Lange Wartezeiten

Buslinie im MK gestrichen: Mutter von zwei Töchtern klagt über Missstände

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Die Fahrer der Linie 82 sollen am Kiersper ZOB auf die 58 warten, damit eine Anbindung nach Kierspe-Dorf, unter anderem auch für Schüler der Freien Schule, gewährleistet ist.

Kierspe - „Ich bin nicht bereit, das hinzunehmen“, macht Yvonne Schuler-Scholz deutlich, dass ihre beiden Töchter Greta (sieben Jahre) und Emma (neun Jahre) nur mit sehr langen Wartezeiten von der Freien Schule nach Hause kommen.

Die Ursache ist der Wegfall der Buslinie 59 seit Beginn dieses Monats. Was insbesondere zur Mittagszeit überfüllte Busse der Linie 58 und 82 zur Folge hat. Die Kiersper Mutter erzählt ein Beispiel: Ihre beiden Töchter steigen um 14.24 Uhr in die Linie 58, die aber erst um 14.28 Uhr in den Erlen anhält und folglich die Ankunftszeit um 14.28 Uhr am ZOB – dort müssen die Kinder in die Linie 82 umsteigen – nicht einhalten kann, weil sie zwei Minuten später ankommt. „Dann ist die 82 weg“, beschreibt Schuler-Scholz das große Manko.

Es passiert ebenfalls, dass der Bus der Linie 82 „die Türen nicht aufbekommt, weil er so voll ist“. Dann würden Greta und Emma am ZOB stehen bleiben, auf den nächsten Bus warten müssen. Es sei ebenfalls schon passiert, dass die Buslinie gar nicht an der Haltestelle Freie Schule angehalten hat, die Kinder dort stehen bleiben, auf den nächsten Bus warten müssen. In der Offenen Ganztagsschule ist dies zumindest an vier Tagen der Woche möglich, die Schüler können in der Freien Schule betreut werden.

Nicht jedoch am Freitag, dann schließt die OGS um 14 Uhr. Der Bus fährt erst 24 Minuten später – und wenn er dann voll ist? Die berufstätige Mutter hat an dem Freitag ihre sieben- und neunjährigen Töchter mit dem Auto abgeholt. Aber das sei nur selten möglich. Yvonne Schuler-Scholz erinnert in diesem Zusammenhang an die Kritik an den „Hubschrauber-Eltern“, die ihre Kinder ständig zur Schule bringen und abholen. Sicherlich nicht unberechtigt, aber die auch aus Klimaschutzgründen geforderte Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs sei unter diesen Umständen nicht möglich.

So weiß die Kiersperin auch von Schülern aus Lüdenscheid-Brügge und Schalksmühle, die gar nicht mehr nach Brügge kommen, weil der Bus vorher nach Lüdenscheid abbiegt. Und mit dem Zug fahren? Dann müssten die Schüler erst zum ZOB in Kierspe – und würden vor den gleichen Problemen stehen wie Greta und Emma. „Und ich rede hier nicht von Jugendlichen, bei denen die Sache noch ganz anders aussieht“, betont Yvonne Schuler-Scholz, „ich rede hier von Kindern im ersten bis vierten Schuljahr“.

Letztlich ist dies auch einer der Gründe, warum sie nun das Gespräch mit Bürgermeister Frank Emde sucht. Sie würde ihr Anliegen auch der MVG oder dem Märkischen Kreis vortragen und dabei ihre Töchter mitnehmen, um zu beweisen, dass es sich um kleine Kinder handelt. Schuler-Scholz hofft zumindest, dass die Märkische Verkehrsgesellschaft auf diesen Missstand reagiert und zu den Hauptverkehrszeiten größere Busse einsetzt.

Für Heiko Kositzki, Geschäftsführer der Freien Schule, ist dies ein lange bekanntes Problem – und letztlich ein Politikum, das nicht bei der MVG, sondern von Politikern entschieden würde. Um Geld zu sparen, sei die Linie 59 eingestellt worden. Für die Freien Schule bedeute dies eine indirekte Preissteigerung: Die Kosten, die für die Schülerbeförderung gezahlt werden müssten, blieben konstant, die Leistungen würden geringer. Für Kositzki und seine Kolleginnen und Kollegen der Freien Schule ist es aber nichts Neues, dass es immer wieder Probleme mit der Beförderung der Schüler zur Schule oder nach Hause gibt.

Da seien auch schon einmal Taxis eingesetzt oder Schüler seien abgeholt worden. Vonseiten der Freien Schule könne man zwar gewährleisten, dass noch jemand nach Schulschluss im Haus ist, um Aufsicht über Kinder zu führen, die vom Bus nicht mitgenommen wurden. Doch habe man beispielsweise keine Einflussnahme, wenn Kinder am ZOB warten müssten. „Wir können nur hoffen, dass keinem etwas passiert“, weiß der Geschäftsführer, dass der Weg zur Freien Schule kein sicherer ist und bislang auch nicht sicherer geworden ist.

„Wir werden das Ganze noch einmal pushen“, betont Jochen Sulies, Pressesprecher der MVG. Dabei will er weder Fehlverhalten der Fahrer noch Verspätungen leugnen. Denn es könne sein, dass der Fahrer keine Kinder auf dem Hof der Freien Schule stehen sieht und deshalb durchfährt. Ebenso müsste der Fahrer bei Verspätungen von fünf Minuten eigentlich die Leitstelle informieren, die wiederum dann die Fahrer der Anschlussbusse anweist, zu warten. „Die 82 muss warten, es kann nicht sein, dass Schulkinder stehen bleiben“, sagt Sulies unmissverständlich.

Dies gelte aber ebenso für alle andere Kunden der MVG. Die Fahrer würden auf dieses Thema noch einmal besonders hingewiesen, es könnte ja auch einmal die eigenen Kinder oder Familienangehörige betreffen. Nicht bekannt ist den zuständigen MVG-Stellen, insbesondere der Schulbetreuung, ob wirklich Schüler am ZOB stehen bleiben, weil der Bus zu voll ist. Wenn dies passiere, solle man sich am besten ans Service-Center der MVG wenden – mit den genauen Daten, also Tag und Abfahrtszeit, sagt Jochen Sulies.

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