Zäune schützen Frösche und Kröten vor Autoverkehr

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Eileen, Maureen und Karsten Overmann (von links) aus Breckerfeld halfen am Samstag, den Krötenschutzzaun gegenüber dem Haupteingang von Haus Rhade aufzustellen, der den Grasfröschen ein sicheres Überqueren der Kreisstraße gewähren soll. ▪

KIERSPE ▪ Rund 2000 Erdkröten und 1000 Grasfrösche haben im vergangenen Jahr Christa und Manfred Künsting vom Naturschutzbund sowie Karsten Overmann aus Breckerfeld sicher aufgefangen und über die Straße in die Teiche bei Haus Rhade gebracht. Nicht alle wären von vorbeifahrenden Autos überfahren worden, bestimmt jedoch eine beachtliche Anzahl.

Bald ist es wieder so weit. Die Temperaturen steigen und sobald die Acht-Grad-Marke überschritten ist, erwachen Erdkröten und Grasfrösche aus ihrem Winterschlaf. Nun heißt es bereits seit über zwölf Jahren für Manfred Künsting von der Nabu-Ortsgruppe Mittleres Volmetal, dem Brüggener Freundeskreis für Natur und Heimatpflege sowie dem Lüdenscheider Tierschutzverein, einen 840 Meter langen Amphibienschutzzaun zu setzen. Nötig wird dieser, weil die Kröten und Grasfrösche ihr Winterquartier verlassen und zu ihren Laichplätzen wollen, die direkt hinter Haus Rhade liegen. Um dort aber hinzugelangen, müssen die Tiere die vor Haus Rhade liegende Gemeindestraße überqueren, was für viele von ihnen tödlich endet. Weil die Zäune auf fremdem Gelände aufgestellt werden, hat die Nabu-Ortsgruppe sich die Nutzungserlaubnis für den Zeitraum Februar bis Mai vom Eigentümer Joachim Loges eingeholt.

Mit ihrer Arbeit beginnen die Frauen und Männer je nach Wetterbedingung. In diesem Jahr hatten sie sich den ersten Samstag im März ausgesucht, an dem es schon sehr sonnig und schön war. Der Wetterbericht sagt für die kommende Woche Temperaturen über 16 Grad voraus, so dass es für die ehrenamtlichen Helfer Zeit wurde, mit den Arbeiten zu beginnen. Als Erstes wurden die Amphibienzäune gesetzt und Eimer in die Erde gegraben, in die die Kröten und Frösche fallen. Ist es dann warm genug geworden, beginnen die Amphibien zu wandern. Täglich schauen Christa und Manfred Künsting nun in die Auffangeimer nach hineingefallenen Erdkröten und Grasfröschen. Für einige Wochen tragen beide die in den Eimern liegenden Tiere täglich sicher über die Straße. „Mitte April, wenn die meisten Tiere unterwegs sind, haben wir manchmal bis zu 300 Tiere in den Eimern gefunden und sie über die Straße gebracht“, berichtete Manfred Künsting. Bis Ende Mai dauert die Wanderung der Tiere, dann haben alle ihre Laichplätze erreicht.

„Anfangs, als wir die ersten Male die Tiere in den Eimern auffingen, hatten diese große Angst vor uns. Sobald sie uns sahen, sprangen sie weg“, berichtete Manfred Künsting aus seinen Erfahrungen. „Jetzt scheinen sie sich an uns gewöhnt zu haben. Sie lassen sich sogar einsammeln.“ In die Auffangeimer haben die ehrenamtlichen Helfer Laub hineingelegt, damit sich die Erdkröten und Grasfrösche darin verstecken können und nicht von Fischreihern oder Raubvögeln gefunden werden. Zugleich liegen in jedem Eimer Aufstieghölzer. Diese sind für Mäuse gedacht, die versehentlich in die Eimer gefallen sind.

„Aufgrund der behördlichen Wasserrahmenrichtlinien werden Fließgewässer bevorzugt renaturiert zum Nachteil der Stillgewässer und der an diese gebundenen Lebensgemeinschaften“, bedauerte Manfred Künsting. „Lebenswichtig sind für Amphibien, Reptilien und Libellen Stillgewässer, weil sie ansonsten aussterben. Das nächste Stillwassergebiet liegt in Dahlerbrück, viel zu weit weg von Haus Rhade.“

Gertrud Goldbach

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