Schlagstock für den Außendienst nicht notwendig

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Während in Großstädten wie beispielsweise Dortmund die Mitarbeiter der Ordnungsbehörde mit Schlagstöcken ausgerüstet werden, reichen in Kierspe meistens Deeskalationsmaßnahmen.

Kierspe - Ärger und Frust sind groß, wenn man zum Auto kommt und sieht ein Knöllchen hinter dem Scheibenwischer klemmen. Manchmal, wenn der- oder diejenige, der oder die das Verwarngeld ausgestellt hat, noch am Fahrzeug steht, mündet der Ärger in eine Diskussion mit der Ordnungsamtskraft, um das Unvermeidliche vielleicht doch noch zu verhindern.

„Doch wir sind nicht auf einem arabischen Basar, wo stets verhandelt wird“, macht Oliver Knuf, Leiter des Sachgebiets Ordnung und Umwelt, deutlich, dass Verstöße gegen Gesetze und Vorschriften nicht ignoriert werden können. „Sonst würden wir Rechtsbeugung begehen!“ Aber auch wenn solche Diskussionen manchmal in Pöbeleien oder gar Beleidigungen ausarten – dies gebe es eigentlich schon immer, ebenso, dass es manchmal unter die Gürtellinie geht – , körperlich angegangen wurde in Kierspe bislang keiner der Ordnungsamtsmitarbeiter, zumindest solange sich Knuf zurückerinnern kann. 

Daher sei ein Aufrüsten der Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen mit Schlagstöcken – so, wie es beispielsweise aktuell in Dortmund geschieht und in anderen Großstädten wie in Wuppertal schon seit Jahren üblich ist – nicht notwendig. „Unsere Mitarbeiter sind nur mit einer großen Taschenlampe ausgerüstet“, erklärt Knuf, „und wir sind immer deeskalierend unterwegs“. Wenn jemand zu renitent werde und Worte nicht mehr helfen würden, „ziehen wir uns zurück“. 

Das gilt nicht nur bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs, sondern ebenso für die anderen Aufgaben im Außendienst. Dazu zählen die regelmäßigen Kontrollen und Überprüfungen der Gaststätten – Einhaltung des Jugendschutzes, der Öffnungs- und Schließungszeiten, der ordnungsgemäße Betrieb zugelassener Spielautomaten – und alle ordnungsrechtlichen Ermittlungen in den Bereichen Umweltverschmutzung, Verkehr- und Baumaßnahmen sowie ordnungsgemäße Plakatierung. 

Ebenso sind ab und zu Meldedaten wie Wohnort feststellen, auch bei Anfragen aus anderen Städten, zu überprüfen und zu verifizieren. So konnte beispielsweise der Fahrer eines Wagens mit polnischem Kennzeichen, der beim Kiersper Schützenfest im absoluten Park- und Halteverbot stand, ermittelt werden. Dies funktioniere aufgrund der guten Zusammenarbeit mit Ländern wie beispielsweise Polen und der Schweiz, mit anderen Staaten sei es schwieriger. 

Während die zuletzt genannten Aufgaben zumeist alleine durchgeführt werden können, laufen Einsätze in den Abend- oder Nachtstunden stets zu zweit oder dritt. Und wenn vorher die Klientel bekannt ist, werde auch die Polizei gleich hinzugezogen – was in anderen Fällen auch nachträglich geschehen könne. 

Auch vom Sicherheitsdienst – seit zwei Jahren ist der MK-Wirtschaftsdienst an Wochenenden in Kierspe unterwegs – weiß Oliver Knuf, dass sie weder Schlagstock noch Reizgas oder andere Waffen verwenden. Denn diese haben nicht die Befugnisse der Ordnungsbehörde. „Sie nutzen höchstens mal Handschuhe, weil sie jemand bis zum Eintreffen der Polizei festhalten müssen“, erläutert der Sachgebietsleiter, oder würden Platzverweise erteilen. Auf dem Land gehe es im Gegensatz zu den Großstädten noch deutlich friedlicher zu. 

Zu den eher ungewöhnlichen Ordnungswidrigkeitsverfahren, die von den Mitarbeitern des Kiersper Ordnungsamts eingeleitet beziehungsweise durchgeführt werden mussten, zählt eines wegen Rauchens in einer Gaststätte. Bei einer Kontrolle waren Wirt und Gäste der Kneipe sozusagen in flagranti beim Rauchen – was bekanntlich in öffentlichen Gebäuden verboten ist – erwischt worden. Dies sei aber ein Einzelfall, in anderen Gaststätten würden die Raucher stets nach draußen gehen. Spezielle Raucher-Ecken gebe es aber nicht; ein Vordach oder auch schon mal ein großer Schirm biete Schutz gegen Regen. 

Zu den eher alltäglichen Dingen zählt die Kontrolle, ob Verkehrszeichen sichtbar und nicht verdreht oder demoliert sind, und die Überprüfung der Plakatierungszeiten. 

Werden diese nicht eingehalten, holt man die Plakate herunter und stellt dies in Rechnung – und dies alles mit knappen Personal.

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