Forderung der Unfallkasse NRW 

Müllwagen sollen nicht mehr rückwärts fahren - in Kierspe geht es aber manchmal nicht anders

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Es gibt in Kierspe einige Straßen, auf denen die Fahrzeuge des Entsorgungsunternehmens Lobbe rückwärts fahren müssen, weil beispielsweise keine Möglichkeiten zum Wenden auf zugeparkten Wendehämmern bestehen.

Kierspe - August 2016: „Frau (96) bei der Rückwärtsfahrt vom Müllwagen überrollt – sie saß vermutlich auf ihrem Rollator am Straßenrand.“ Mai 2016: „Müllwerker (39) gerät unter zurücksetzendem Müllfahrzeug und stirbt.“ Juni 2016: „Verkehrsunfall durch Müllfahrzeug. Der Müllfahrzeugfahrer musste aufgrund mangelnder Wendemöglichkeiten rückwärts aus einer Sackgasse ausfahren und übersah dabei die hinter ihm befindliche Pkw-Fahrerin, Sachschaden.“

Mit diesen Horrormeldungen macht die Unfallkasse NRW auf die Gefahr beim Rückwärtsfahren von Abfallentsorgungsfahrzeugen aufmerksam, möchte dies am liebsten ganz unterbinden, zumindest aber deutlich einschränken. Müllfahrzeuge sollten maximal 150 Meter rückwärts fahren, dies nur mithilfe eines Einweisers und dem Einsatz von Kamera-Monitor-Systemen, die nach Möglichkeit sich auch den Lichtverhältnissen anpassen können.

Zudem sollten die Touren ohne Rückwärtsfahrten geplant, stets ein Abstand zu abgestellten Fahrzeugen und festen Einrichtungen von mindestens 50 Zentimetern – Müllfahrzeuge sind etwa 2,6 Meter breit – eingehalten werden, die Sicht durch die Rückspiegel nicht behindert sein und sich keine Personen im Gefahrenbereich des Fahrzeugs aufhalten – so heißt es vonseiten der Unfallkasse NRW. Die Folge: In einigen Kommunen, wie zum Beispiel in Hamm, werden die Bürger aufgefordert, ihre Mülltonnen zu einem Sammelpunkt zu ziehen.

Die Bürger helfen in Kierspe mit

In Kierspe ist das nur – mit den betroffenen Bürgern abgesprochen – bei der gelben Tonne der Fall, die von allen jeweils an die Straße gestellt werden müssen. Die Anwohner der Stichstraßen Zur schönen Aussicht, Am Wiesenrain, Zu den Kleingärten, Schlehen- sowie Wacholderweg ziehen die gelben Tonnen zur Thingslindestraße, weil es in den kleinen Straßen keine Wendemöglichkeiten gibt. Grüne und schwarze Tonnen werden von den Müllwerkern dorthin gezogen.

Es gebe aber auch Situationen, weiß Klaus Müller, bei der Stadtverwaltung für die Abfallentsorgung zuständig, bei denen beispielsweise Wendehämmer zugeparkt sind, ein Wenden nicht möglich ist. Dann seien Rückwärtsfahrten unumgänglich. Vereinzelt gebe es solche Rückwärtsfahrten, bestätigt Sabine Günther, beim Entsorgungsunternehmen Lobbe für die Pressearbeit zuständig.

Dabei würden die Fahrer nicht nur durch die zur Verfügung stehende Technik (Assistenzsysteme) unterstützt, vielmehr liege die Priorität auf einem Einweiser. „Unsere Fahrer berichten von positiven Ergebnissen mit diesen Assistenzsystemen“, fügt Günther hinzu. Es gibt also nicht nur eine Kamera mit Monitor im Führerhaus, sondern sogenannte Rückraumüberwachungssysteme, die mithilfe von bis zu sechs Sensoren die Entfernung von Gegenständen hinter dem Fahrzeug messen und den Fahrer durch ein akustisches Signal warnen.

Sogenannte Assistenzsystem unterstützen die Müllwagenfahrer beim Rückwärtsfahren.

Das System mit schnellen Ansprechzeiten werde beim Einlegen des Rückwärtsgangs aktiviert, warne den Fahrer bei einer Geschwindigkeit von 9 km/h und schneller durch Pulsieren der Bremsen und bremse das Fahrzeug automatisch ab, wenn ein Hindernis in den eingestellten Nahbereich hinter dem Wagen kommt. Dies gelte sowohl für feststehende als auch bewegliche Hindernisse hinter dem Müllauto.

Zudem, so die Pressesprecherin weiter, würde es aber auch Bürger geben, welche die Abfallbehälter an eine Straßenseite stellen, um das Rückwärtsfahren zu verhindern. In Kierspe gebe es derzeit keinen größeren Handlungsbedarf, um beispielsweise neue Sammelorte einzurichten oder andere Maßnahmen zu ergreifen – unabhängig davon, dass die verschärften Vorschriften der Unfallkasse NRW noch nicht gelten. Und an Unfälle in Kierspe, die beim Rückwärtsfahren der Müllfahrzeuge passiert sind, kann sich Klaus Müller nicht erinnern und er zeichnet schon etliche Jahre für die Abfallentsorgung verantwortlich.

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