Neues Berufskolleg hat die Ausrichtung Agrarwirtschaft

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Thilo Frisch unterrichtet hier die Klasse 7/8 der Freien Schule, ab dem kommenden Jahr übernimmt er die Leitung des neuen Berufskollegs der Kiersper Bildungseinrichtung mit der Fachrichtung Agrarwirtschaft. Er stellte jetzt zusammen mit Schulleiter Heiko Kositzki das Konzept vor. ▪

KIERSPE ▪ Konzeptionell gibt es einige gravierende Veränderungen an der Freien Schule, die nun künftig den Namenszusatz „Ersatzschule eigener Art“ trägt und sich damit deutlich von der Waldorfpädagogik abgrenzt.

Auch die Pädagogik Rudolf Steiners, die in den niedrigen Klassen noch sehr sinnvoll sei, verlöre in den höheren Jahrgängen mehr und mehr an Bedeutung, wie Schulleiter Heiko Kositzki erläutert. Im Rahmen der Neupositionierung werde die Schule ein eigenständiges Profil entwickeln. Allerdings müssten die pädagogischen Grundsätze für die veränderte Ausrichtung und die Lernziele im Detail schulintern erst einmal noch erarbeitet werden, dieser Prozess stehe ganz am Anfang.

Völlig anders sieht das mit dem ebenfalls neuen Berufskolleg aus, mit dem die alternative Kiersper Bildungseinrichtung einen eigenen Weg in Richtung Hochschulreife beschreitet. „Wir wollen die weitere Ausbildung mit dem Abschluss des Fachabiturs bereits ab dem Schuljahr 2012/13 anbieten“, so Kositzki, der bei der Gelegenheit mit dem 57-jährigen Thilo Frisch gleich den neuen Kollegleiter vorstellt.

Im Unterschied zur Allgemeinen Hochschulreife, die beispielsweise die Gesamtschule oder das Gymnasium anbieten, ist bei der Fachhochschulreife keine zweite Fremdsprache erforderlich. Von der Struktur her gibt es an dem neuen Berufskolleg mit der Fachrichtung Agrarwirtschaft im ersten Jahr Praktika mit begleitendem Unterricht und dann im zweiten Jahr nur noch Unterricht, stellen die beiden die praktische Ausrichtung dieser neuen Schulofferte im heimischen Raum vor.

Das Berufskolleg wird praktisch separat oben auf die anderen Jahrgänge der Freien Schule draufgesattelt. Verfolgt wird als Leitbild eine nachhaltige Entwicklung, die Umweltaspekte mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten gleichberechtigt miteinander verbindet. Fachliche Inhalte des Berufskollegs sollen im Einzelnen die Agrartechnologie, allgemeine Ökologie, Naturschutz und Landschaftspflege, vernetztes Denken in Theorie und Praxis sowie betriebliches Umweltmanagement sein.

Wie Kositzki und Frisch zur Wahl der Fachrichtung betonen, beeinflussten sich Landwirtschaft und Umwelt wechselseitig in vielfältiger Weise. Auf allen politischen und wirtschaftlichen Ebenen seien Landwirtschafts- und Umweltinteressen heute bereits zusammen vertreten. Es bestehe daher ein vermehrter Bedarf an Fachkräften, die über eine wissenschaftlich und praktisch fundierte Ausbildung verfügen. Diese, so erläutern die beiden weiter, solle die jungen Menschen in die Lage versetzen, die Belange der Landwirtschaft ebenso wie die Bedürfnisse der Umwelt beurteilen und bewerten zu können.

Dabei wird gezielt ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt. Zur Vermittlung der Ziele werden außerdem neue Methoden realisiert wie Case-Based Reasoning, also fallbasiertes Schließen, Lernen durch Lehren sowie Plan- und Simulationsspiele.

„Anvisiert werden von uns als Abschlüsse die Allgemeine Fachhochschulreife mit der Möglichkeit, jeden Beruf im Umweltbereich zu ergreifen und jedes Fach an einer Fachhochschule zu studieren“, stellen Heiko Kositzki und Thilo Frisch fest.

Letzterer ist übrigens seit 2005 an der Schule. Von der Ausbildung her hat er sein Studium der Geografie und Umweltwissenschaften mit dem ersten und zweiten Staatsexamen im Rahmen der Ausbildung für das Lehramt an Gymnasien in Saarbrücken abgeschlossen. An der Universität hat er bei dem bekannten Professor Paul Müller geforscht, der eine Zeitlang Vorsitzender des Umweltrates der Bundesregierung war. 1971 wurde Müller auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Biogeografie berufen und ab 1989 war er Leiter des Zentrums für Umweltforschung. Frisch hat teilweise mit der Koryphäe zusammengearbeitet.

Später hat Thilo Frisch dann noch einen Zertifikatslehrgang im Bereich Umweltmanagement angeschlossen und war als Umweltberater in der freien Wirtschaft tätig, bis er dann Lehrer an der Freien Schule wurde. Jetzt wird er der Leiter des neuen Berufskollegs, dessen Inhalte ihm dem eigenen Bekunden nach eine „Herzensangelegenheit“ sind.

Wie Schulleiter Heiko Kositzki berichtet, ist für das Berufskolleg noch die Errichtung eines Anbaus erforderlich, da die zurzeit zur Verfügung stehenden Räume im Gebäude an der Bundesstraße 54 nicht ausreichen. Bis Mitte nächsten Jahres soll der Komplex bezugsfertig sein, so dass der Start wie vorgesehen klappt. Hier zählt Kositzki auf die Unterstützung der Stadt.

Rolf Haase

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