Mit Moritz Mischke übernimmt ein Profi die Schreinerei Schriever

Neuer Chef in altem Unternehmen

Martin Schriever und Katrin Schriever (Paar rechts) werden sich zukünftig um das Bestattungsunternehmen kümmern. Die Schreinerei übernimmt Moritz Mischke, der von seiner Lebensgefährtin Ina Kebben unterstützt wird.
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Martin Schriever und Katrin Schriever (Paar rechts) werden sich zukünftig um das Bestattungsunternehmen kümmern. Die Schreinerei übernimmt Moritz Mischke, der von seiner Lebensgefährtin Ina Kebben unterstützt wird.

Alles ändert sich, für den Kunden aber möglichst wenig. So soll es sein, wenn am 1. Juli Moritz Mischke die Schreinerei von Martin Schriever übernimmt. Vorausgegangen ist ein jahrelanger Denk- und Entscheidungsprozess, dessen Ergebnis durch die Coronapandemie auch noch einmal einen Aufschub bekommen hatte.

Kierspe - Marin Schriever hätte sich gut vorstellen können, sein Unternehmen an einen seiner Söhne weitergeben zu können, der dann den Betrieb in sechster Generation fortgeführt hätte. Doch die Pläne der Kinder waren und sind andere – und Moritz Mischke hatte schon vor längerer Zeit erklärt, dass er nicht auf Dauer als Geselle arbeiten möchte.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lässt sich das Kiersper Traditionsunternehmen zurückverfolgen. Der Ur-Ur-Großvater von Martin Schriever hatte als Stellmacher und Fahrer einer Kutsche, mit der Verstorbene zum Friedhof gebracht werden, den Grundstein gelegt. Der Ur-Großvater von Martin Schriever baute das Geschäft in eine Schreinerei um. „Mein Großvater Ernst Keune musste das Geschäft dann nach dem Tod seines Vaters ungeplant früh mit 26 Jahren übernehmen. Er musste damals schnell den Meister machen, um die Lehrlinge halten zu können“, erzählt Schriever aus der Familien- und Firmengeschichte. Ernst Keune übergab dann 1976 den Betrieb an seinen Schwiegersohn Hans Hugo Schriever, der Magda Keune geheiratet hatte.

Nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit stieg dann auch Martin Schriever ins elterliche Geschäft ein, indem er eine Ausbildung zum Tischler absolvierte. Später schlossen sich daran noch der Meister und der Betriebswirt im Handwerk an. Viele Jahre war Schriever auch als ehrenamtlicher Prüfer für Absolventen der Meisterausbildung tätig. Den Betrieb übernahm er 2002 von seinem Vater.

Leistungen

Die Schreinerei Schriever bietet im Innenausbau Treppen, Türen, Böden, Decken und Möbel an. Bei den Bauelementen finden sich Fenster, Türen, Tore und Verglasungen im Programm. Aber auch Kunden, die einen Wintergarten oder Carport bauen lassen möchten, sind bei Schriever richtig. Moritz Mischke übernimmt von seinem früheren Chef aber auch den Schlüsseldienst.

Heute ist der 20-jährige Sohn Jonathan Schriever als Auszubildender im elterlichen Betrieb tätig. Doch dieser hat früh klargemacht, dass er den Familienbetrieb nicht weiterführen möchte. Nach dem Abschluss will er an die Uni wechseln und Architektur studieren. „Da auch mein zweiter Sohn einen anderen Weg gehen wird, passte es gut, dass Moritz Mischke mir schon vor Jahren mitgeteilt hat, dass er mehr Verantwortung übernehmen möchte.

Der heute 43-Jährige hatte ursprünglich auch andere Pläne. Der gebürtige Meinerzhagener, der aber bereits seit 2002 in Kierspe wohnt, wollte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Tischler machen, um den Grundstein für ein Architekturstudium zu legen. Doch nachdem er den Beruf kennen- und liebengelernt hatte, entschied er sich, im Lehrbetrieb zu bleiben. Später, 2016 bis 2018, besuchte er berufsbegleitend die Meisterschule, die er auch mit dem angestrebten Abschluss beendete.

„Spätestens da war klar, dass Moritz mit weiteren beruflichen Schritten nicht warten würde, bis ich 65 bin und ihm den Betrieb überschreibe“, sagt Schriever. Was folgte, war ein längerer Übergabeprozess, in dem Martin Schriever seinem Nachfolger mehr und mehr Verantwortung einräumte. „Eigentlich sollte der Betriebsübergang bereits im vergangenen Jahr erfolgen, doch dann kam Corona und damit die Unsicherheit, wie sich das Geschäft entwickelt“, so Schriever. Letztlich profitierte sein Unternehmen – wie so viele in der Baubranche – von der Pandemie, „da viele das Geld, was sie normalerweise für einen Urlaub investieren, nun lieber ins Haus und in Möbel gesteckt haben“.

Moritz Mische (vorne) übernimmt am 1. Juli die Schreinerei. Im Unternehmen bleiben der Geselle Winfried Nachtrodt (links) und der Auszubildende Jonathan Schriever. Unterstützung bekommt der neue Chef von seiner Lebensgefährtin Ina Kebben.

In Zukunft wird Moritz Mischke Mieter an seinem alten Arbeitsplatz sein. Er übernimmt aber von seinem früheren Chef das Fahrzeug und den Maschinenpark, darunter auch ein CNC-Bearbeitungszentrum, das auch den schnellen Bau komplizierterer Möbelstücke erlaubt.

Als Angestellter bleibt ihm der Geselle Winfried Nachtrodt, auch wird er die Ausbildung von Johnathan Schriever weiter begleiten. Mit drei eigenen Kindern hat er auch gute Chancen, dann eine neue Schreinerei-Dynastie aufzubauen.

Martin Schriever wird sich in Zukunft auf sein Bestattungsunternehmen konzentrieren. „Es ist im Grunde schon lange Zeit, dass beiden Geschäften mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird“, sagt er. Gemeint hat er aber sicher, dass es nie an Aufmerksamkeit fehlte, doch durch diese die Arbeitstage immer länger wurden. Jetzt, mit zwei getrennten Unternehmen und zwei erfahrenen Chefs wird das sicher etwas anders werden.

Kontakt

Kunden, die sich zukünftig an die Schreinerei wenden möchten, erreichen den neuen Chef Moritz Mischke telefonisch unter der Rufnummer 0 23 59/90 29 79. Im Netz ist der Betrieb unter www.schreinerei-schriever.de zu finden.

Wer sich an „Schriever Bestattungen“ wenden möchte, kann Martin Schriever unter Tel. 0 23 59/21 91 anrufen. Erste Informationen finden sich im Internet unter www.bestattungen-schriever.de.

Schreinerei oder Tischlerei?

Auf Gesellen- und Meisterbriefen steht Tischler, an den Unternehmen selbst auf den Firmenschildern gerne auch mal Schreinerei. Je nach Region des deutschen Sprachgebiets hat das Handwerk einen anderen Namen: In Nord-, West- und Ostdeutschland, Österreich und Südtirol wird „Tischlerei“ gebraucht, in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, im Saar- wie Rheinland und vereinzelt im Ruhrgebiet sowie in der Deutschschweiz und Westösterreich, insbesondere Vorarlberg „Schreinerei“. „Schreinerei“ leitet sich ab von „Schrein“ (Truhe, Sarg, Kiste, Schrank), Tischlerei von Tisch.

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