Nicht mehr rentabel: Wasserkraftwerk an der Volme wird eingestellt

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Idylle pur. Der Teich am Ende des Obergrabens hat sich zu einem Kleinod für Fische, Insekten und Vögel entwickelt. Selbst der Eisvogel ist dort gerne zu Gast. Doch in dem Teich sammelt sich immer wieder Öl, von dem niemand weiß, wo es herkommt.

Kierspe - Wer in Deutschland Ökostrom bezieht, hat neben Wind- und Solarstrom oft auch Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken in der Leitung – und ein ganz kleines bisschen wird in einer Turbine an der Volme hergestellt – allerdings unregelmäßig und wahrscheinlich auch nicht mehr lange.

"Hier wird der Fluss zum Strom“, das wäre der richtige Titel für eine Geschichte über Wasserkraft an der Volme gewesen. Doch stattdessen wird es eine Geschichte über das vermutliche Ende einer Wasserkraftanlage, die letztlich dem Klimawandel zum Opfer fallen könnte. 1936 wurde bei Karnebogen die erste Turbine eingesetzt, um Strom fürs eigene Unternehmen zu gewinnen. Zuvor drehten sich dort Wasserräder, die die Fallhämmer der Schmiede antrieben. Daher auch der mehr als ungünstige Standort an der Volme.

Denn eingezwängt zwischen B 54 und Volme gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten, dafür aber sehr strenge Umweltauflagen. Mit Ölabscheidern und modernster Technik wird verhindert, dass auch nur ein Tropfen Bohröl in die Volme gelangt. Doch Öl in der Volme brachte das Unternehmen im vergangenen Jahr in große Probleme. „So lange wir die Anlage betreiben, bildet sich auf dem Teich am Ende des Obergrabens ein Ölfilm. Wo das Öl herkommt, wissen wir nicht und es ist auch noch niemandem gelungen, das herauszufinden. Vielleicht wird es von der höherliegenden B 54 in den Teich geschwemmt, vielleicht kommt es von einem anderen Unternehmen, das oberhalb an der Volme liegt“, sagt Karnebogen-Seniorchef Günter Fuchs. Durch den trockenen Sommer stand die Turbine lange still, da kaum Wasser in der Volme war.

Als sie dann im Spätherbst das erste mal ans Netz ging, hatte sich so viel Öl im Teich gesammelt, dass dieses deutliche Spuren auf der Volme hinterließ. Ein aufmerksamer Beobachter hatte Polizei und Feuerwehr verständigt. „Die haben gesucht und gesucht, weil sie dachten, das Öl käme aus der Firma. Aber auch die Kriminalpolizei und die Untere Wasserbehörde haben nichts gefunden und mussten anerkennen, dass das Öl aus dem Teich in die Volme fließt“, schildert Fuchs unangenehme Zeiten. Danach hat er immer selbst bei der Polizei angerufen, wenn wieder viel Öl auf dem Teich war.

Fuchs: „Doch irgendwann hatten die keine Lust mehr zu kommen. Und auch das Ordnungsamt wollte sich die Situation vor Ort nicht mehr jedes Mal anschauen. Jetzt fotografieren wir selber und schicken die Bilder an die Ämter.“ Doch der Ärger mit dem Amt hat letztlich nur Gedanken stärker in eine Richtung gelenkt, in die diese sowieso schon unterwegs waren. „Die immer wärmeren Sommer lassen die Zeiten, in denen wir Strom produzieren können, immer kürzer werden“, erzählt der Seniorchef. Habe man früher nur überschaubar kurze Zeiten gehabt, in denen man die Stromproduktion unterbrechen muste, dauern diese heute den ganzen Sommer.

Das sei vergangenes Jahr ganz extrem gewesen – und in diesem auch. Denn Fuchs darf nur dann Wasser für die Turbine entnehmen, wenn die Volme trotzdem einen Mindestwasserstand aufweist. Sinkt dieser, schaltet die Turbine automatisch ab. Für den Unternehmer ist diese Entwicklung bedauerlich. Hatte er doch erst die Turbine vor rund 20 Jahren eingebaut – hatte damals rund 250 000 Mark investiert. Damals hatte er die Hoffnung, dass sich diese Investition in 30 Jahren bezahlt gemacht hätte. Doch schnell war klar, die Ausfallzeiten machten diese Rechnung zunichte.

Gut 500 Euro erwirtschaftet die Turbine in den Monaten, in denen sie durchläuft. Doch dafür müssen 560 Liter Wasser pro Sekunde aus 2,50 Metern Höhe auf die Schaufeln der 18-PS-starken Francis-Turbine treffen. Eigentlich hatte Fuchs gehofft, dass die Einnahmen steigen, wenn auch die Energiepreise anziehen. Doch die immer längeren Ausfallzeiten verringern den Ertrag derart, dass sich ein Betrieb auch bei steigenden Stromkosten nicht mehr rechnen wird. „Jetzt haben wir bei der Bezirksregierung beantragt, die Anlage stillzulegen. Dann ist es aber wohl mit der Wasserkraft ein für alle mal vorbei, denn dann erlischt das Wasserrecht“, sagt Fuchs.

Was dann mit Obergraben und Teich werden soll, ist noch unklar. Die könnten dann zum Biotop werden, doch dazu müsste das Wehr in der Volme erhalten bleiben. Naturschützern sind diese Wehre aber ein Dorn im Auge, erschweren sie doch Fischwanderungen. Sollte wirklich bald Schluss sein mit der Stromerzeugung, dann gibt es keinen Ökostrom mehr aus dem eigenen Kraftwerk. Aber dann gibt es ja noch immer den Ökostrom aus Norwegen – jedenfalls solange es dort noch Gletscher gibt, die das Wasser liefern.

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