auszählen der Stimmen wird es meist spannender, dann sind alle gefordert.

Wahlhelfer sind die Personen, die die Stimmzettel in den Wahllokalen ausgeben, die ordnungsgemäße Wahl der Bürger beobachten und später die Stimmen auszählen. In Deutschland ist dies ein Ehrenamt, die Ausführenden bekleiden ein öffentliches Amt auf Zeit und sind somit Amtsträger. Die Wahlhelfer werden von der kommunalen Wahlbehörde bestimmt und verpflichtet. Knapp 170 waren es bei der Landtagswahl gestern in Kierspe. Drei von ihnen waren Hans-Jürgen Malycha, Joachaim Schumacher und Rüdiger Barthold, die den Job jeder „schon ewig lange“ machen und sämtlich in ihren Wahlvorständen auch Vorsteher sind.

Rüdiger Barthold kann sich noch an „das erste Mal“ erinnern: „Das war vor bestimmt 30 Jahren noch in der alten Post gegenüber dem Hotel Unter den Linden.“ Mit Unterbrechungen ist er seitdem immer dabei. Viele besondere Vorkommnisse sind dem 61-Jährigen nicht im Gedächtnis geblieben, außer bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr, als er doch tatsächlich vergessen hätte zu unterschreiben und daher extra nochmals von Wahlorganisator Georg Seidel ins Rathaus zitiert worden sei. Mal sei das Auszählen richtig schnell gegangen, mal habe im Rathaus lange darauf gewartet werden müssen, in den vielen Jahren sei alles schon vorgekommen. „Aber in den Unterlagen findet sich die Aussage, dass Zuverlässigkeit vor Schnelligkeit gehe, und danach bin ich immer verfahren“, so Bart hold.

Russlanddeutsche

wollen Kohl wählen

Mit der Europawahl 1984 begann die Wahlhelferkarriere von Joachim Schumacher. Schmunzelnd kann er sich noch an eine Stimme erinnern, die in seinem Wahlbezirk immer für eine extreme Partei abgegeben wurde. Dann sei im Team gemutmaßt worden, wer diese aus dem Wahlbezirk wohl abgegeben haben könne, und da sei immer ein Name genannt worden. Alle seien sich in dem Punkt ziemlich sicher gewesen. Doch dann sei der Betreffende gestorben, wie der 59-jährige Schumacher weiter erzählt, aber die Stimme für die extreme Partei habe es nach wie vor gegeben. So kann man sich eben irren – eine Wahl ist und bleibt eben doch geheim.

Hans-Jürgen Malycha ist seit 1978 dabei und begann im Wahllokal im damaligen Gasthof in Neuenhaus, das mittlerweile in den benachbarten Feuerwehrschulungsraum umgezogen ist. Der 62-Jährige kann die Bundestagswahl von 1992 nicht vergessen, als nach dem Zuzug zahlreicher Russlanddeutscher diese das erste Mal wählen gingen und alle erklärten, sie wollten Helmut Kohl ihre Stimme geben, und fragten, wo sie da ihr Kreuzchen machen müssten. Der stand als Bundeskanzler aber natürlich nicht auf dem Stimmzettel. Sie könnten aus dem Grund höchstens der CDU ihre Stimme geben, wurde ihnen gesagt. „Das war damals alles schon etwas befremdlich“, befindet Malycha. ▪ rh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare