So plant die Feuerwehr Kierspe für die Zukunft

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Die Einsätze werden nicht weniger, aber die Zahl der großen Brände ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Dafür werden die Wehrleute immer öfter gerufen, wenn Türen geöffnet werden müssen, hinter denen sich hilflose Menschen befinden.

Kierspe - Es waren nicht so sehr die großen Brände, die die Kiersper Feuerwehr im zu Ende gehenden Jahr beschäftigt haben, sondern vor allem die Vorbereitungen und Planungen für die Zukunft, die sicherstellen sollen, dass in der Volmestadt auch in Zukunft noch eine schlagkräftige Truppe zur Verfügung steht.

Um für die Aufgaben der Zukunft gerüstet zu sein, baut die Stadt Kierspe derzeit ein neues Gerätehaus, in das die beiden Innenstadtzüge im Jahr 2019 einziehen sollen. Spätestens dann, wenn die Umzugskartons in das neue Gebäude getragen werden, dann müssen die beiden Züge zu einer schlagkräftigen Einheit verschmolzen sein. Bereits seit Längerem üben die beiden Züge immer wieder gemeinsam.

Im Frühjahr dieses Jahres trafen sich auch die Führungskräfte der beiden Züge zu einem Workshop in einer Jugendherberge des Kreises Olpe, um über die Leitungsstruktur zu sprechen. Im Februar 2018 soll diese Veranstaltung mit der gesamten Wehrführung aller Löschzüge noch einmal wiederholt werden.

„Jetzt haben wir noch Zeit dafür, wenn der Rohbau errichtet wird, kommen andere Aufgaben auf uns zu“, sagt Wehrleiter Georg Würth. So müsse man in der verbleibenden Zeit beispielsweise eine neue Alarm- und Ausrückordnung schreiben. Würth: „Wir müssen auch überlegen, wie in Zukunft die Jugendfeuerwehr organisiert wird, die in dem neuen Gebäude ihren Stützpunkt hat, und auch klären, welche Aufgaben die Züge übernehmen, die Kompetenzen an den neuen Standort abgeben.“ Als Beispiel nennt Würth die Atemschutzwerkstatt, die derzeit noch beim Rönsahler Löschzug angesiedelt ist und zukünftig ihren Platz an der Dr.-Hans-Wernscheid-Straße hat.

Für den größten Einsatz im vergangenen Jahr sorgte im vergangenen Jahr der Brand des ehemaligen Klubheims des Boxerclubs.

Wenn die Wehrleute ihr neues Domizil beziehen, dann werden sie bei Einsätzen ganz anders gekleidet sein, denn in diesem Jahr wurde damit begonnen, die Einsatzkräfte mit neuer Schutzkleidung auszurüsten. Bei Kosten von rund 1200 Euro pro Person für Hose, Jacke, Handschuhe und Flammschutzhaube wird die Anschaffung auf drei Jahren aufgeteilt. Die ersten 48 Wehrleute waren bereits in diesem Jahr zum Maßnehmen, damit die neue Ausrüstung optimal passt. Die weiteren Wehrleute werden im nächsten und im übernächsten Jahr eingekleidet.

Währenddessen läuft bereits die Ausschreibung für ein neues Hilfeleistungs-Lösch-Fahrzeug (HLF), das beim jetzigen Löschzug Stadtmitte bei seiner Auslieferung, die voraussichtlich im Jahr 2019 erfolgt, ein dann 26 Jahre altes Fahrzeug ersetzt. Rund 400 000 Euro wird das neue Auto kosten. Erneuert und Modernisiert wurden in diesem Jahr auch die Absturzsicherung und die Chemieschutzanzüge.

Auch ganz persönlich ist Georg Würth von den Planungen für die Zukunft betroffen, denn im kommenden Jahr müssen der neue Wehrleiter und einer der beiden Stellvertreter neu gewählt werden. Ob und unter welchen Voraussetzungen Würth selbst sich zur Wiederwahl stellt, will er derzeit nicht sagen, macht aber klar, dass man im kommenden Jahr darüber sprechen müsse, welche Leute für die Spitzenpositionen in der Wehr aufgebaut werden müssen.

Begonnen wurde in diesem Jahr auch mit der Umsetzung eines neuen Hygiene-Konzepts. Da es Hinweise darauf gibt, dass durch die Kontamination der Schutzausrüstung mit Rauchgasen bei Gebäude- und Fahrzeugbränden das Krebsrisiko bei den Wehrleuten steigen könnte, ist ein solches Konzept vor allem bei den Berufsfeuerwehren ein Thema, da deren Mitglieder deutlich öfter zu solchen Einsätzen ausrücken als Wehrleute im Freiwilligendienst. Doch Würth möchte kein Risiko eingehen.

