Natürliche Aussaat sorgt für Vielfalt und spart Kosten

Nach Aussage von Förster Uwe Treff sind die Pflanzen aus natürlicher Aussaat deutlich widerstandsfähiger als die Kulturpflanzen aus den Waldschulen.

KIERSPE ▪ „Wer diese Fläche sieht, der glaubt, dass dort in den nächsten Jahren ein Birkenwald entsteht. Doch das wird so nicht sein.

Denn an den meisten Stellen setzt sich die Fichte durch, so dass wir letztlich einen Mischwald bekommen, in dem auch Eichen, Buchen, Birken und Eschen ihren Platz finden“, erklärt Förster Uwe Treff die sogenannte natürliche Aussaat auf einer ehemaligen Waldfläche bei Berken. Ursprünglich hatten dort rund sechs Hektar dichter Fichtenwald gestanden. Als Kulturwald angelegt, also Pflanze für Pflanze gesetzt, war der Wald über Jahrzehnte gewachsen, bevor der Orkan Kyrill in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 ihn innerhalb weniger Stunden komplett niederlegte.

Anschließend musste der Waldbesitzer die komplette Fläche Räumen lassen – inklusive der wenigen Bäume, die der Naturgewalt trotzen konnten.

Danach entschied sich der Eigentümer aber gegen eine neue gezielte Aufforstung. Stattdessen überließ er die 60 000 Quadratmeter sich selbst. Und bereits nach kurzer Zeit wuchsen auf der Fläche, die zwischenzeitlich einer Mondlandschaft glich, die ersten Ginsterbüsche und auch Birken kamen zum Vorschein. Und in dem Gras, dass sich dort überall ausgebreitet hatte, kamen auch die ersten Fichten durch. „Letztlich werden sich diese Bäume durchsetzen“, weiß Treff aus jahrzehntelanger Erfahrung. Grundsätzlich sind nach dem Sturm bei der Forstbehörde Fichtenwälder nicht mehr so beliebt, können sie sich doch aufgrund ihrer flachen Wurzeln kaum den Böen entgegenstellen. Auf der anderen Seite ist die Fichte nach wie vor der Baum, der wirtschaftlich den schnellsten und damit auch größten Ertrag verspricht.

Um so mehr freut sich der Kiersper Förster über solche Flächen wie bei Berken, wo in Zukunft neben der Fichte auch Laubbäume ihren festen Platz haben. „Für den Besitzer bedeutet ein solcher Wald zwar ein größerer Arbeitsaufwand, dem gegenüber stehen aber die gesparten Kosten für die Aufforstung. Bei rund 1500 Euro je Hektar sind das allein auf dieser Fläche rund 9000 Euro. Die müssten erst einmal mit dem Wald erwirtschaftet werden“, so Treff.

Darüber hinaus böten die Pflanzen aus natürlicher Aussaat eine deutlich höhere Widerstandskraft als Kulturpflanzen. „Die richten sich im Frühjahr nach dem Schnee einfach wieder auf und wachsen gerade. Für Kulturpflanzen kann die Schneelast da schon eher zum Problem werden.“

Die Waldbauern, die nach Kyrill auf die natürliche Aussaat setzten, – nach Angaben von Treff rund die Hälfte der vom Sturm betroffenen Waldbesitzer – wurden für ihre Geduld im vergangenen Jahr belohnt. Schon lange hatten die Hauptbaumarten Eiche, Buche und Fichte nicht mehr solche Mengen an Früchten getragen.

So konnte Treff im vergangenen Jahr beobachten, dass rund 90 Prozent der Eichen und Fichten massenhaft Frucht trugen. Bei der Buche waren es immerhin 60 Prozent. Gute Voraussetzungen, um ganz auf die Natur zu setzen. Darüber hinaus haben die Waldbesitzer nach Kyrill fünf Jahre Zeit, die vom Sturm betroffenen Flächen wieder aufzuforsten. Nach einer „normalen“ Rodung sind es nur zwei Jahre.

Treff: „Rund 50 Prozent der Waldbauern, die von Sturmschäden betroffen waren, haben auf die natürliche Aussaat gesetzt. Und bei nahezu allen Flächen hat sich das auch gelohnt.“ Trotzdem seien in den vergangenen Jahren rund 90 000 Laubbäume und 60 000 Nadelhölzer, vor allem Fichten, Douglasien und Lärchen aus Baum- und Waldschulen angepflanzt worden. Wobei die Douglasie, aufgrund ihrer bessereren klimatischen Anpassungsfähigkeit, der Fichte langsam den Rang ablaufe. Dabei schränkt der Förster jedoch ein: „Die Meinung bei den Waldbesitzern ist in der Frage der Anpflanzungen geteilt. Es gibt etliche, die nach wie vor voll auf die Fichte setzen. Andere wollen von diesem Baum nichts mehr wissen. Und es gibt auch ein paar Waldbesitzer, die wollen mit ihrem Wald gar nichts mehr zu tun haben.“

Rein rechtlich gebe es auch keine Möglichkeit, diese Waldbesitzer zu einer Bewirtschaftung zu zwingen, so Treff, der auch sagt, dass er daran kein Interesse habe. „Zum Glück sind das aber nur wenige, die meisten wollen nach wie vor ihren Wald bewirtschaften“, freut sich der Beamte. ▪ jobek

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