Nestor setzt Akzent auf die Wertschätzung des Kunden

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Waltraut Wiechers, Renate Pulla, Silvia Gipperich und Ingo Halverscheid von Nestor und Martina Vortel vom Jobcenter MK informieren über die Arbeit des Bildungsinstituts. ▪

KIERSPE ▪ Nestor setzte seinen Fuß als erstes in Kierspe in den Märkischen Kreis. Inzwischen sind mehr als zwei Jahre vergangen und die Arbeit läuft ziemlich erfolgreich. Günstig wirkt sich dabei aus, dass das Jobcenter der Arge und das Bildungsinstitut die gleichen Grundsätze und Leitlinien verfolgen. „Uns geht es beiden um die Wertschätzung des Kunden und nicht etwa um die Förderung der Wertschöpfung in den Betrieben“, betont Martina Vortel, die beim Jobcenter Märkischer Kreis verantwortlich ist für das Volmetal.

Mit der ersten Maßnahme startete Nestor bereits 2008 vor Ort, wie die Regionalleiterin NRW Süd, Waltraut Wiechers, sowie die Diplomsozialarbeiterin Renate Pulla, zuständig für die Arbeitsvermittlung, und ihre Kollegin Silvia Gipperich, die das Aktivcenter betreut, informieren. Es handelte sich um ein individuelles Bewerbungstraining, danach folgte noch im gleichen Jahr eine dreimonatige Trainingsmaßnahme für Betreuungskräfte. 2009 wurde dann die erste projektmäßig strukturierte Fallmanagement-Arbeitsgelegenheit, kurz AGH, angeboten. Zielgruppe sind Arbeitssuchende mit größeren Vermittlungshemmnissen. Sie erlangen durch die Teilnahme ein deutlich gesteigertes Selbstwertgefühl, was sich in ihrer Kommunikation, ihrem Auftreten und insgesamt ihrer Außenpräsentation spürbar positiv auswirkt.

Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde der Wanderweg Sauerland Höhenflug in Meinerzhagen mit detailgetreu angefertigten Holzflugzeugen ausgestattet und im Bereich des Kiersper Stadtparks am Thaler Teich entstand ein Entenhaus, das demnächst noch erweitert werden soll. Auch am Meinerzhagener Weihnachtsmarkt nahm Nestor erfolgreich teil, wofür auf Wunsch der Teilnehmer auch derzeit wieder attraktive Holzarbeiten hergestellt werden. Der Erlös wird jeweils immer sozialen Zwecken zugeführt, wie zuletzt der Strahlemännchen-Hilfe für krebskranke Kinder. Die Projektauswahl erfolgt in Abstimmung mit der Stadt Kierspe und der Stadt Meinerzhagen. So soll demnächst zudem der Erlebnisbereich an der Gesamtschule neu aufgearbeitet werden.

Als weiteres Angebot gibt es bei Nestor das Feststellungs-, Trainings- und Erprobungscenter, das sich speziell an Kunden wendet, die sich noch nah am Arbeitsmarkt befinden. Sie können ohne weitere Betreuung einer Beschäftigung zugeführt werden. Eingebunden in die insgesamt dreimonatigen Maßnahmen sind jeweils zwei vierwöchige Praktika in Betrieben, wo dann jeweils der Arbeitgeber, aber natürlich auch der Kunde selbst sieht, ob sie zu einander passen oder nicht. Es kommt heraus, ob der Arbeitssuchende die Aufgaben erfüllen kann.

„Die Kooperation mit den heimischen Unternehmen läuft sehr gut“, weiß Martina Vortel zu berichten. Ziel sei eine dauerhafte Anstellung, was in vielen Fällen auch gelinge. Hier arbeitet Nestor im Interesse der Klientel praktisch Hand in Hand mit der Arge. Renate Pulla ergänzt, dass gerade die Praktika für die Betroffenen eine Möglichkeit seien, besser ihre eigenen Stärken herauszufinden. So gingen viele mit den im ersten Unternehmen gemachten Erfahrungen bereits viel besser gerüstet ins zweite. Mediatorin in diesem Bereich bei Nestor ist Heidrun Matz.