In einem ersten Schritt wurden deshalb nun 20 Jogginganzüge angeschafft, die einzeln verpackt zum Einsatz mitgenommen werden, genau wie eine spezielle Seife und Handtücher. In Zukunft sollen die Wehrleute noch am Einsatzort ihre Schutzkleidung in einem Zelt ausziehen, die unbedeckten Hautbereiche reinigen und dann in den neuen Anzügen ins Gerätehaus zurückkehren.

Dort werden dann die Jogginganzüge gegen die Privatkleidung gewechselt und in die Wäsche gegeben. So sollen Fahrzeuge und Spinde frei von Schadstoffen bleiben und auch die Ehrenamtlichen sollen diesen nicht so lange ausgesetzt werden. „Natürlich würden die Jogginganzüge auch für Menschen zur Verfügung stehen, die ein brennendes Gebäude verlassen mussten und dann – und eventuell nur mit einem T-Shirt oder einem Schlafanzug bekleidet – auf der Straße stehen“, erklärt der Wehrleiter.

Bei den Löschzwergen steht die allgemeine Jugendarbeit im Vordergrund, dazu gehören auch Ausflüge.

Zur Fürsorgepflicht zählt Würth aber nicht nur das neue Hygiene-Konzept, sondern auch eine Ernährungsberatung und die Bereitstellung der richtigen Verpflegung im Einsatz. „Morgens um 4 Uhr brauche ich andere Speisen als nachmittags.“ Und auch wenn noch viele Wehrleiter nach dem Einsatz herzhaft in die Fleischwurst oder das Käsebrötchen beißen, längst schon haben auch Rohkost und Obst ihren festen Platz gefunden. Genau wie Wasser, Schorle und Tee neben dem üblichen Kaffee gereicht werden.

Beim Rückblick auf die Einsätze in diesem Jahr bleibt der Wehrleiter allgemein, da die Statistik noch nicht vollständig ausgewertet ist. Der größte Brand in 2017 war wohl das Feuer, welches das ehemalige Klubhaus des Boxerclubs im Gewerbegebiet In der Helle vernichtete. Die geringere Zahl an Wohnungs- und Gebäudebränden führt Würth auch auf die Rauchmelderpflicht zurück, die dafür sorge, dass Brände entdeckt würden, bevor sie sich ausbreiten könnten.

Gleichzeitig würden Brandmeldeanlagen in Firmen auch nach wie vor viele Fehlalarme auslösen. Als weiterhin stark steigend nennt der Wehrleiter die Zahl der Türöffnungen, bei denen Wehrleute gerufen würden, um dem Rettungsdienst den Zugang zu Wohnungen zu ermöglichen. Würth: „Die Einsätze sind in ihrer Zahl sehr belastend für die Wehr, aber auch für die beteiligten Wehrleute, da niemand weiß, was ihn hinter der Tür erwartet.“

Tagesverfügbarkeit wird zunehmend problematisch

Die Zahl der Aktiven in der Feuerwehr sinkt nach wie vor. Derzeit sind 132 Wehrleute in den Zügen tätig, vor einigen Jahren waren es noch deutlich mehr als 150. Das wirkt sich besonders auf die Tagesverfügbarkeit aus. In Rönsahl ist die Situation so problematisch, dass tagsüber – je nach Uhrzeit – nur mit einem bis zwei Wehrleuten gerechnet werden kann. Um dort den Brandschutz sicherzustellen, rückt bei einem Alarm grundsätzlich die Feuerwehr Klaswipper aus, da diese nach vier bis fünf Minuten Fahrzeit in dem Grenzort eintrifft, wohingegen die Kiersper Innenstadtzüge gut zehn Minuten unterwegs sind.

Gerade in Rönsahl stellt die Tagesverfügbarkeit ein zunehmendes Problem dar.

Ursächlich dafür ist nach Einschätzung von Wehrleiter Georg Würth die Beschäftigungssituation vor Ort. Viele junge Leute würden auch den Heimatort verlassen, um woanders ihre Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren. Um dieser Entwicklung zu begegnen, wurden mehr Plätze in der Jugend- (63 Mitglieder) und Kinderfeuerwehr (28) geschaffen. Erfreulich ist, dass das Interesse der Kinder und Jugendlichen so groß ist, dass es in beiden Einheiten Wartelisten gibt.

Außerdem setzen die Kiersper auf mehr Frauen in der Feuerwehr. Mittlerweile liegt der Frauenanteil bei 40 Prozent, in einigen Jahren werden es voraussichtlich 50 Prozent sein – so wie das jetzt schon in Jugend- und Kinderfeuerwehr der Fall ist. „Ohne weibliche Wehrleute ist die ehrenamtliche Feuerwehr auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten“, ist sich Georg Würth sicher.

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