Neuer offener Jugendtreff am Bahnhof ab Dezember

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Der Jugendreferent der Freien evangelischen Gemeinde, Arne Gies, warb jetzt für sein Projekt „Bahnhof 3und90“, das einen offenen Jugendtreff in einem leerstehenden Ladenlokal an der Kölner Straße beinhaltet. ▪

KIERSPE ▪ Nur die Grünen enthielten sich der Stimme bei dem Projekt „Bahnhof 3und90“ der Freien evangelischen Gemeinde, das die Einrichtung eines offenen Jugendtreffs in einem leerstehenden Ladenlokal an der Kölner Straße beinhaltet.

Ansonsten begrüßten alle Mitglieder des Sport- und Jugendausschusses am Montag im Rathaus das Konzept von Gemeindejugendreferent Arne Gies. „Es ist gut, dass am Bahnhof endlich etwas passiert“, erklärte so Ralf Ullrich von der SPD, der weiter betonte, dass er davon überzeugt sei, dass die Arbeit bei Gies sehr gut aufgehoben sei. Seitens der Jugendzentrums machte Leiterin Susanne Sattler deutlich, dass die städtische Einrichtung voll hinter der Initiative stehe, was auch die städtische Streetworkerin Sybille Wiehle nochmals bekräftigte.

Eingangs stellte Gies sein Konzept vor, das sich an Jugendliche im Alter von 13 bis 25 Jahren wendet. „Sie sollen in ihrer Entwicklung zu starken Persönlichkeiten gefördert werden“, machte er aufmerksam. Zudem soll ihnen dabei geholfen werden, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und Alltagsprobleme zu bewältigen. „Ihnen soll Toleranz und Kompetenz vermittelt und eine sinnvolle Alternative zur Freizeitgestaltung geboten werden“, so der Jugendreferent.

Geplant ist der Jugendtreff schon ab Dezember im früheren Ladenlokal Brock an der Kölner Straße 93. Möglich sei aber auch ein anderes leerstehendes Geschäft in diesem Bereich. Die Räume sollen gemütlich eingerichtet und mit Billard, Kicker sowie Beamer mit Leinwand ausgestattet werden. Es soll ein generelles Alkoholverbot gelten. Geöffnet wird dreimal pro Woche, mittwochs, freitags und samstags. Geplant sind Angebote zur freien Freizeitgestaltung, aber auch Kicker- und Billardturniere, Fußballübertragungen und andere Aktionen. Beziehungsarbeit ist laut Arne Gies ein wichtiger Schwerpunkt.

Er selbst wird der Hauptansprechpartner sein, unterstützt durch ehrenamtliche Mitarbeiter aus der Gemeinde sowie die Mitarbeiter des städtischen Jugendzentrums, die sich dazu schon bereiterklärt haben. Geplant ist zunächst ein einjähriges Pilotprojekt, das bei erfolgreichem Verlauf dann verlängert werden soll. Die Finanzierung soll komplett über Spenden laufen, wobei keine Personalkosten anfallen, sondern Gies als Mitarbeiter der Gemeinde die Arbeit übernehmen wird. Für die Einrichtung sind derzeit 16 000 Euro kalkuliert.

Dass die Einrichtung des Jugendtreffs ideal zur neuen Ausrichtung der offenen Jugendarbeit des Märkischen Kreises passe, unterstrich Kreisjugendpfleger Friedhelm Teutenberg in der Sitzung und erläuterte kurz, dass das Jugendamt die Aufgabe bekommen habe, die mobile aufsuchende Jugendarbeit in Abstimmung mit den Städten und Gemeinden weiterzuentwickeln und auch verstärkt Stadtteilarbeit zu betreiben. So sollten Kinder und Jugendliche erreicht werden, die die vorhandenen Einrichtungen aufgrund der Entfernung oder auch anderen Gründen nicht annehmen, sondern ihre freie Zeit im öffentlichen Raum verbringen.

„Der Schwerpunkt der aufsuchenden Jugendarbeit liegt in der Beziehungsarbeit und dem Aufbau eines Kontaktnetzwerkes in der Lebenswelt der Jugendlichen“, erläuterte Teutenberg, der ganz eindeutig Handlungsbedarf im Ortsteil Bahnhof sah. Dort gebe es vier informelle Treffs im erweiterten Umfeld, drei davon am Haunerbusch und einer am Einkaufszentrum. Formelle Treffs seien der Baucontainer der Freien evangelischen Gemeinde für die Arbeit mit Kindern auf dem Tulpenplatz und die Räume für die Jugendarbeit der Kirche.

Im Ortsteil lebten 282 Jugendliche zwischen elf und 20 Jahren. Seitens des Jugendamtes gebe es 25 Fälle von Hilfen zur Erziehung und acht im Rahmen der Jugendgerichtshilfe, was laut Teutenberg signifikant viele sind. Zum Projekt „Bahnhof 3und90“ signalisierte er, dass dieses voll unterstützt werde, allerdings eine finanzielle Beteiligung des Kreises derzeit nicht möglich sei.

Gleich von mehreren Seiten wurde nochmals auf die bereits sehr gut laufende Arbeit in Kierspe hingewiesen, ob seit Jahren Sybille Wiehle als Streetworkerin erfolgreich tätig ist oder in Kooperation mit der Gesamtschule als Ganztagsschule viele Angebote laufen.

Auch Jürgen Tofote von der CDU äußerte sich durchweg positiv zu dem neuen Projekt, merkte aber kurz an, dass seine Fraktion durch einen Antrag im vergangenen Herbst erst den Anstoß für die Schaffung eines Jugendtreffs in diesem Brennpunkt gegeben habe. Das war dem Vernehmen nach dann wohl auch der Grund, warum die Grünen dieses Projekt nicht durch ihr Votum klar unterstützten, sondern sich bei der Abstimmung enthielten.

Nachdem die Kommune und auch der Kreis signalisiert haben, „Bahnhof 3und90“ voll zu unterstützen, steht jetzt nur noch die endgültige Entscheidung der Gremien der Freien evangelischen Gemeinde aus. Doch zeigte sich Gies optimistisch, dass diese bald zu erwarten sei, wenn die Finanzierung über Spenden weitgehend stehe. Hier gibt es schon viele Zusagen wie ein Wohltätigkeitsturnier des Golfclubs und die nach der Ratssitzung am 12. Juli stattfindende Sponsorenwanderung und aus dem Sport- und Jugendausschuss gab es am Montag noch weitere Ideen.

Rolf Haase

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