Kunststofftechnik Lahme: Kontinuierliches Wachstum

Karsten Lahme ist mehr als zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung seines Unternehmens. Seit 2010 sind Mitarbeiterzahl und Umsatz um fast 30 Prozent gewachsen. - Fotos: Becker

Kierspe - Traditionsprodukte sind in der Kunststoffindustrie selten, denn es liegt in der Natur des Werkstoffes, dass er so wandelbar ist, wie kaum ein anderer. Kaum ein Autohersteller verwendet bei einem Modellwechsel alte Bauteile weiter. Und so muss auch der Kiersper Zulieferer Lahme Kunststofftechnik immer wieder Neues produzieren. Doch in einem Bereich läuft seit mehr als 50 Jahren das gleiche Produkt vom Band, beziehungsweise fällt aus der Spritzgussmaschine.

Wohl jeder der schon mal einen Gasgrill, einen Heizpilz oder einen Campingwagen benutzt hat, hat auch ein Lahme-Produkt angefasst, denn seit seinem Bestehen stellt das Unternehmen die roten Schutzkappen der Gasflaschen her, auf denen das „L“ des heimischen Herstellers klar zu erkennen ist.

Es war Karl-Heinz Lahme, der 1963 in einer Scheune in Meinerzhagen-Rinkscheid begann, diese Schutzkappen herzustellen – und auch die Verschlusskappen, die die Anschlüsse der Flüssiggasflaschen schützen.

„Mittlerweile sind das aber überschaubare Stückzahlen“, erzählt Karsten Lahme, der das Unternehmen in der zweiten Generation führt. Mittlerweile hat die Firma aber auch nichts mehr mit dem kleinen Betrieb in der Scheune zu tun. Nach dem Umzug 1973 ins damals noch neue Industriegebiet in Kierspe begann die Expansion der Firma. Ab 1981 stellte man Verschlussdeckel für die Lebensmittelindustrie her – ein Geschäftsbereich, der ebenfalls noch Bestand hat. Durch den Kauf eines Unternehmens stieg man in den 1980er-Jahren auch in die mechanische Bearbeitung von Kunststoffteilen ein. Als dann der Nachbar, die „Ernst Schürfeld jr. GmbH“, durch einen Brand seine Hallen verlor, kaufte Lahme auch dieses Unternehmen – und sicherte sich so Flächen für eine weitere Expansion.

Diese schritt in den folgenden Jahren auch kräftig voran – eine Folge des wirtschaftlichen Erfolgs und des größer werdenden Kundenkreises. Vor allem die Automobilindustrie wurde zu einem immer wichtigeren Partner. Heute finden sich rund 70 Prozent der Produkte in Fahrzeugen wieder.

Um all die Arbeit auch erledigen zu können, ist die Firma gerade in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Allein seit 2010 haben Mitarbeiterzahl und Umsatz um knapp 30 Prozent zugenommen. Insgesamt sind mittlerweile 121 Mitarbeiter für Lahme an der Waldheimstraße tätig. Während in Verwaltung, eigenem Werkzeugbau und der mechanischen Bearbeitung nach einer Schicht Schluss ist, laufen die Spritzgussmaschinen von montags bis samstags rund um die Uhr. Und diesen Maschinen – und natürlich den Menschen, die damit umzugehen wissen – verdankt das Unternehmen auch seinen großen Erfolg. „Es gibt nicht viele Firmen in unserer Branche, die eine solche Bandbreite abdecken können“, erklärt Lahme nicht ohne Stolz. Insgesamt 57 Maschinen stehen in den Hallen – mit Schließkräften zwischen 15 und 13 00 Tonnen. Darauf lassen sich Produkte fertigen, die zwischen weniger als einem Gramm und knapp 3,4 Kilogramm wiegen.

Derzeit werden beispielsweise auf der 13 00-Tonnen-Maschine Teile gefertigt, die sich in jeder Motorhaube des Ford Fiestas finden. 1800 Stück verlassen dabei jeden Tag den Hof des Unternehmens und werden mit einem sogenannten Mega-Liner nach Köln gebracht. An diesen Produkten werden aber auch die Grenzen des Unternehmens deutlich. Denn im Gegensatz zu „Schüttgut“, bei dem Zigtausende Produkte in einen Lkw passen, wird bei den kratzempfindlichen und deshalb sorgfältig verpackten Teilen der Transport zum Kostenfaktor. Aber auch die Auslastung einer Maschine mit solch enormer Schließkraft muss gesichert werden. Läuft in ein paar Monaten der bisherige Fiesta aus, dann steht auch die Maschine, denn das Bauteil für den Nachfolger stellt der bisherige Kunde selbst her.

Auf der Suche nach neuen Kunden wendet sich Lahme auch an seine Wettbewerber, die er freundlich Marktbegleiter nennt. „Es ist sinnlos, in diesem Geschäft nur Konkurrenten zu sehen, denn letztlich sitzen wir alle im gleichen Boot und da nützt eine vernünftige Zusammenarbeit letztlich auch allen“, ist sich Lahme sicher, der aber auch noch ein weiteres Problem der Branche ausgemacht hat – den Facharbeitermangel. So sei man schon seit längerem auf der Suche nach drei Facharbeitern (Werkzeugmacher, Zerspanungsmechaniker und Verfahrensmechaniker). Lahme: „Da gibt es einfach viel zu wenig Bewerber.“

Begegnen will man dieser Situation mit einer stärkeren Ausbildungsquote. Diese soll in wenigen Jahren auf zehn Prozent steigen – von derzeit acht Prozent. „Interessanterweise haben wir so gut wie keine Probleme, diese Plätze zu besetzen. Das Interesse an unserer Ausbildung ist erfreulich groß.“

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