Neues Angebot

Lutherhaus bietet Raum für die Trauergruppe für Geschwisterkinder

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Neben Frauke Profita ist ein Platz leer. Vor fünf Jahren verlor die Lüdenscheiderin ihren Bruder. Heute möchte sie trauernden Geschwistern zur Seite stehen.

Kierspe - Trauer braucht Raum – und den bekommt sie wortwörtlich im Lutherhaus in Kierspe, aber auch im übertragenen Sinn in der Geschwister-Trauergruppe, die dort seit September einmal monatlich zusammenkommt.

Als Frauke Profita vor fünf Jahren ihren Bruder durch eine Krankheit verlor, suchte sie einen Ort, an dem sie ihre Trauer leben konnte. „Gerade Geschwisterkinder sind bei der Trauer oft Schattenkinder“, sagt sie heute. Denn ihre Eltern waren in der eigenen Trauer um den Sohn gefangen, das Umfeld war empathisch, konnte aber nicht das fühlen, was die damals 32-Jährige empfand.

„Ich suchte damals Menschen, die verstehen konnten, was ich fühlte“, erinnert sie sich noch nur zu gut an diese Zeit. Sie schloss sich damals einer Trauergruppe in Lüdenscheid an, merkte aber schnell, dass dieser Ort auch nicht der richtige ist. „Dort trafen sich vor allem Menschen, die einen Partner verloren hatten.“ Heute ist sie aber trotzdem froh, dort gewesen zu sein, lernte sie doch bei einem Treffen den Kiersper Uwe Krohn kennen.

"Genau das, was ich damals gebraucht hätte"

Dieser ist Mitinitiator und bis heute einer der Leiter der Kiersper Gruppe „Leben ohne Dich“. Auch Krohn hatte längst erkannt, dass es neben der Gruppe für verwaiste Eltern, die in Kierspe seit Jahren etabliert ist, ein Angebot für trauernde Geschwister geben sollte, vor allem für solche, die nicht mehr ganz jung sind. Denn für jüngere Kinder gibt es keine Gruppe, in der diese mit ihrer Trauer über den Verlust eines Angehörigen nicht alleine sind.

Mittlerweile gibt es ein Angebot für Menschen so ab dem 16. Lebensjahr, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Entstanden ist sie aus dem Kontakt und den Gesprächen zwischen Krohn und Profita. Im September fand das erste Treffen statt – und seitdem weitere zwei Mal. Schon jetzt ist klar, dass die Gruppe auch weiter bestehen soll und wird. „Denn die Gruppe ist genau das, was ich damals gebraucht hätte“, sagt die Lüdenscheiderin. Derzeit trifft sie sich mit zwei jungen Männern, der eine Anfang 20, der andere 30 Jahre alt.

Nicht nur Geschwister sind willkommen

„Einer der beiden kommt sogar zu jedem der Treffen aus Bonn. Kontakt zu uns hat er, genau wie das andere Gruppenmitglied, über ,Leben ohne Dich’ bekommen.“ Die beiden seien mit ihren Eltern auch immer mal wieder zu den Treffen der Gruppe gefahren, hätten aber auch den Wunsch nach einer Gruppe verspürt, die ihre Gefühle mehr in den Mittelpunkt stellt.

„Hier können wir der Trauer den Raum geben, den sie benötigt“, sagt Profita. Das bedeute aber nicht, dass jeder, der zu einem der monatlichen Treffen kommt, reden muss. „Wer will, kann nur zuhören. Oft hilft das schon. Manchmal hören wir auch zum Einstieg ein Lied oder lesen einen Text“, so Profita. 

Wichtig ist der Lüdenscheiderin, dass nicht nur Geschwister in der Gruppe willkommen sind. „Wer einen guten Freund oder eine gute Freundin verloren hat, empfindet oft ähnlich. Diese Menschen sind bei uns auch willkommen.“

Die Treffen der Geschwister-Trauergruppe finden immer am ersten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr im Lutherhaus in Kierspe statt. Damit finden die Treffen parallel zu den Zusammenkünften der Gruppe „Leben ohne Dich, aber in einem separaten Raum statt. Eine Grenze gibt es beim Einzugsgebiet nicht. Weitere Informationen unter Tel. 0163/8286828 oder per Mail an frauke.profita@web.de.

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