Helfer stoßen an ihre Grenzen

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Heinz-Georg Ackermeier und Karin Schmid-Essing moderierten die Sitzung des Runden Tisches.

Kierspe - Das Interesse der Kiersper ist nach wie vor groß. Doch die Aktiven gelangen an ihre Leistungsgrenzen. Das wurde bei der Sitzung des Runden Tisches am Mittwochabend deutlich. Und die Zahlen, die der zuständige städtische Sachbearbeiter Patrick Sgobio mitteilen konnte, trugen auch nicht zu einem Stimmungshoch bei:

Im Schnitt kommen jede Woche zwischen zehn und 15 Flüchtlinge in Kierspe an, es gab auch schon Wochen, in denen es 18 waren. Der erste Weg führt dann noch immer in die Sammelunterkunft am Herlinghauser Weg – zumindest wenn es sich um alleinstehende Mäner handelt. Danach sollen die Bewohner in Wohnungen im Stadtgebiet umziehen. Doch langsam werden die Angebote weniger.

Derzeit werden rund 170 Schutzsuchende in Kierspe betreut. Dass es dieses Engagement nicht zum Nulltarif gibt, wurde auch aus den Zahlen deutlich, die Kämmerer Olaf Stelse vortrug: Bislang habe die Stadt in diesem Jahr bereits 100 000 Euro mehr ausgegeben, als geplant. „Bis zum Jahresende werden weitere 200 000 Euro dazukommen“, schätzte Stelse. Derzeit sind es vor allem Syrer, die in Kierspe Zuflucht finden, gefolgt von Albanern und Irakern.

Es sind nach wie vor vor allem die ehrenamtlichen Helfer des Vereins Menschen helfen und des Arbeitskreises Flüchtlinge, die sich um die Neubürger kümmern, mit ihnen Behördengänge erledigen, sie zum Arzt begleiten oder die Wohnungen einrichten. Insgesamt sind es 25 Kiersper, die sich dieser Aufgabe verschrieben haben. „Doch diese Menschen kommen an ihre Grenzen“, formulierte es Heinz-Georg Ackermeier, der die Veranstaltung moderierte. Er appellierte an die Stadtverwaltung, die Arbeit finanziell und personell zu unterstützen. Dafür sah aber Stelse keinen Spielraum, da auch in anderen Abteilungen des Rathauses kein Bereich über personelle Ressourcen verfüge. Gleichwohl wolle man sich bemühen, auch weiterhin durch die Mitarbeiter des Bauhofes bei Umzügen zu helfen, außerdem plane die Stadt eine Betreuung von Flüchtlingskindern in den Nachmittagsstunden.

„Die vom Bund zugesagten 670 Euro pro Flüchtling und Monat sehe ich noch nicht. Sollten diese aber tatsächlich im kommenden Jahr bei der Stadt ankommen, dann kann man auch über Personal sprechen“, versprach der Kämmerer. Und auch der Bürgermeister, der am Mittwoch zum ersten Mal an der Runde teilnahm, musste sich auf den Dank beschränken und konnte keine Hilfszusagen geben: „Wir haben die Menschen in dieser Stadt schon immer willkommen geheißen, doch seit es den Arbeitskreis gibt, heißen wir die Menschen herzlich willkommen.“

Bei dem Bericht der einzelnen Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass in nahezu allen Bereichen helfende Hände fehlen. Sei es beim Transport der Möbel, beim Einrichten der Wohnungen, dem Reparieren von Fahrrädern oder dem Erteilen von Deutschunterricht. „Als anfangs nur Männer kamen, haben mir viele Kiersper gesagt, dass sie sich keine Betreuung zutrauen würden, aber bei Familien gerne helfen würden. Jetzt, wo auch Familien kommen, könnten wir diese Menschen gut gebrauchen“, wandte sich Karin Schmid-Essing an die Kiersper. Konsens des Runden Tisches war, eine Liste mit den detaillierten Aufgaben zu erstellen, aus der dann potenzielle Helfer ersehen könnten, welche Hilfe benötigt werde.

Es gab auch Erfreuliches zu berichten: So sei das Lager des Arbeitskreises derzeit mit Möbeln gut gefüllt. Aktuell würden vor allem Schränke, Teppiche, Töpfe, Pfannen, Wasserkocher und Spannbettlaken benötigt.

Weitere Informationen unter www.meheki.de.

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