Heimatverein zeigt außergewöhnliche Ausstellung

Museum präsentiert „Schätze vom Dachboden“

Silvia Baukloh und Marlen Vedder (rechts) haben die Ausstellung im Fritz-Linde-Museum vorbereitet. Bei der Vorstellung präsentierten sie auch zwei der Nachthemden, die zu den Exponaten gehören.
+
Silvia Baukloh und Marlen Vedder (rechts) haben die Ausstellung im Fritz-Linde-Museum vorbereitet. Bei der Vorstellung präsentierten sie auch zwei der Nachthemden, die zu den Exponaten gehören.

Zeugnisse einer gar nicht so lange vergangenen Zeit schlummern wohl auf vielen Dachböden. Zeitungen, die heute Morgen noch aktuell waren, sind morgen schon Geschichte – und in ein paar Jahren wertvolle Quellen. Aber auch Mode, Spielzeug und bewusst aufgehobene Erinnerungsstücke geben Einblick in das Leben einer anderen Zeit – und wecken bei dem ein oder anderen Besucher auch Erinnerungen.

Kierspe - Im Rahmen der Ausstellung „Prüötteln vam Hahnejacken“ (Sachen vom Dachboden) werden sicher Erinnerungen wach und manches Ausstellungsstück verblüfft sicher auch. Die Autorin und Lehrerin Anni Wienbruch ist schon 44 Jahre verstorben, doch ihr Koffer mit Holzbeschlägen steht reisefertig im Museum, daneben eine alte Schreibmaschine. Gegenüber auf einem Tisch in Ständern warten Zeitungsartikel und Zeitschriften auf Leser. Da gibt es die Kierspe-Rönsahler Zeitung von 1928, die Todesanzeigen zum Versterben Fritz Lindes von 1935 und eine Illustrierte, die an den Besuch Kennedys in Berlin erinnert. Und wer sich ein wenig bilden möchte, wird bei den alten Sachbüchern, die gleich daneben liegen, fündig. „Das Rüstzeug“ nennt sich eines der dünneren Exemplare, das Unterrichtsbilder für das erste Schuljahr vermittelt, oder besser vermittelte, denn das Buch stammt aus dem Jahr 1951.

Der Verbandkasten stammt aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Aber auch Kinderspielzeug wie ein Puppenkleiderschrank oder eine Welesco-Dampfmaschine warten auf Besucher. Und falls sich beim Betrachten und Betasten des alten Bestecks jemand schneidet, ist das kein Problem, denn ein Verbandkasten steht griffbereit – allerdings stammt dieser aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Anstecknadeln und Orden aus der Zeit des darauffolgenden Weltkriegs finden sich auch, zum Teil mit sauber entferntem Hakenkreuz. Dieses Symbol der nationalsozialistischen Herrschaft hat auch ein Besitzer aus dem Einband einer Zeitschrift gerissen – er wird gewusst haben, warum.

Zusammengetragen wurde all das, was nun an zwei Tagen präsentiert wird, von den Dachböden der Heimatvereinsmitglieder Marlen Vedder und Silvia Baukloh, die sich seit vielen Jahren liebevoll um das Fritz-Linde-Museum kümmern, in dessen Obergeschoss weitere Exponate lagerten, die nun gezeigt werden. „Wir wollen mit der Ausstellung zeigen, dass es sich lohnt, Sachen aufzuheben“, sagt Silvia Baukloh. Und denen, die historische Besitztümer mit einem Bezug zu Kierspe haben, aber nicht archivieren oder sammeln möchten, sagt Baukloh, dass der Heimatverein ein dankbarer Abnehmer ist. „Wenn wir auch längst nicht alles nehmen können, vor allem keine Großgeräte, da wir ja kein klassisches Heimatmuseum haben“, so Baukloh.

Marlen Vedder erklärt, wie es überhaupt zu der Ausstellung kam: „Es musste vor allem schnell gehen, da wir keine lange Vorbereitungszeit hatten und auch nicht wissen, wie lange solche Veranstaltungen mit Besuchern in diesem Jahr überhaupt möglich sind.“

Ein Teil der Ausstellungsstücke befand sich bereits im Museum und stammte von den Vorbesitzern – beispielsweise das Besteck.

Dass es schnell gehen musste, sieht man der kleinen Schau am Höferhof allerdings nicht an. Was man aber sieht, ist, dass mit Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Auch beim Weihnachtsbaumschmuck. Dieser wird nicht an einer kleinen grünen Tanne präsentiert, sondern an einem abgestorbenen Bäumchen – passend zum Waldsterben im heimischen Forst.

Und auch wenn der Baum tot ist, die meisten Ausstellungsstücke erzählen vom Leben, vom Leben der Menschen, die die Sammeltassen einst kauften, die ihre Aussteuer liebevoll bedruckten oder mit ihren Initialen bestickten. Die Kaffeekanne in ihrer Isolierung steht griffbereit neben der Mühle und der Backform.

Da passt es auch gut, dass die Besucher der ersten Ausstellung im Linde-Museum seit 2019 im Anschluss an ihren Besuch Kaffee trinken und Kuchen essen können. Gebacken, wie immer, von den Frauen des Heimatvereins

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Prüötteln vam Hahnejacken“ (Sachen vom Dachboden) im Fritz-Linde-Museum am Höferhof kann am Sonntag, 25. Juli, von 13 bis 18 Uhr und am Dienstag, 3. August, von 15 bis 18 Uhr besucht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare