Moderne Krippenspiele in Kiersper Gotteshäusern

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In St. Josef spielten die Kinder ein modernes Krippenspiel, in dem es um den Umgang der Menschen untereinander ging. –

KIERSPE – Eine weiße Weihnacht gab es in diesem Jahr nicht. Nach dem vielen Schnee im vergangenen Jahr dürfte allerdings so mancher darüber froh gewesen sein. Zumal dadurch der Weg in die Gotteshäuser an Heiligabend nicht so beschwerlich war und die Krippenspiele am Nachmittag in der Christuskirche und der Kirche St. Josef sowie die Christmetten sehr gut besucht wurden. Von Gertrud Goldbach

Für die Krippenspiele hatten die Kinder in den vergangenen Wochen eifrig geprobt. 38 Mädchen und Jungen führten in der Christuskirche „In geheimer Mission nach Bethlehem“ auf: Das Spiel handelte von einem Detektiv, der im Auftrag von König Herodes herausfinden sollte, ob Jesus tatsächlich geboren worden ist. Herodes hatte von den drei Weisen erfahren, dass ein neuer König geboren werden sollte und bangte daraufhin um seinen Thron. Da die drei Weisen nicht zu ihm zurückkamen, schickt er nun seinen königlichen Haus- und Hofdetektiv mit seinem Gehilfen und einem Diener los.

Das Spiel beginnt zu dem Zeitpunkt, als die eigentliche Weihnachtsgeschichte endet. Der Detektiv begegnet den Personen der Weihnachtsgeschichte und versucht von ihnen zu erfahren, was geschehen ist. Auf die richtige Spur kommt er durch den Hinweis von den Hofmäusen, die als Entgelt zeitlebens mit königlichen Speck und Käse versorgt werden wollen.

Viele der Mädchen und Jungen machten bereits zum wiederholten Mal bei dem Krippenspiel mit, aber für einige war es eine „Premiere“. In der Christuskirche ist es eine lange Tradition, Krippenspiele an Heiligabend aufzuführen. Jutta Betzendörfer-Fröhlich vom Kindergottesdienst-Team sah zu Beginn des Familiengottesdienstes viele Erwachsene, die als Kinder selbst vorne gestanden haben und deren Nachwuchs nun in die Fußstapfen der Eltern getreten ist.

Auch in St. Josef gab es ein modernes Krippenspiel zu sehen. Hier ging es am Beispiel eines Chefs darum, dass die Menschen einen guten Umgang untereinander pflegen sollten. Dies gelang dem Chef in dem Krippenspiel nicht so recht: Denn er wollte, dass sein Angestellter den Schaden, den er angerichtet hatte, von seinem Lohn bezahlt, obwohl dieser ohnehin schon sehr wenig Geld bei ihm verdiente. Einstudiert hatte das Spiel Jessica Kurzawski mit neun Kindern aus der Gemeinde.

Auch Christmette in St. Josef sehr gut besucht

Bei der Christmette am Abend in St. Josef war es schwierig, noch einen Sitzplatz zu bekommen. Die Kirche war leicht ins Dunkle getaucht, besonders hell hingegen leuchteten die Weihnachtsbäume im Altarraum. Der Singekreis gestaltete die Christmette musikalisch, ließ der Gemeinde aber noch genügend Möglichkeiten, bekannte Weihnachtslieder selbst anzustimmen.

Beinahe hätten die Gottesdienstbesucher die kürzeste Weihnachtspredigt ihres Lebens zu hören bekommen. „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“, begann Pastor Gregor Myrda mit einem Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein. „Wenn Wittgenstein Recht hätte, müsste ich jetzt aufhören, ,Amen‘ sagen und gehen.“ Er tat es jedoch nicht und zitierte den Heiligen Augustinus, der den Rat gab: „Erklären können wir’s nicht, schweigen aber dürfen wir nicht, also lasst uns singen.“

„Alles andere als süßlich und kitschig sind unsere Weihnachtslieder. Es sind Protestlieder gegen Hass und Krieg, sie machen uns Mut zum Träumen, aus dem dann Kraft zum Handeln erwachsen kann. Als der Vater des Alten Fritz in Preußen das fröhliche Singen in den Weihnachtsgottesdiensten per Dekret verbieten und durch würdevolle Predigten ersetzen wollte, erlitt er Schiffbruch“, berichtete Pastor Myrda. „In den Gemeinden, in denen sich die Pfarrer an das Dekret hielten, wurden sie von ihren Gemeinden einfach niedergesungen. Bevor mir das passiert, höre ich auf“, beendete Pastor Gregor Myrda seine Predigt. „Denn erklären können wir’s nicht, schweigen aber dürfen wir nicht – also lasst uns singen!“

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