EC-Karte der Ex-Freundin benutzt - 22-Jähriger verurteilt

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Symbolbild

Kierspe - Schöffengericht, Staatsanwältin und Verteidiger Friedhelm Wolf waren versammelt, doch es fehlte der 22-jährige Angeklagte aus Kierspe. Die Polizei wurde tätig und fündig und kündigte die Anlieferung des Angeklagten an – „geschnürt und gebündelt“.

Und so konnte mit 90-minütiger Verspätung doch noch verhandelt werden. „Wo waren Sie denn gerade?“, wollte Richter Andreas Lyra von ihm wissen. „Ehrlich gesagt: Ich habe die Post nicht aufgemacht und wusste nichts von dem Termin“, erklärte der Angeklagte. Und so ging es fortan um einen massiven Vertrauensbruch und 33 Straftaten. Seine Ex-Freundin hatte ihre Geldbörse in seinem Auto vergessen – mitsamt ihrer EC-Karte.

Das Portmonee gab er zurück, die Karte nicht. Die sei irgendwie hinter’s Handschuhfach gerutscht log er und nutzte die Karte fortan, um im Februar und März 2018 immer wieder Beträge zwischen 35 und 1000 Euro abzuheben und für sich zu verwenden. Die Abhebungen summierten sich auf 4900 Euro. Dazu kamen weitere Bestellungen, die er über die Karte abwickelte.

"Musste irgendwie an Geld kommen"

Von einem Zivilrichter wurden der Betrogenen mehr als 10 000 Euro zugesprochen. Vor dem Strafgericht ging es zugunsten der Übersichtlichkeit aber nur um die direkten Abhebungen. „Ich gestehe das ein – ja, es war so“, legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab und erklärte seinen als „gewerbsmäßig“ klassifizierten Computerbetrug: „Ich war damals arbeitslos und musste irgendwie an Geld kommen.“

Und so begannen die Abhebungen kurz nach der Trennung des Pärchens im Januar 2018. „Die PIN-Nummer hatte sie mir gegeben, als ich mal Geld für sie abholen sollte.“ Aufgrund des umfassenden Geständnisses musste die Zeugin nicht aussagen. Ihre Anwesenheit gab dem Angeklagten aber Gelegenheit, sich bei ihr zu entschuldigen. Auf diese Idee kam er aber erst nach einer entsprechenden Nachfrage von Richter Andreas Lyra.

Klares Geständnis

Und so sprach der 22-Jährige von missbrauchtem Vertrauen und quälte sich zu einem „Es tut mir leid.“ Aufgrund des reichen Fotomaterials von Überwachungskameras war die Beweislage gut. Der Angeklagte hätte allenfalls behaupten können, dass er die Abhebungen mit ihrem Einverständnis getätigt hatte. Davon war aber keine Rede. Das Schöffengericht hielt ihm das klare Geständnis zugute und stellte dem nicht vorbestraften jungen Mann eine positive Sozialprognose.

Es verurteilte den 22-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs in 33 Fällen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Da er inzwischen wieder Arbeit hat, kann er den Schaden wiedergutmachen: Als Bewährungsauflage wurden ihm monatliche Zahlungen von 200 Euro auferlegt. Ausstehende Beträge über 4900 Euro muss seine Ex-Freundin allerdings auf anderen Wegen eintreiben.

Richter Andreas Lyra sprach in seiner Urteilsbegründung von einem erheblichen Vertrauensbruch, der dem Angeklagten allerdings auch leicht gemacht worden sei, weil die Ex-Freundin ihre EC-Karte nicht sofort hatte sperren lassen. „Sie haben auf ihre Kosten gelebt“, warf er dem Angeklagten vor.

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