Netto macht Druck beim Neubau des Marktes

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Seit Jahren steht der alte Markt im Dorf leer. Noch in diesem Monat könnte die Entscheidung getroffen werden, ob dort bald ein neues Gebäude errichtet wird. ▪

KIERSPE ▪ Netto macht Druck und die Stadt möchte der Investoren- und Architektengemeinschaft signalisieren, dass die Verwaltung und die Politik hinter den Neubauplänen im Dorf stehen. Nach Jahren des Stillstands sieht es nun so aus, dass nach einer Entscheidung des Gerichtes Mitte des Monats endlich mit dem Neubau eines Supermarktes begonnen werden könne – wobei einigen Politikern des Stadtentwicklungs-, Planungs- und Wirtschaftsausschusses das plötzliche Tempo auch nicht recht war.

Rund 40 Angehörige einer Erbengemeinschaft mussten den Weg freimachen, um einen Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Dornseifer-Marktes zu ermöglichen. Eine Unterschrift fehlt. Nun hoffen die Stadt und auch die Investoren darauf, dass das Verwaltungsgericht diese fehlende Unterschrift durch ein Urteil „ersetzt“.

„Netto hat klar gemacht, dass jetzt langsam etwas geschehen müsse, sonst verliere man das Interesse an dem Neubau“, so Stadtplaner Rainer Schürmann im Ausschuss. Zwingend für den Neubau ist aber auch, dass die Parkplatzfläche deutlich erweitert wird. Möglich ist dies aber nur, wenn das städtische Grundstück jenseits der Straße Luiseneiche, auf dem sich unter anderem die Dorfeiche befindet, zum Teil als Parkplatzfläche mitbenutzt werden kann. Dann besteht allerdings der Märkische Kreis darauf, dass die Straße Luiseneiche abgebunden wird, da man keinen zusätzlichen Verkehr über den Supermarktparkplatz leiten möchte. „Für das Wohngebiet bedeutet das, dass der Verkehr aus dem Wohngebiet nach Norden abfließen muss“, so Schürmann.

Probleme bereitete einigen Ausschussmitgliedern aber vor allem, dass noch nicht genau klar ist, wie das neue Gebäude auf dem Grundstück stehen wird. So sieht eine Variante vor, dass eine Gebäudewand direkt an der Schmiedestraße errichtet würde. „Die Investoren haben uns ihre Kalkulation offengelegt, daraus wird deutlich, dass diese Variante deutlich preiswerter ist als jene, bei der der Markt nach hinten gerückt würde“, so der Stadtplaner. „Ich habe Bauchschmerzen, dem zuzustimmen, wenn ich nicht weiß, was dort gebaut wird. Ich möchte keine 20 Meter lange Betonwand an der Straße haben“, erklärte Marc Voswinkel, SPD. An dieser Meinung änderte sich auch nichts, als Schürmann ausführte, dass der Bebauungsplan den Investoren die Freiheit lasse, welche Art der Bebauung dort umgesetzt würde.

Probleme sahen einige Ausschussmitglieder auch in der Sperrung der Straße und den Umwegen, die dadurch einige Anwohner in Kauf nehmen müssten. Armin Jung, FDP, setzte sich massiv für eine Zustimmung des Ausschusses ein: „Das ist die letzte Chance, eine Nahversorgung ins Dorf zu bekommen.“ Ähnlich sah das auch Dieter Grafe, UWG: „Die Menschen im Dorf wollen den Markt. Da ist der Umweg für einige Anwohner akzeptabel.“ Eine Meinung, die auch von der CDU geteilt wurde. Und auch der Grüne Michael Butz sah es als falschen Weg an, den Investor zu vergraulen.

Schließlich stimmte die Mehrheit des Ausschusses bei Enthaltung der Pro-Kierspe-Mitglieder dem neuen Bebauungsplan zu, auch weil dieser einen Schutz der Dorfeiche verbindlich macht. ▪ Johannes Becker

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