176 Kirchenaustritte und 176 Eintritte

In den vergangenen fünf Jahren traten 176 Menschen aus der Kirchengemeinde aus. Genauso viele traten ein. - Archivfoto: dpa

Kierspe - Ohne Verstorbene sähe die Statistik gar nicht schlecht aus. Denn schaut man sich die Zahlen der Kirchenaustritte der evangelischen Kirchengemeinde Kierspe an und stellt diesen die Zahlen der Eintritte und Taufen gegenüber, dann halten sich diese die Waage.

Von Johannes Becker

Allerdings gibt es auch „Austritte“ durch den Tod der Gemeindemitglieder. Diese können bei nachlassenden Geburten nicht mehr aufgefangen werden.

So kehrten in den Jahren von 2010 bis 2014 genau 176 Menschen der Gemeinde den Rücken zu. Im selben Zeitraum wurden 160 Menschen getauft und damit in die Gemeinde aufgenommen. Darüber hinaus gab es 16 Kircheneintritte. So gesehen hat sich die Gemeindegröße in den fünf Jahren nicht verändert. Doch da in dieser Zeit auch 462 Beerdigungen von Gemeindemitgliedern stattfanden, ist die Zahl rückläufig. „Insgesamt geht die Zahl unserer Gemeindemitglieder im Jahr um 1,58 Prozent zurück. Hatten wir am 1. Januar 2010 noch 6132 Gemeindemitglieder, waren es am 1. Januar 2015 noch 5557“, erklärt Pastor George Freiwat.

Neben den deutlich geringeren Kinderzahlen, die überhaupt für eine Taufe und damit für eine Aufnahme in die Gemeinde zur Verfügung ständen, sieht der Pfarrer einen weiteren Grund in den Ehen, bei denen nur ein Partner evangelisch sei. Freiwat: „Viele dieser Paare lassen ihre Kinder nicht oder zumindest nicht in der evangelischen Kirche taufen. Wir sollten uns allerdings nicht von diesen Zahlen täuschen lassen – und auf das Gemeindeleben zurückschließen.“ So sei die Zahl der Gottesdienstbesucher insgesamt konstant geblieben. „In den traditionellen Gottesdiensten sind die Zahlen zwar leicht rückläufig, dafür kommen viele begeistert zu unseren modernen Gottesdiensten. Auch ist die Zahl der Mitarbeitenden mit 300 sehr hoch, wofür wir auch sehr dankbar sind.“ So sei das Gemeindeleben sehr vielfältig. Neben den traditionellen Angeboten wie Gottesdiensten, Kreisen für Kinder und Jugendliche, Seniorenkreisen und auch zwei Kindergärten gebe es viele weitere Angebote für alle Altersklassen. Dazu führt der Pastor auf: Freizeiten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien, verschiedene Glaubenskurse, Gottesdienste in neuer Form, Essen auf Rädern, Hilfe für Ältere und auch Chöre.

„Da die überwiegende Zahl der Menschen, die aus unserer Gemeinde austreten, der Kirche fernstehen, hat die abnehmende Zahl der Gemeindemitglieder nicht unbedingt negativen Einfluss auf das Gemeindeleben. Ich beobachte auch eher das Gegenteil: Lebendigkeit und Vielfalt haben in den vergangenen Jahren eher zugenommen“, so Freiwat. Daher würden ihm auch die Austritte keine Sorgen im Hinblick auf das Gemeindeleben machen – und auch nicht im Hinblick auf die Finanzen. Man sei letztlich nicht vom Geld abhängig, sondern von Gott. Nichtsdestotrotz versuche man mit dem Geld, das man von den Gemeindemitgliedern bekomme, das Beste für die Menschen zu erreichen.

Freiwat: „Aber ich frage mich natürlich, was die Menschen dazu bewegt, aus der Kirche auszutreten. Haben sie sich geärgert? Können sie mit dem Glauben nichts anfangen? Fühlen sie sich nicht wohl in unserer Gemeinde? Das sind Fragen, die mich interessieren. Wir schreiben daher alle an, die austreten und fragen nach den Gründen. Sehr vereinzelt melden sich die Menschen und es kommt zu meist sehr guten Gesprächen. Ich wünschte, es gäbe mehr Aussprachen. Denn das würde uns helfen, zu erkennen, was falsch läuft. Wir hätten dann auch die Möglichkeit, Missverständnisse aufzuklären.“

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