Die Teilnahme an der Maßnahme ist laut Renate Pulla eine Chance für Menschen, die bislang keine bekommen haben. Viele von ihnen sind schon ganz lange, einige aber auch erst seit kurzem arbeitslos. „Jeder ist seine eigene Visitenkarte“, veranschaulicht Pulla weiter. Ihre Chefin Waltraut Wiechers informiert, dass es mit 65 bis 70 Prozent eine erfreulich hohe Vermittlungsquote gibt. Hier zahlen sich gleich mehrere Faktoren aus wie die gute Identifizierung in Frage kommender Kunden seitens des Jobcenters und die inzwischen ausgezeichneten Kontakte von Nestor, ob zur Wirtschaft oder auch zu Selbsthilfegruppen, Schuldnerberatung und Drogenberatungsstelle, sowie außerdem die erfolgreiche Motivation der Kunden.

Ein anderer wichtiger Bereich ist die Kenntnisvermittlung in Theorie und Praxis entweder im Bereich einer Inhouse-Schulung, die bei Nestor im Gewerbepark an der Friedrich-Ebert-Straße 275, in den Bereichen Holz, Farbe und Käufmänisches angeboten wird oder in anderen Berufsfeldern alternativ in der Umgebung sowie in Kooperationsbetrieben. Das Bildungsinstitut hält modern ausgestattete Werkstätten und auch Schulungs- und EDV-Räume vor.

Ende August läuft das Aktivcenter in Kierspe, bei dem der Schwerpunkt diesmal auf der Betreuung von Männern lag, aus. In Meinerzhagen gibt es noch eines mit Alleinstehenden, überwiegend Frauen. Diese Maßnahmen wendet sich an eine Klientel, die vor der beruflichen Eingliederung aktiviert, stabilisiert und erst ganz behutsam an eine Beschäftigung herangeführt werden muss. Gemeinsam mit den Betroffenen werden Strategien zu ihrer Integration in den Arbeitsmarkt entwickelt. Auch Einkaufsplanung, Essenszubereitung oder Bewegung und Sport sind Bereiche, die neben Bewerbungstraining und der theoretischen Ausbildung abgedeckt werden.

„Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz“, machen die drei Nestor-Vertreterinnen aufmerksam. Es geht nicht in erster Linie um die Vermittlung in Arbeit, sondern um die Erlangung grundlegender Fertigkeiten. „Aber auch darum, persönliche Talente zu entdecken, also um eine Kompetenzbilanzierung“, so Renate Pulla und Silvia Gipperich. Die Maßnahme im Aktivcenter dauert immer ein halbes Jahr.

Im Jahr 1975 wurde das Institut für berufsbezogene Erwachsenenbildung (IFBE) mit Schulen in Westdeutschland von Bernhard Peters gegründet. Ab 1990 wurden die Aktivitäten auf Ostdeutschland ausgeweitet. 1995 gründete die Familie Ubben das Institut für berufliche Fortbildung und Umschulung Nestor und übernahm die ostdeutschen IFBE-Schulen. 1999 kam es dann zur kompletten Übernahme der IFBE mit den Schulen in Westdeutschland und 2001 folgte der Erwerb der Gesellschaft für Bildung und Beratung (BBG) mit Schulen in Brandenburg. 2003 und 2005 gingen beide dann durch Verschmelzung in Nestor auf. Seit 2007 nennt sich Nestor nur noch kurz Bildungsinstitut. 2008 kam es zu einer Beteiligung der Berliner Firma an den Unternehmensgruppen ED Erfahrung Deutschland und Ruth-Welling sowie zur Gründung und Beteiligung an der Zeitarbeits- und Personalberatungsgesellschaft Job-4-Time. So wuchs Nestor kontinuierlich und dehnte seine Aktivitäten immer weiter aus. Ruth-Welling wurde 2009 komplett übernommen. Inzwischen ist das Unternehmen in fünf Bundesländern an insgesamt 40 Standorten tätig, im Märkischen Kreis allein neben Kierspe in Meinerzhagen, Halver, Lüdenscheid, Plettenberg und neuerdings noch Werdohl. Geschäftsführer von Nestor sind heute Hans-Jürgen Ubben, Bernd Schiller und Kirsten Wegener-Zander.

▪ Rolf Haase

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