"Für das Herz zuständig" - Mitarbeiter des Sozialen Dienstes berichten 

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Katharina Corona, Birgit Hoffmann-Gruba, Karin Kleiner (von links) standen fürs Gespräch mit der MZ bereit.

Kierspe - „Wir sind für das Herz zuständig“, sagt Katharina Corona, um den Arbeitsschwerpunkt des Sozialen Dienstes zu beschreiben. Ihre Chefin Birgit Hoffmann-Gruba spricht von Event-Managern und Karin Kleiner sagt: „Wir sorgen für Abwechslung.“

Von wegen nur satt und sauber. Mit viel Engagement sorgt der Soziale Dienst in Seniorenheimen dafür, dass die Menschen viel mehr erfahren, als „nur“ Pflege und warmes Essen. Die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes feiern mit den Bewohnern, organisieren Feste, unterbreiten Einzel- und Gruppenangebote, Begleiten beim Einkaufen – aber auch beim Sterben. Die Frauen und Männer geben dem Alltag der Bewohner Struktur und sorgen gleichzeitig für Abwechslung.

„Wir versuchen herauszufinden, über welche Fähigkeiten die Bewohner noch verfügen. Da setzen wir an und fördern diese“, erzählt Karin Kleiner. Sie gehört zu dem zehnköpfigen Team des Sozialen Dienstes der Seniorenresidenz und sie gehört mit ihrer Kollegin Katharina Corona und ihrer Chefin Birgit Hoffmann-Gruba zu den Dreien, die mit der MZ über ihre Arbeit sprechen.

Die Zeit vor Weihnachten ist auch in der Residenz eine besondere. „Die Bewohner sind dann oft traurig und in sich gekehrt. Da kommen viele Erinnerungen hoch“, sagt Kleiner. Sie erzählt von einer Bewohnerin, die gar nicht über Weihnachten reden möchte. Aber allein das herauszufinden war für die Mitarbeiter der Residenz schon ein hartes Stück Arbeit. „Viele sind gerade anfangs sehr verschlossen, da muss man dann auch schon mal was von sich preisgeben, damit die Bewohner auch etwas erzählen“, sagt Corona. Denn Informationen sind das wichtigste Werkzeug des Sozialen Dienstes. Nur so können sie auf jeden Bewohner gezielt eingehen.

Gerade einmal 12 bis 15 Minuten individuelle Ansprache sieht der Gesetzgeber für diese Arbeit vor. „Zum Glück sind wir personell so gut aufgestellt, dass wir deutlich mehr Zeit haben“, berichtet Hoffmann-Gruba, wobei auch sie weiß, dass es Grenzen gibt. Was alles möglich wird, zeigt sich bei Ralf Haruba. Der Bewohner lag nahezu unbeweglich nach einer schweren Erkrankung im Bett. Sein Wunsch und Ziel war es, wenigstens wieder einen Arm zu bewegen. Heute geht er am Rollator durch die Gänge und steigt selbstständig wieder Treppen. Zu verdanken hat er das sicher auch seinem eisernen Willen, doch vor allem Katharina Corona. Als gelernte Gymnastiklehrerin brachte sie auch alles mit, was für eine solche Mobilisierung notwendig ist. Das ist auch ein Erfolgsgeheimnis des Sozialen Dienstes. Denn die Zugangsvoraussetzungen sind vielfältig, wobei Menschen aus Pflegeberufen, Ergotherapeuten oder Sozialarbeiter bevorzugt werden. Doch es gibt auch den Einstieg über den Betreuungsassistenten. Über diese Fortbildung ist es möglich, mit nahezu jedem beruflichen Hintergrund in den Job einzusteigen.

Auch das gemeinsame Spiel mit den Bewohnern gehört zum Alltag des Sozialen Dienstes – für Chefin Birgit Hofmann-Gruba ist es aber eher die Ausnahme.

Hoffmann-Gruba ist genauso vor fünf Jahren zum Sozialen Dienst gekommen, hat sich dann aber noch weitergebildet und im vergangenen die Leitung der Abteilung übernommen. „Am wichtigsten ist, dass die Menschen, die hier arbeiten, empathisch sind“, sagt die Chefin.

Wie zufällig die Wege in den Dienst sind, zeigt sich auch am Werdegang von Karin Kleiner. Die Kiersperin ist seit Eröffnung der Residenz im Jahr 2011 dort beschäftigt. Angefangen hat sie in ihrem erlernten Beruf als Altenpflegerin. Doch mit dem Alter kamen Beschwerden, die ein dauerhaftes Arbeiten in dem Beruf verhindert hätten. „Ich brauchte Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, nicht mehr in der Pflege zu arbeiten“, erinnert sie sich. Doch bereut hat sie die Entscheidung für den Wechsel nie: „Das Arbeitstempo ist jetzt ein ganz anderes. Der Tag ist nicht mehr so getaktet. Jetzt habe ich viel mehr Zeit für den einzelnen Bewohner. Aber man ist auch viel intensiver an den Menschen.“

Dass das nicht immer leicht ist, wird immer dann klar, wenn ein Bewohner, der den Mitgliedern des Sozialen Dienstes besonders am Herzen liegt, stirbt. Oft sind sie es auch, die Menschen auf diesem letzten Weg begleiten. „Außenstehende stellen sich das immer schwerer vor, als es ist. Wir wahren bei aller Nähe, die wir geben und leben, auch immer professionelle Distanz. Und wenn es doch einmal zu viel wird, dann fängt das Team mich auf“, erzählt Corona.

Übereinstimmend berichten die drei, dass vor allem die Menschen, die neu in die Einrichtung kommen, am meisten Betreuung und Hilfe benötigen. „Die müssen sich an vieles gewöhnen, denn wir greifen ganz schön in ihrer Intimsphäre ein. Es ist eben alles neu für die Bewohner. Und dann die vielen Fragen, das sind einige, die lange alleine wohnten, auch gar nicht mehr gewöhnt“, so Corona. Doch jede Information über den Bewohner hilft, diesem das Leben angenehmer zu machen.

Das Schmücken der vielen Weihnachtsbäume in der Seniorenresidenz ist Aufgabe des Sozialen Dienstes. Hier packt Karin Kleiner mit an.

Das wird auch gerade an den Weihnachtsfeiertagen deutlich. Doch auch jenseits der individuellen Arbeit bestimmt das Fest den Alltag des Sozialen Dienstes. Jeden Tag öffnen sie mit den Bewohnern in den drei Wohngruppen ein Türchen des selbstgestalteten Adventskalenders – dahinter dann ein Gedicht oder ein gemeinsam gesungenes Lied.

Am Nikolaustag haben sie Küchenchef Björn Zenker überredet, den Nikolaus zu spielen und mit den Mitarbeitern des Sozialen Dienstes von Zimmer zu Zimmer zu gehen. Kleiner: „Da freuen sich die Bewohner oft wie Kinder. Das macht auch uns Spaß. Schließlich ist es unsere Aufgabe, den Glanz in die Augen zurückzubringen.“ Das ist ihnen auch am Freitag mit der Weihnachtsfeier gelungen. Dann gab es auch ein individuelles Weihnachtsgeschenk für jeden. „Das wäre aber ohne Unterstützung der Pflegekräfte gar nicht möglich gewesen“, so Hoffmann-Gruba.

Auch in den kommenden Tagen werden etliche Mitglieder des Dienstes im Haus sein, um den Bewohnern zur Seite zu stehen – weil bei vielen kein anderer mehr da ist, der diese Position einnehmen könnte.

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