Von der SPD zur FWG

Neue politische Heimat: Jörg Hentschel wechselt Partei und nimmt Sitz im Rat mit

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Jörg Hentschel und Peter Christian Schröder (rechts) wollen in Zukunft gemeinsame politische Wege gehen.

Kierspe – So was hat es seit Jahrzehnten in Kierspe nicht mehr gegeben, ein Ratsmitglied, das in der laufenden Wahlperiode von einer Partei zu einer anderen wechselt und seinen Sitz im Rat mitbringt.

Aber nur weil etwas seit Langem nicht mehr vorgekommen ist, ist es nicht ausgeschlossen. Das zeigt der Wechsel von Jörg Hentschel, der bislang der SPD angehörte und nun für die Freien Wähler im Rat sitzt.

Fragt man den Politiker nach seinen Beweggründen, kommt die Antwort schnell und ohne zu zögern. „Angefangen hat alles mit Martin Schulz. Als die SPD diesen als Kanzlerkandidaten aufstellte, war ich sehr zufrieden. Doch Schulz wurde von seinen eigenen Genossen nicht nur demontiert, sondern regelrecht deformiert. Als man dann nach der Wahl erneut in die große Koalition ging und Schulz ein Ministeramt verweigerte, habe ich mich nicht mehr sehr wohl gefühlt“, erzählt er. Und weiter: „Die SPD geht nicht sehr pfleglich mit ihrem Personal um, das habe ich auch selbst zu spüren bekommen.“

Bei seinen persönlichen Gründen belässt es Hentschel. Klar ersichtlich für jeden ist, dass der heute 49-jährige Polizeibeamte, der im vergangenen Kommunalwahlkampf als Bürgermeisterkandidat der Kiersper SPD antrat, nach der Wahl keine große Rolle in der Fraktion mehr spielte.

Doch welche Gründe auch immer letztlich zu der Entscheidung, die Partei zu verlassen, führten, getroffen hat sie Hentschel bereits vor einiger Zeit. Denn sein Ausscheiden aus der SPD wurde bereits am 31. Oktober des vergangenen Jahres vollzogen.

„Ich wollte und will mich aber auch weiterhin politisch einbringen“, macht er deutlich. Nun hat Hentschel eine neue politische Heimat gefunden – nach langem Suchen und Abwägen, wie er betont.

Doch Hentschel kommt nicht allein, im Gepäck hat er ein Ratsmandat, das die Verhältnisse im Rat deutlich verschiebt. Aufgrund der erreichten Stimmen hatte die FWG nach der Wahl das Recht auf zwei Ratssitze, genau wie die FDP. Die Grünen, die auf deutlich mehr Stimmen als die beiden kleinen Parteien kamen, hatten drei Sitze. Durch den Wechsel von Hentschel wächst die FWG-Fraktion nun ebenfalls auf drei Sitze an.

„Wir konnten uns mit den Grünen einigen, diese haben zukünftig im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung nur noch zwei Sitze, wir dafür im Ausschuss für Umwelt und Bauen“, erklärt der FWG-Vorsitzende Peter Christian Schröder (die weiteren Auswirkungen des Wechsels auf die Ausschüsse sind in dem unten stehenden Artikel aufgelistet).

Bei der Kommunalwahl 2014 errang Hentschel allerdings kein Direktmandat, sondern zog über einen Listenplatz in den Rat. Ein schlechtes Gewissen gegenüber den Wählern und seinen früheren Genossen hat er aber nicht. Hentschel: „Ich habe für die SPD ja auch als Bürgermeisterkandidat gekämpft und dadurch auch für einen Stimmenzuwachs bei der SPD gesorgt. Diese zusätzlichen Prozente nehme ich jetzt mit.“

Sein Hauptbetätigungsfeld sieht Hentschel auch in Zukunft in der Schulpolitik. Da kann er nicht nur Erfahrung im Ausschuss (der einzige, in den ihn die SPD entsandte) zurückblicken, sondern auch auf persönliche Erfahrung („ich habe vier schulpflichtige Kinder“) und sein ehrenamtliches Engagement, schließlich war er sechs Jahre lang Elternpflegschaftsvorsitzender an der Bismarckschule.

Aber auch jenseits der Bildungspolitik sieht Hentschel Aufgaben, die er zu seinen eigenen machen möchte: „Wir müssen auf die Jugend und die jungen Erwachsenen zugehen, um Kierspe für diese attraktiver zu machen, um zu verhindern, dass sie ihre Heimatstadt verlassen.“ Dabei will der Politiker aber die Senioren nicht aus dem Blick verlieren und sich dafür einsetzen, dass mehr Wohnungen für diese Gruppe entstehen.

Fehlt dann nur noch der Grund, warum er sich für die FWG und nicht für eine der anderen drei möglichen Parteien entschieden hat. „Als ich 2010 SPD-Mitglied wurde, lag mir diese Partei aufgrund ihrer sozialen Ausrichtung am nächsten. Ich glaube, in der FWG kann ich mich mit meinen Schwerpunkten am besten einbringen und auch mein soziales Engagement weiter entfalten.“

Steine wird ihm die neue politische Heimat dabei wohl nicht in den Weg legen. Deren Vorsitzender Peter Christian Schröder sagt jedenfalls: „Wir sind froh, dass Jörg Hentschel jetzt bei uns ist, er passt gut zu uns.“ Und Schröder betont, dass man ja nicht erst seit kurzem im Gespräch sei: „Wir kennen uns, seitdem Hentschel für die SPD als Bürgermeisterkandidat antrat – damals haben wir ihn ja auch schon unterstützt.“

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