Bereits 15 Mal wurde das Grundstück überflutet

Die Angst vor dem Hochwasser bleibt bestehen

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Die Volme hinter dem Haus von Mario Seeboth. Derzeit ist von der Gefahr, die von dem Fluss ausgeht, nichts zu sehen.

Kierspe - Wenn das Wasser der Volme steigt, kehrt die Angst zurück. 15 Mal wurde das Grundstück von Mario Seeboth bereits überflutet. Ursächlich dafür sind Veränderungen am Flussbett, um die Kraft des Wassers zu nutzen.

Im Moment herrscht pure Idylle hinter dem Haus von Mario Seeboth. Beschaulich strömt die Volme über die neue Anlage und die Fischtreppe, die dort vor rund drei Jahren errichtet wurden. Und die Maßnahmen wirken, denn auch der alte Obergraben, der an dieser Stelle abzweigt und zum Sessinghauser Hammer führt, bekommt Wasser.

Die Versorgung dieses Grabens war auch das Ziel des Umbaus, bei dem ein altes Wehr beseitigt wurde. Durch Aufschüttungen und den Bau der Fischtreppe wurde das Niveau der Volme angehoben und die Fließgeschwindigkeit des Wassers verringert, man könnte auch sagen, das Wasser wurde gestaut.

Im Januar des vergangenen Jahres sah es an der Volme deutlich bedrohlicher aus. Und Mario Seeboth konnte die eigene Wiese nur in Gummistiefeln betreten.

Doch der Umbau, mit dem letztlich grüner Strom am Sessinghauser Hammer produziert werden soll, hat für den Anlieger Mario Seeboth drastische Folgen. Als er vor sieben Jahren sein Haus kaufte, war die Fließgeschwindigkeit des Wassers noch hoch und der Fluss stürzte das Wehr herunter. Nicht ein einziges Mal trat in den Jahren nach dem Kauf die Volme über. Das änderte sich nach der Neugestaltung des Flussbetts drastisch. 15 Mal überschwemmte das Wasser das Grundstück, bedrohte Haus und Garage von Seeboth. Nur mit der Hilfe der Feuerwehr, dem Einsatz von Sandsäcken und später von mehreren Hochleistungspumpen lies sich Schlimmeres verhindern.

Als die MZ vor rund eineinhalb Jahren das erste Mal über die Situation im Ortsteil In der Grüne berichtete, war Seeboth regelrecht verzweifelt, da sich der Urheber des Umbaus und auch der Kreis seiner Sorgen nicht annehmen wollten. Bei dem Bau hätte man zwar einen kleinen Damm errichtet, der Schaden von Haus und Grundstück abwenden sollte. Das Bauwerk erwies sich aber als wirkungslos, weil das Wasser durch den Boden drückte.

Der Kreis, bei dem die Untere Wasserbehörde angesiedelt ist, verwies auf uraltes Wasserrecht und die grundsätzliche Gefahr im Uferbereich, in dem nun mal das Grundstück liegt.

Bei dem Umbau im Jahr 2016 wurde viel Material ins Flussbett eingebaut – und damit die Volme gestaut und angehoben.

Nach dem MZ-Bericht meldete sich auch der WDR bei Seeboth. Und der Sender brachte gleich einen Experten mit, der eine problematische Situation durch den Umbau bescheinigte. Der Professor für Wasserbau Jürgen Jensen von der Universität Siegen hatte sich mit dem Bauherren, dem Anwohner und dem Kreis vor Ort getroffen und später noch einmal in der Uni. „Ich habe es schwarz auf weiß, dass die Berechnungen des Bauherren nicht stimmten.

Es kommt Bewegung in die Sache

Professor Fischer hat nachgerechnet und bestätigt, dass die Berechnungen des Kreises bei der Wassermenge von seinen eigenen um den Faktor fünf abweichen“, erzählt Seeboth. So hat es auch sein Anwalt, ein Spezialist für Wasserrecht, dem Kreis mitgeteilt. Reagiert habe dieser aber noch nicht. Allerdings hat Seeboth nun Hoffnung, denn nach Monaten des Schweigens kommt Bewegung in die Sache, die Obere Wasserbehörde hat sich angekündigt und will die Baumaßnahmen selbst unter die Lupe nehmen.

Notfalls Klage

„Wenn dann nichts passiert, werde ich klagen“, sagt Seeboth. Er habe lange genug zugeschaut, auch dabei, wie Kreis und Bauherr eine eventuelle Lösung immer weiter hinausgezögert hätten, beispielsweise durch das erst sehr späte Herausgeben der Bauunterlagen und Berechnungen.

Seeboth drückt auch deswegen aufs Gas, weil er sich nicht auf sein Glück verlassen möchte. Dieses Glück hatte er nämlich in diesem Winter und dem vergangenen Herbst. Auch wenn die Volme nach längerem Regen bedrohlich anschwoll, zu einer Überschwemmung ist es nicht gekommen. Seeboth: „Aber das kann in diesem Jahr schon wieder ganz anders aussehen.“

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