Neue Verordnung für Holzöfen

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Schornsteinfegermeister Mike Budde mit einem Ofen, der vor 1950 eingerichtet wurde. Solche Anlagen sind von der neuen Verordnung nicht betroffen. ▪

KIERSPE/MEINERZHAGEN ▪ Ein prasselndes Ofenfeuer steht für Behaglichkeit. Und bislang hat niemand überprüft, wieviel Feinstaub und Kohlenmonoxid die Öfen ausstoßen dürfen. Das ist aber nun seit einigen Monaten anders.

„Die gute Nachricht ist, dass niemand, der einen Ofen betreibt, mit sofortigen Änderungen rechnen muss. Denn erst einmal dürfen alle Feuerungsanlagen weiter betrieben werden“, erklärt Bezirksschornsteinfegermeister Mike Budde. Grundsätzlich wird aber auf Budde genau wie auf seine Kiersper und Meinerzhagener Kollegen Winfried Wurm und Ralf Pircher in den kommenden Jahren einiges an neuer Arbeit zukommen. Denn seit kurzem ist eine neue Bundes-Immissions-Schutzverordnung in Kraft – darin wird geregelt, wie viel Feinstaub ein mit Holz befeuerter Ofen noch produzieren darf.

„Die Regelungen für bestehende Anlagen greifen aber grundsätzlich frühestens ab dem Jahre 2014. Neue Öfen, die jetzt gekauft werden, sind aber bereits von der Neuregelung betroffen. Diese Anlagen müssen ein Typprüfung haben, in der der Hersteller nachweist, das seine Feuerstellen die Grenzwerte für Feinstaub und Kohlenmonoxid einhalten“, so Budde. Die Bescheinigung muss vom Eigentümer auf Wunsch dem zuständigen Schornsteinfeger vorgelegt werden. „Mit dieser Neuregelung soll erreicht werden, dass die Öfen auf Dauer effizienter werden. Viele alte Öfen waren im Grunde nichts anderes als Holzverznichter“, so Pircher.

Ein Weiterbetrieb der alten Anlagen ist grundsätzlich möglich, wenn der Ofen nicht mehr als 0,15 Gramm Feinstaub und vier Gramm Kohlenmonoxid pro Kubikmeter Rauchgas produziert. Zum Vergleich: Bei einem neuen Ofen dürfen es 0,075 Gramm Feinstaub und zwei Gramm Kohlenmonoxid sein.

Nachzuweisen sind die Werte durch eine Bescheinigung des Herstellers oder eine Messung durch den Schornsteinfeger. Ist beides nicht möglich, muss ein Feinstaubfilter oder eine andere Einrichtungen zur Reduktion von Staub-Immissionen eingebaut werden.

„Doch für alle alten Anlagen gelten Übergangsfristen. Eine Nachrüstung oder Außerbetriebnahme für Öfen, die vor 1974 aufgestellt wurden, kommt erst ab dem 31. Dezember 2014 in Betracht. Bei Anlagen aus der Zeit von 1975 bis 1984 verlängert sich diese Frist bis zum 31. Dezember 2017, Öfen aus den Jahren 1985 bis 1994 sind erst ab 31.Dezember 2020 betroffen und Öfen, die zwischen 1995 und dem 21. März 2010 aufgestellt wurden, können sogar bis 31.12. 2024 weiterbetrieben werden“, erklärt Wurm.

Doch keine Regel ohne Ausnahme. Offene Kamine dürfen auch in Zukunft ohne Grenzwertprüfung genutzt werden, da sie sowieso nur zur gelegentlichen Nutzung vorgesehen sind. Ausgenommen sind auch sogenannte Grundöfen, sofern sie aus mineralischen Speichermaterialien gefertigt wurden. „Zu den Grundöfen gehören beispielsweise Kachelöfen“, erklärt Budde, der auch noch auf eine weitere Ausnahme verweist, nämlich Feuerungsanlagen, die nachweislich vor 1950 errichtet wurden.

Bei der Errichtung von neuen Anlagen wird der Schornsteinfeger in Zukunft auch die Holzlagerung und die Feuchtigkeit des Brennmaterials überprüfen. Außerdem erhält der Ofenbesitzer eine Einweisung in die „Eigenheiten der Holzfeuerung“.

Darüber hinaus werden in Zukunft auch die Mündungshöhen der Schornsteine und die Abstände zum Nachbarhaus durch den zuständigen Kaminkehrer überprüft.

Aber nicht nur auf die Ofenbesitzer kommt in Zukunft mit der neuen Verordnung einiges zu, sondern auch auf den Bezirksschornsteinfegermeister, der alle Holzfeuerungsanlagen bis Ende 2012 katalogisieren müssen.

„Der Kunde erhält dann von uns einen Feuerstättenbescheid, aus dem der Standort der sowie die Prüf- und Reinigungsintervalle des Schornsteins hervorgehen“, so Budde. „Aus Sicht des Umweltschutzes ist die Neuregelung sicher sinnvoll, doch für uns bedeutet sie viel zusätzliche Büroarbeit“, fasst Wurm abschließend zusammen. ▪ jobek

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