Masernschutz wird zur Pflicht

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Ein kleiner Pieks, dann besteht Schutz vor einer Masernerkrankung. Ab März soll die Impfpflicht greifen.

Kierspe - Die Maser-Impfpflicht greift zum 1. März – das bedeutet, ohne den Nachweis einer Immunisierung gibt es keine Aufnahme in eine Kindertagesstätte oder Schule. Doch so einfach ist die Umsetzung des neuen Gesetzes nicht, wie ein Gespräch mit Verantwortlichen in Kierspe zeigt.

Bislang gibt es für Leiter von Schulen und Kindertagesstätten keine Informationen oder gar Vorgaben darüber, wie genau verfahren werden soll. „Wir warten ab“, verdeutlicht Thomas Block, Leiter der Verbundschule Pestalozzi und Schanhollen, dass man klare Vorgaben zu diesem Thema erwartet. Bislang ist für Block nur klar, dass man an den Kiersper Grundschulen einheitlich verfahren will.

Daher habe es auch schon erste Gespräche mit Stefanie Fischer, Leiterin der Verbundschule Bismarck und Servatius, gegeben. Natürlich sei es vorstell- und auch durchführbar, dass die Eltern bei der Schuleingangsuntersuchung den Impfpass ihres Kindes vorlegen. Doch wie entscheidet man, wenn ein Kind nicht gegen die hoch ansteckende Infektionskrankheit geimpft ist? Schließt man es vom Schul- oder Kindergartenbesuch aus? Die Frage ist gut vier Wochen vor dem Eintreten der Maser-Impfpflicht noch nicht gänzlich beantwortet.

Auf der anderen Seite gilt heute schon, darauf weist der Schulleiter hin, dass ein an Masern erkranktes Kind wieder nach Hause geschickt werden muss, wenn eine Lehrerin schwanger ist. Ähnlich sieht es bei den Kindertagesstätten aus, wobei sich nicht alle Leiterinnen oder Verantwortliche solcher Einrichtungen in Kierspe dazu äußern wollen.

Ganz anders als Margrit Witt-Kringe: „Die Eltern müssen entweder den Impfpass oder eine entsprechende Bescheinigung des Kinderarztes vorlegen, dass sie geimpft sind“, berichtet die Leiterin der evangelischen Kindergärten in Kierspe von einer klaren Vorgabe. „Wenn nicht, dürfen wir sie nicht aufnehmen.“ Die Kita-Leiterin weist darauf hin, dass ein Kindergartenbesuch keine Pflicht sei, es gebe nur ein Recht.

Im Übrigen gelte dies für alle Kinder, die ab dem kommenden Sommer eine Kita besuchen wollen. Darüber hinaus müssten die Mädchen und Jungen, die bereits einen Kindergarten besuchen, ebenfalls in absehbarer Zeit den Immunisierungsschutz nachweisen. Gleiches gelte für die Mitarbeiter in den Kindertagesstätten, die dafür bis nächstes Jahr Zeit haben. Denn sollten die Masern ausbrechen, sind die Träger und im Endeffekt die Leiter der Einrichtungen verantwortlich, betont Margrit Witt-Kringe. Die Haftung könne dann auch eine Strafzahlung beinhalten.

Dass die Sache noch nicht zu 100 Prozent geklärt ist, wie es Schulleiter Thomas Block ausdrückte, wird bei einer Nachfrage beim Märkischen Kreis klar: „Es gibt noch keine Ausführungsbestimmungen“, erklärte Ursula Erkens, Pressesprecherin des Märkischen Kreises, auf Anfrage. Doch das Gesundheitsamt sei bemüht, entsprechende Regelungen zu finden. So gehen auch dort erste Überlegungen dahin, bei der Schuleingangsuntersuchung und bei der persönlichen Vertragsunterzeichnung in einer Kita den Impfpass – Alternative wäre eine ärztliche Bescheinigung – vorlegen zu lassen und möglicherweise auch eine Kopie davon anzufertigen.

Das Thema werde auch auf der Tagesordnung des Arbeitskreises Kita stehen, der in der kommenden Woche tagt. Auch wenn die Durchimpfungsrate im Märkischen Kreis recht hoch sei – bei der ersten Impfung liege sie zwischen 96 und 98 Prozent, bei der zweiten bei 95 Prozent – , gebe es doch Eltern, die ihr Kind nicht immunisieren lassen. Wie beispielsweise im vergangenen Jahr, als bei einem Gottesdienst in Meinerzhagen viele Menschen ohne Impfschutz sich gegenseitig ansteckten, erkrankten und die Infektionskrankheit in die Nachbarkreise transportierten.

Während das Thema „Impfschutz“ in den Kindertagesstätten möglicherweise recht einfach umgesetzt werden kann, müssen für die Schulen also noch Regelungen gefunden werden, die klären, ob Kinder ohne Immunisierung vom Unterricht ausgeschlossen werden können oder sollten – unter Berücksichtigung der Schulpflicht die es nach wie vor gibt.

Menschliche Wirte

Masernviren haben keinen anderen Wirt als den Menschen. Daher wären sie im Prinzip relativ leicht auszurotten. Es müssen sich nur genügend Leute impfen lassen – weswegen der Bundestag am 14. November die Pflicht zur Impfung gegen Masern beschlossen hat. Ein wirksamer Schutz erfordert nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin eine Impfrate von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung. Experten sprechen dann von dem sogenannten „Herdenschutz“. Wenn genügend Menschen geimpft sind, unterbrechen Immunisierte die Infektionsketten und die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Nichtgeimpfte mit dem Virus in Berührung kommen. In Nordrhein-Westfalen sind die Fallzahlen bei Masern stark rückläufig. Wie das Landesgesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur Anfang Januar berichtete, wurden dem Robert-Koch-Institut 2019 aus Nordrhein-Westfalen 135 von bundesweit 511 Masern-Fällen gemeldet. Deutschlandweit haben sich die Infektionen nahezu halbiert 2017 wurden noch 924 Masern-Fälle erfasst. Im Märkischen Kreis gab es 2017 zwei Fälle, in 2018 keinen und im vergangenen Jahr waren es 40.

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