Premiumhersteller setzen auf Bauteile aus Kierspe

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Der geschäftsführende Gesellschafter Manfred Gante (Mitte) freut sich mit seiner kaufmännischen Leiterin Anke Klingelhöfer und Betriebsleiter Uwe Möller über die gute Entwicklung der Firma Backhaus.

Kierspe - Große Teile, Stückzahlen im mittleren Bereich und deutsche Premiumhersteller – das ist das Umfeld, in dem die Firma Backhaus arbeitet, sich wohlfühlt und weiter wachsen möchte. Und die Aufträge, die im kommenden Jahr anlaufen, bestätigen dieses Vorhaben.

Von Johannes Becker

Um die B- und D-Säulen für das Mercedes-Erfolgsmodell Sprinter in vereinbarter Stückzahl liefern zu können, mussten neue Spritzgießmaschinen angeschafft werden. Doch um die sieben Maschinen an ihren Platz bringen zu können, reichte die Kapazität des Krans nicht aus. Also wurden nicht nur die Maschinen im Schließkraftbereich von 500 bis 1500 Tonnen angeschafft, sondern auch noch ein größerer Kran, mit dem wiederum eine Erneuerung der Hallenstatik einherging.

Doch der Aufwand hat sich gelohnt, bringt er doch einen jährlichen Umsatz von 6,5 Millionen Euro – und das noch bis zum Jahr 2018. „Wir bemühen uns bereits jetzt um den Nachfolgeauftrag“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Manfred Gante. Als Übernahmegeschäft wird der Sprinter-Auftrag bezeichnet. Das heißt, dass sich eigentlich ein anderes Unternehmen erfolgreich um den Auftrag bemüht hatte, aber aus nicht genannten Gründen die Lieferung nicht einhalten konnte. Für Backhaus war dieses Geschäft ein Glücksfall, denn als Gante das Kiersper Unternehmen von einem amerikanischen Konzern kaufte, gab es fast nur Aufträge mit absehbarer Laufzeit, die sich auch aus den immer kürzer werdenden Zyklen bei den Modellen ergeben. Wobei Nutzfahrzeuge meist länger unverändert gebaut werden als Pkw.

Bei den Personenwagen ist Backhaus im kommenden Jahr ebenfalls wieder gut im Geschäft. So wird Mitte des Jahres ein großer Auftrag anlaufen, bei dem Teile für die E-Klasse von Mercedes gefertigt werden. Das Umsatzvolumen beträgt 3,5 Millionen Euro im Jahr.

4,5 Millionen Umsatz pro Jahr soll ein Auftrag von Audi bringen, der ebenfalls 2015 anläuft. Backhaus stellt dann Komponenten für die Mittelkonsole des kompakten neuen SUV Q1 her, der voraussichtlich ab 2016 bei den Händlern vorfahren wird. Ebenfalls für Audi läuft im kommenden Jahr ein Auftrag an, der einen Jahresumsatz von rund vier Millionen Euro bringen soll. Dabei ist das Unternehmen im „Kofferraummanagement“ der Modelle A4 und A5 tätig. Gante: „Die Laufzeiten betragen etwa vier bis fünf Jahre. Für uns ist es wichtig, in jedem Jahr neue Aufträge zu holen, um nicht irgendwann Überkapazitäten zu bekommen.“

Doch solche Befürchtungen sind im Moment sicher unnötig. Im Gegenteil, bislang musste der Maschinenpark und auch das Personal kontinuierlich aufgestockt werden, um die Vielzahl der Aufträge abarbeiten zu können. So wurden allein in diesem Jahr 19 Mitarbeiter übernommen und damit die Gesamtzahl der Beschäftigten auf 170 erhöht. Dazu kommen jährlich die Auszubildenden, die ihre Prüfung abgelegt haben. Derzeit sind zwölf junge Menschen in der Lehre bei Backhaus. „Wir hoffen, dass diese auch bei uns bleiben, denn wir brauchen diese Leute“, so Betriebsleiter Uwe Möller.

Wachstumschancen sieht Gante vor allem im Nutzfahrzeugbereich: „Wir wollen nicht in den Massenbereich, denn dort herrscht ein enormer Preiskampf. Bei den Nutzfahrzeugtypen, von denen zwischen 50 000 und 150 000 im Jahr gebaut werden, fühlen wir uns wohl. Und dort ist auch noch großes Potenzial, allein schon durch die Zunahme der Warenlieferung, die der Internethandel verursacht.“

Ihre Stärken sieht die Backhaus-Belegschaft im Bereich der Teile für Koffer- und Motorraum – dort vor allem im sogenannten 2-K-Bereich. Dabei werden zwei verschiedene Kunststoffe in einem Werkstück verarbeitet. Gante: „Bei dem Verarbeiten technischer Kunststoffe, also Kunststoffe, die durch Glasfaser oder Karbonfaser verstärkt werden, hat sich Backhaus einen guten Namen erarbeitet.“ Überhaupt würden die verbauten Teile immer anspruchsvoller, da die Hersteller auf Gewichtsreduktion setzen würden. Da müsse dann auch verstärkt Stickstoff in den Kunststoff eingeblasen werden. Dadurch entstehe ein Schaumstruktur, die dem Aufbau eines Knochens ähnle. Zum Einsatz kommen solche Teile unter anderem bei Flügelrädern im Motorraum von Fahrzeugen.

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