Ruhepause für Kiersper Flüchtlingshelfer zum hohen Preis

+
Die Atempause der Kiersper Flüchtlingshelfer bedeutet für die Schutzsuchenden in Griechenland und anderswo einen hohen Preis. 

Kierspe - Nach der Schließung der Balkanroute ist die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland in den ersten drei Monaten in 2016 deutlich gesunken, teilte Bundesinnenminister de Maizière mit. Das Abebben des Flüchtlingsstroms bedeutet für die Beteiligten in Kierspe nicht automatisch weniger Arbeit.

Laut den Zahlen aus Berlin wurden im Monat März nur noch 20.608 Personen registriert, die Asyl in Deutschland suchen. Im Februar waren es 60.000, im November vergangenen Jahres hingegen noch 200.000 Menschen. Auch in Kierspe ist eine Abnahme der Zuweisungen spürbar, sagt Bürgermeister Frank Emde.

Im ersten Quartal 2016 seien sechs Schutzsuchende der Volmestadt zugewiesen worden, in den letzten zwei Wochen des zweiten Quartals waren es sogar nur drei Personen, so Emde. „Im Vergleich zum Vorjahr ist das wesentlich weniger. Zu Spitzenzeiten, im vierten Quartal 2015, hatten wir 187 Zuweisungen.“ Man merke nicht nur die Schließung der Route am Balkan, sondern auch die Tatsache, dass Kommunen, die vorher verhältnismäßig wenige Flüchtlinge bekamen, nun mehr bedacht werden. 

Aktuell gibt es in der Stadt 306 Personen, die nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz versorgt werden. Mit den Menschen, die vom Jobcenter betreut werden, steigt die Zahl auf rund 350. Doch die Stadt stellt ihre Arbeit wegen der Schließung der Route nicht ein. 

„Wir haben gewisse freie Kapazitäten an Wohnraum, aber es lässt sich keine verlässliche Prognose erstellen. Deshalb sind wir weiter auf der Suche nach Wohnraum“, sagt der Bürgermeister. Aktuell bereite die Stadt ein Haus in Rönsahl für rund 20 Personen vor. Desweiteren stehe ein weiteres Objekt in Kierspe in der Planung, zudem sei man für Einzelwohnungen mit den Eigentümern von drei bis vier Häusern im Gespräch, sagt Emde.

Die Schließung der Balkanroute brachte für den Arbeitskreis Flüchtlinge in Kierspe eine „bittere Erkenntnis“, sagt Karin Schmid-Essing. „Wir erleben derzeit eine gewisse Entlastung. Doch dafür zahlen die Menschen in Griechenland und anderswo einen hohen Preis.“ 

Große Bedenken in Kierspe über Flüchtlingspläne der EU

Die Uneinigkeit der EU-Mitgliedstaaten im Bezug auf die Flüchtlingshilfe bereite ihr große Bedenken. „Das ist eine nicht abzuschätzende Situation. Europa schaut gerade zu, wie Griechenland mit Flüchtlingen vollgepackt wird. Und es ist auch nicht unproblematisch, dass nun die Türkei die Probleme lösen soll, die rund zwei Millionen Flüchtling mit sich bringen.“ Der nächste „Krisenherd“ sei aus ihrer Sicht zudem bereits in Italien auszumachen, wo demnächst viele Flüchtlinge aus Libyen eintreffen werden. 

Die Hände in den Schoß legen können aber auch die ehrenamtlichen Helfer des Arbeitskreises nicht, sagt Schmid-Essing. „Über die Situation sind wir nicht glücklich. Zwar müssen wir nur noch ab und zu eine Wohnung ausstatten. Doch nun können wir uns um Liegengebliebenes und Betreuung kümmern. Integration bedeutet viele kleine Schritte zu machen. Wir müssen erledigen, was die Asylsuchenden von alleine nicht wissen können.“ 

Arbeitskreis versucht Flüchtlinge schnell in Arbeit zu bekommen

Zu den derzeitigen Aufgaben der Helfer gehören die Anmeldungen zu Deutschkursen, die Hilfe bei Asylverfahren, Probleme mit Ärzten oder der auch der Polizei zu lösen sowie die Befragung der Menschen nach Schulabschlüssen, Berufsausbildungen oder Studienexamen. „Wir versuchen die Menschen, deren Asylantrag anerkannt wurde, schnell in Arbeit zu bekommen“, sagt Schmid-Essing, die trotz der Schließung der Balkan-Route immer noch weitere Helfer für den Arbeitskreis sucht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare