Neues Angebot für Trauernde

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Beate Kolb und Uwe Krohn wollen den Trauernden neue Angebote machen und einen Ort geben, an dem sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können. ▪

KIERSPE ▪ „Trauer hat viele Gesichter, denn wenn deine Eltern sterben, stirbt ein Stück deiner Vergangenheit, wenn dein Partner stirbt, stirbt deine Gegenwart und wenn dein Kind stirbt, stirbt deine Zukunft“, bringt es Uwe Krohn auf den Punkt.

Bereits vor vier Jahren gründete der Kiersper, der 2004 seinen Sohn bei einem Verkehrsunfall verloren hatte, mit drei anderen Paaren die Gruppe „Leben ohne Dich“. Heute kommen rund 30 Menschen aus Kierspe, Meinerzhagen, Halver und anderen umliegenden Städten zu den Treffen der Gruppe.

Im Laufe der Jahre wurde Krohn klar, dass es nicht reicht, sich nur um Eltern zu kümmern, die ihr Kind verloren haben, deshalb will der engagierte Kiersper nun ein Trauercafé ins Leben rufen, in dem sich Menschen treffen können, die durch den Tod eines lieb gewonnen Menschen einen Verlust erlitten haben. Jeden 1. Samstag im Monat treffen sich diese Menschen in Zukunft um 15 Uhr im Lutherhaus, um dort miteinander ins Gespräch zu kommen. „Wir erleben immer wieder, dass sich Freunde und Verwandte zurückziehen und die Trauernden dann niemanden mehr haben, mit dem sie reden können“, so Krohn. Bedarf sieht er auf jeden Fall, sind doch die nächsten vergleichbaren Einrichtungen erst in Lüdenscheid oder Gummersbach zu finden. Getragen wird das Café, das am 4. September zum ersten Mal öffnet, von der evangelischen Kirchengemeinde. „Aber weder die Konfession noch der eigene Glaube stehen im Vordergrund. Wir verfolgen auch keine missionarischen Ziele“, erklärt der Initiator, der aber gleichwohl klar macht, dass auch Glaubensfragen im Zusammenhang mit der Trauer eine Rolle spielen können.

Krohn selbst wird während der Öffnungszeiten des Cafés auch anwesend sein und fürs Gespräch bereit stehen. Der Kiersper hat im vergangenen Jahr eine Ausbildung zum Trauerbegleiter gemacht und bringt diese Erfahrungen auch mit ein.

Darüber hinaus bietet er Menschen, die eher individuelle Hilfe suchen, auch eine Trauerbegleitung an. „Das Problem für viele Menschen ist einfach, dass ihr Umfeld irgendwann nicht mehr zuhören möchte. Mir hat erst vor kurzem ein Paar, das sein Kind verloren hat, erzählt, Bekannte würden die Straßenseite wechseln, wenn man sich begegne. Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, brauchen einen Ansprechpartner, der sie auf ihrem Weg zurück ins Leben begleitet, ihnen zuhört und verlässlich ist. Das kann Wochen, Monate oder auch ein ganzes Jahr dauern“, so Krohn, der weiß, dass es Trauernde gibt, die mit den Jahren verbittern und keine Lebensfreude mehr empfinden können.

Um auch Kindern, die ein Elternteil, Geschwister oder Großeltern verloren haben, einen Ort zu geben, an dem sie sich über das Erlebte austauschen können, findet ebenfalls an jedem ersten Samstag im Monat ein Treffen der neuen Gruppe „Schneckenhaus“ statt. Die jungen Besucher treffen sich auch um 15 Uhr im Lutherhaus.

Dann steht die Halveranerin Beate Kolb zum Gespräch bereit. Die Erzieherin, die im Jugendzentrum ihrer Heimatstadt arbeitet, hat im Kinderhospiz Balthasar in Olpe vor vier Jahren eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin für Kinder absolviert und lange eine entsprechende Gruppe in Wuppertal geleitet. Doch auf Dauer wollte sie die Arbeit dort beenden und näher an ihrem Heimatort diese Tätigkeit fortsetzen. „Es ist wichtig, den Kindern ein eigenes Angebot zu machen, da diese ganz anders, meist sehr sprunghaft trauern. Kinder sind im einen Augenblick noch sehr betrübt, im nächsten Lachen sie dann schon wieder. Das wird gerade von Erwachsenen oft missverstanden“, erklärt Kolb. ▪ Johannes Becker

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