Neuer offener Jugendtreff an Kölner Straße startet

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Petra Werth von der Stadt und Arne Gies, Jugendreferent der Freien evangelischen Gemeinde, informieren über den neuen offenen Jugendtreff an der Kölner Straße, der vielleicht schon im Mai starten soll. ▪

KIERSPE ▪ Wenn man überhaupt von sozialen Brennpunkten im Stadtgebiet sprechen kann, dann haben diese sich in den vergangenen Jahrzehnten auf jeden Fall deutlich verlagert.

Galt als ein solcher früher der Bereich Felderhof mit seinem hohen Migrantenanteil, ist es heute die sterbende Kölner Straße, wo die Ladenlokalleerstände ständig zunehmen und der Mietspiegel relativ niedrig liegt, weil die Wohngegend wenig gefragt ist. Aus dem Grund leben dort auch viele sozial schwächere Familien und die Fluktuation ist obendrein extrem doch. Ein idealer Standort für ein neues Jugendangebot in Form einer offenen Tür, wozu sich Freie evangelische Gemeinde und Stadt in einer gemeinsamen Kooperation mit Unterstützung des Kreisjugendamtes entschlossen haben.

Zumal in diesem Bereich rund 1000 junge Menschen bis zu einem Alter von 26 Jahren leben, davon zehn Prozent ausländischer Herkunft, wie seitens der Verwaltung Petra Werth informiert. Genau diese Situation sorgte letztlich für die Initialzündung: „Ich war gerade nach Kierspe gekommen und ging nach einem Elternbesuch an den leerstehenden Geschäften an der Kölner Straße vorbei. Da sagte ich mir, ein solches Ladenlokal müsste man eigentlich für ein Jugendangebot nutzen“, erinnert sich Arne Gies, der Jugendreferent der Freien evangelischen Gemeinde. Dass daran durchaus Bedarf bestand, wurde im pädagogischen Arbeitskreis, in dem die Gesamtschule, die Jugendzentren, das Kreisjugendamt und die Jugendreferenten der Vereine und Gemeinden zusammengeschlossen sind, untermauert. Streetworkerin Sibylle Wiehle hatte ebenfalls längst festgestellt, dass gerade an der Kölner Straße ein Angebot für Jugendliche fehlt. Mit dem Kinderprogramm im Container auf dem Tulpenplatz, der „Pusteblume“, hatte die Gemeinde bereits ein Angebot für Kinder geschaffen und zum Erfolg geführt. Daran soll angeknüpft werden.

Jetzt wird das Projekt, das in Anlehnung an das Ladenlokal mit der Hausnummer an der Kölner Straße, wo es zuerst geplant war, unter dem Arbeitsnamen „Bahnhof 3und90“ läuft, in die Tat umgesetzt: Die Umbauarbeiten im alten Helit-Gebäude werden im März von der Stadt in Angriff genommen und, wenn alles gut klappt, soll die Einrichtung schon im Mai eröffnet werden und starten. Die Rahmenbedingungen und alle notwendigen Vereinbarungen sind getroffen. Auch die Gemeindeversammlung der Freien evangelischen Gemeinde hatte das Vorhaben im Oktober des vergangenen Jahres beschlossen. Vorher und auch danach wurden schon Spenden für die Realisierung gesammelt. So sind mehr als 1000 Euro aus dem Verkauf des Kopfsteinpflasters von der ZOB-Baustelle eingeflossen, das von Heinrich Gresförder gestiftete Hammerwerksmodell hat bislang über 3000 Euro erbracht, außerdem ging vom Golfclub ein beträchtlicher Betrag ein und durch die Sponsorenwanderung des Rates kamen auch einige 100 Euro zusammen.

„Sehr positiv war ebenfalls die Teilnahme an der Sonderausschreibung des Landes Nordrhein-Westfalen für die Finanzierung der Einrichtung von offenen Jugendtreffs, wo es eine Förderung in Höhe von 5000 Euro plus einem Eigenanteil von zehn Prozent gab“, berichten Werth und Gries. Das Geld wurde bereits ausgegeben und davon ein Billardtisch, Airhockey, ein Kicker, vier Sofas, 28 Stühle, ein Beamer, ein Laptop, eine Playstation 3 sowie eine Soundanlage angeschafft, so dass das Gros an wesentlicher Ausstattung bereits vorhanden ist.

Gies stieß mit seiner Anfrage bei der Stadt zwecks einer Kooperation im vergangenen Jahr sofort auf offene Ohren. Und schon frühzeitig kam dann auch die Helit-Immobilie an der Kölner Straße 112 als künftiger Standort mit ins Spiel. Denn dort befinden sich geeignete Räume in der alten Schreinerei, die über einen separaten Zugang vom Hof aus verfügen und mit 156 Quadratmeter die richtige Größe haben. „Der Mietvertrag wird zwischen der Manfred-Fischer-Stiftung und der Freien evangelischen Gemeinde bestehen. Die Stadt führt die Umbauarbeiten durch“, machen Werth und Gies aufmerksam.

So werden sanitäre Anlagen getrennt für Mädchen und Jungen geschaffen, eine Wand wird gezogen, ein Bodenbelag verlegt, die Räume erhalten einen frischen Anstrich und eine neue Beleuchtung ist auch erforderlich. Der Jugendtreff wird aus einem großen Veranstaltungsraum bestehen, der multifunktional genutzt wird und auch für Veranstaltungen zur Verfügung steht, sowie außerdem aus einem abgeteilten Büro, das zudem als Besprechungsraum dient.

Alles, was noch an Spenden eingeht, senkt die Kosten für die Einrichtung der offenen Tür und sichert so die Finanzierung des künftigen Betriebes. Daher wären auch Sachspenden willkommen wie Farbe, Bodenbeläge, Sanitärausstattung oder eine Kücheneinrichtung, denn letztere ist ebenfalls noch offen, wird aber dringend benötigt, weil Kochen bei Jugendlichen heute sehr gefragt ist.

Der Betrieb wird sichergestellt vom Personal der städtischen Jugendzentren, der Streetworkerin Sibylle Wiehle und Arne Gies. Geplant sind feste Öffnungszeiten. Vielleicht sogar am Samstag durch Arne Gies, wie er selbst überlegt. Es soll feste Programmpunkte geben wie Musik, Filmvorführungen oder auch Spiele. Im Team wird nun ein Name für die Einrichtung gewsucht. ▪ Rolf Haase

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