Nötigung: Drei Monate Haft auf Bewährung

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Symbolfoto

Kierspe - Abgefüllt mit Drogen und gezeichnet von drei schlaflosen Nächten trieb sich ein 32-jähriger Mann am 10. Mai in der Nähe der Gesamtschule Kierspe herum. Enthemmt und aller normalen Schutzmechanismen des Schamgefühls beraubt, belästigte er morgens gegen 7.30 Uhr eine ihm völlig unbekannte 15-jährige Schülerin mit offensiv vorgetragenen Wünschen nach Sex.

Das verstörte Mädchen riss sich los und holte einen Lehrer zur Unterstützung aus der Schule. Der Täter war verschwunden, konnte jedoch später ermittelt werden. Aus einem Missverständnis heraus musste er sich im Amtsgericht Lüdenscheid auch wegen einer exhibitionistischen Handlung verantworten.

Blankgezogen hatte er aber glücklicherweise nicht – wohl aber die Konturen seiner außer Fassung geratenen Männlichkeit durch das Hochziehen seiner Jogginghose in schamverletzender Weise akzentuiert. Interessanterweise ist das kein Straftatbestand – genauso wenig wie sein verbal vorgetragener Wunsch, mit dem Opfer in ein benachbartes Wäldchen zu gehen.

Das Schöffengericht sah es aber nach der Aussage des Mädchens als erwiesen an, dass der Angeklagte das Recht der 15-Jährigen auf einen freien Schulweg durch ein kurzes Festhalten eingeschränkt und sich dadurch einer Nötigung schuldig gemacht hatte.

Der Angeklagte habe ihre Jacke im Griff gehabt und sie kurz festgehalten, erinnerte sich die vom Ereignis erschreckte Zeugin an jenes kleine Detail, das als einziges für eine Verurteilung in Frage kam.

Der vielfach vorbestrafte und unter Bewährungsaufsicht stehende Mann hatte es vor allem seiner schwangeren Freundin zu verdanken, dass das Schöffengericht die wegen Nötigung verhängte Haftstrafe von drei Monaten nochmals zur Bewährung aussetzte.

Er hatte behauptet, das Mädchen lediglich angetippt zu haben, um mit ihr zu sprechen. Umso beredter war er hinsichtlich der von ihm zugegebenen Sprüche. Wo andere Straftäter es aufgrund der Peinlichkeit des Geschehens vorziehen, lediglich eine Erklärung über ihren Anwalt abgeben zu lassen, wiederholte der 32-Jährige die verbalen Entgleisungen jenes Morgens.

Amphetamine und Alkohol hätten ihm in einer Weise die Zunge gelöst, die unter normalen Bedingungen nicht denkbar wäre, versicherte er. Nach einem zweiten Losreißen des Mädchens habe er sich entfernt und sich geschämt, sagte er aus. Mittlerweile ist der Angeklagte nach Süddeutschland verzogen.

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