Umfangreiche Sanierung eines Bauvereins-Hauses

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In neuen Farben und mit neuen Balkonen präsentiert sich das Haus des Bauvereins am Felderhof. Insgesamt hat die Sanierung des Gebäudes rund 1,7 Millionen Euro gekostet.

Kierspe - Mit viel Geld des Bauvereins und noch mehr Geduld der Mieter war die umfassende Sanierung eines Gebäudes an der Fritz-Linde-Straße möglich. Doch jetzt präsentiert sich ein komplett neues Wohnhaus in alten Mauern.

„Schwellenarm“ nennt der Bauvereins-Vorstand Jacek Okulinski den Zustand, der bei dem vereinseigenen Haus an der Fritz-Linde-Straße erreicht wurde. Laien würden wohl von Barrierefreiheit sprechen. Aber dafür fehlen ein paar Zentimeter Platz in den Bädern – und ein Teil der Wohnungen ist nicht direkt mit dem neuen Aufzug erreichbar, da es einen Versatz innerhalb des Hauses gibt.

Den Mietern dürfte die korrekte Bezeichnung aber letztlich egal sein. Für sie ist sicher sehr viel wichtiger, dass sie nun in modernen Wohnungen leben, weniger Energiekosten aufbringen müssen und deutlich mehr Komfort haben.

Doch all das hat seinen Preis. Rund 1,7 Millionen Euro wird die Sanierung des Hauses wohl gekostet haben, wenn – vermutlich – Ende dieses Monats alle Arbeiten abgeschlossen sind.

rsprünglich hatte der Verein mit einer geringeren Summe und weniger Arbeiten gerechnet. Doch mit Fortschreiten der Tätigkeiten wurde klar, dass deutlich mehr, als gedacht, zu tun war. „Ursprünglich war eine energetische Sanierung mit Fassadendämmung und Dachdämmung, ein neuer Aufzug, der Austausch der Fenster, der Einbau neuer Haustüranlagen, neue Wasch-und Trockenräume geplant – außerdem die Sanierung der Bäder, die seit dem Neubau des Hauses nicht mehr saniert wurden“, erzählt Okulinski.

Der Vorstand des Bauvereins Jacek Okulinski vor dem neuen Aufzug und dem neuen Notausgang im dritten Obergeschoss.


Doch als man die ersten Bäder sanieren wollte, wurde schnell klar, dass es so einfach nicht würde. Denn die Abwasserleitungen erwiesen sich als komplett marode. Daher wurde der Entschluss gefasst, das komplette Abwassersystem im Haus zu erneuern – und damit auch alle Bäder bis auf drei, die erst vor einigen Jahren auf Vordermann gebracht worden waren. „Außerdem zeigte sich, dass alle Mieter lieber Duschen als Wannen wollen“, so der Vorstand.

Unangenehmer Nebeneffekt dieser Maßnahme: Nicht nur das Bad musste angefasst werden, sondern auch die Küchen, um dort die Abwasserleitungen zu ersetzten. Letztlich wurden die Küchenwände von außen, also vom Treppenhaus geöffnet, um den Ab- und Aufbau der Einbauküchen zu vermeiden. Für die Vermieter brachte das aber nur bedingt Entlastung. Sie mussten trotzdem rund eineinhalb Jahre in einer Baustelle leben. „Es ist einfach toll, wie die Mieter mitgemacht und was sie ausgehalten haben“, freut sich Okulinski.

Im Hinblick auf die Sanierung hatte der Bauverein im Vorfeld frei werdende Wohnungen nicht mehr vermietet. Insgesamt standen sechs Wohnungen leer, als der Umbau begann. Dadurch standen den Mietern Ausweichquartiere zur Verfügung, wenn in ihren vier Wänden die Bäder saniert wurden. Okulinski: „Zum Teil sind die Mieter für den Umbau in eine dieser leeren und schon sanierten Wohnungen gezogen, zum Teil haben sie dort nur das Bad genutzt.“

Zwei Mietparteien habe die Übergangswohnung so gut gefallen, dass sie nach dem Tausch nicht mehr in die ehemals eigene Wohnung zurückgekehrt seien, erzählt der Vorstand.

Begonnen wurde der Umbau mit dem Anbau des neuen Aufzugs und dem Abriss der Loggien, die ehemals an die Küchen anschlossen. Durch den Wegfall dieser innen liegenden Balkone sind die Küchen um ein Drittel gewachsen. Zum Ausgleich wurden Balkone angebaut. Dadurch mussten die bisher verwendeten Heizkörper in den Wohnzimmern er- und versetzt werden. Da auch in den Badezimmern neue Heizkörper – auf denen nun auch Handtücher getrocknet werden können – eingebaut wurden, entschied man sich für einen Austausch aller Heizkörper. Ähnlich verhielt es sich auch mit den Wohnungstüren. Aus Brandschutzgründen mussten diese ersetzt werden, und aufgrund des Bad-Umbaus diese Türen auch – also wurden letztlich alle Türen ersetzt. Der Brandschutz machte sich aber nicht nur an den Wohnungstüren bemerkbar, sondern auch beim Rettungsweg. Von diesen muss es ab drei Stockwerken zwei geben. Nach langen Überlegungen entschloss man sich für eine Wendeltreppe, die nun den Bewohnern des dritten Obergeschosses nicht nur im Brandfall als Weg nach draußen zur Verfügung steht. Die Treppe endet hinter dem Haus gleich neben dem Aufzug. Damit Treppe und Aufzug barrierefrei erreicht werden können, wurde ein neuer Weg angelegt und der Hof neu gepflastert.

Im Keller bekommen die Bewohner in Zukunft noch einen zusätzlichen Fahrradkeller. Dieser wurde gewonnen, in dem man den Raum, in dem früher einmal die Heizöltanks lagerten, nun erschlossen hat – durch einen Umbau des Raums, in dem die Heizung ihren Platz hat. Die Heizung selbst musste nicht erneuert werden, da das bereits 2015 geschehen war.

Die Kosten für den Umbau werden nach Angaben von Okulinski nur sehr moderat auf die Mieter umgelegt. So soll es erst zum 1. Januar eine Mieterhöhung geben. Dann werden die Bewohner etwas mehr als 6 Euro für den Quadratmeter zahlen. Negativ ausgewirkt hat sich die Mieterhöhung aber nicht. Mittlerweile sind von den 17 Wohnungen (drei Vier-Zimmer-, drei Drei-Zimmer-, sechs Zwei-Zimmer-Wohnungen und fünf Ein-Zimmer-Appartements) alle bis auf eine eine belegt.

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