Von der Nordsee bis zum Bodensee

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Wenn sich Hufheilpraktiker Bernd Scholz einem Tier nähert, strahlt er Ruhe aus und Gelassenheit. Jeder seiner fachmännischen Handgriffe sitzt. ▪

KIERSPE ▪ Ganz gelassen nähert sich Bernd Scholz einem Pferd, beschaut es von allen Seiten. Er achtet dabei besonders auf die Stellung der Beine.

Sind die nicht gerade, stehen sie also nicht im richtigen Winkel zum Körper des Tieres, kann die Ursache in den Hufen des Pferdes liegen. Um dies abzuklären, muss er eben diese Hufe näher in Augenschein nehmen. „Ruhig, ganz ruhig“, redet Bernd Scholz mit dem Tier, bückt sich nach unten und beschaut sich die „Schuhe“ des Pferdes. Die sind in dem Fall natürlich. „Mein vier Pferde laufen alle ohne Eisen, sind Barhufer“, sagt Halterin Dagmar Brosy. Deren Pferd hätte ohne die Behandlung des Hufheilpraktikers wahrscheinlich eingeschläfert werden müssen.

„Früher liefen Pferde alle ohne diesen künstlichen Hufschutz“, kommt die Stimme des Bernd Scholz von unten, während er sich am Huf des Tieres zu schaffen macht und dabei überflüssiges Horn wegschneidet, raspelt und feilt. „Erst im Mittelalter kamen Eisen auf. Die Tiere wurden mehr beansprucht, die Stallhygiene wurde schlechter. Das hielten die Hufe nicht mehr aus. Es ist jedoch erforscht und bekannt, dass Hufeisen schaden. Barhuf ist das Optimale für die Tiere“, davon ist der Hufheilpraktiker überzeugt.

Dessen ältestes Pferd, stolze 44 Jahre alt, läuft auch ohne Eisen. „Das was ich jetzt mit der Hufpflege mache, hat früher die Natur getan“, erklärt er weiter. „Die Pferde waren früher mehr aktiv in Bewegung als heute.“ Vier Stunden davon braucht so ein Tier, kaum machbar für die meisten Pferdehalter. Also müssen die Hufe der Vierbeiner zusätzlich gepflegt werden.

Und das mit einer gewissen Regelmäßigkeit, alle sechs Wochen nämlich. Bernd Scholz ist dann auf Huf-Tour, fährt von der Nordsee bis an den Bodensee. Grob geschätzt schaute der Mann aus Kierspe bisher 12 000 Pferden unter die Hufe. „Hufe sind Stoffwechselorgane“, sagt er weiter. „Durch Hufeisen wird die Durchblutung nachweislich eingeschränkt, Arthrosen können so entstehen. Die Unfallgefahr auf Straßen steigt, wie auch die Verletzungsgefahr für Tier und Mensch.“

Bernd Scholz kommt aus der gebückten Stellung heraus, legt die Raspel weg, läuft um das Pferd herum und ist zufrieden mit seiner Arbeit. „Wenn ein Tier kranke Hufe hat, kann das viele Ursachen haben. Die Ernährung spielt mit hinein, eventuell auch Stress, Medikamente oder eine falsche Belastung“, erzählt er dabei weiter aus seinem Beruf. „Es ist nie nur eine Sache allein. Mit einer speziellen Diät und homöopathischen Mitteln kann man mehr machen, als mit der Schulmedizin.“ Seit 2005 ist Bernd Scholz als Hufheilpraktiker selbstständig. Die Ausbildung dazu dauerte mehrere Jahre, lief neben seinem Job. 15 Jahre war der Mann Geschäftsführer im Telekommunikationsbereich. Da ist er heute noch tätig, nebenberuflich, denn Bernd Scholz hat das, was für die eigenen Pferde bestimmt war, zum Beruf gemacht. Der ist anstrengend, aber eben auch sehr abwechslungsreich. Und er ist nicht alltäglich. Wer dort mal hinein schnuppern möchte, für den gibt es unter http://www.pferde-heilpraktiker.de noch eine Menge an Informationen. Und noch etwas: Schulpraktika sind bei ihm möglich. ▪ mmf

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