Wie gut klappt‘s mit dem Einbürgerungstest?

Mit 33 Fragen zum deutschen Pass

Redakteur Johannes Becker beim Ausfüllen eines Testfragebogens zum Einbürgerungstest. Von 33 Fragen müssen 17 richtig beantwort werden – nicht nur für ihn eine lösbare Aufgabe.
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Redakteur Johannes Becker beim Ausfüllen eines Testfragebogens zum Einbürgerungstest. Von 33 Fragen müssen 17 richtig beantwort werden – nicht nur für ihn eine lösbare Aufgabe.

Heute heiße ich Karin Mustermann und wurde am 1. Januar 1966 in Bangkok geboren. Jedenfalls sind das Name und Daten, die auf dem Testfragebogen zum Einbürgerungstest stehen. Ausfüllen werde ich diesen, wie Tausende andere jedes Jahr, in der Volkshochschule, denn ausschließlich dort werden die Prüfungen angeboten.

Kierspe - 33 Fragen liegen vor mir –zum gesellschaftlichen und politischen Leben in diesem Land. 17 davon muss ich richtig beantworten, um den Test zu bestehen. Meine Prüferin an diesem Morgen ist Dr. Aysegül Altun, die obwohl sie in ihrem Herkunftsland Türkei Germanistik studiert und ein Doktorgrad erworben in diesem Fach erworben hat, den Test ebenfalls vor Jahren machen musste, um den deutschen Pass zu bekommen. Da zählte auch nicht, dass sie schon viele Jahre hier lebt, Menschen in Integrationskursen schult und eben diesen Einbürgerungstest selbst prüft.

Dass kaum ein Teilnehmer an den Fragen scheitert, ist mir klar, als ich die ersten sehe. Los geht es mit dem Wissen über das Landeswappen, zur Auswahl stehen das Wappen mit dem Adler, das sogenannte Eiserne Kreuz, Hammer und Sichel im Ährenkranz sowie das Pax-Zeichen der Kirchen.

Frage 2 ist da schon etwas schwieriger, denn dort wird nach dem Fest gefragt, an dem Menschen Kostüme und Masken tragen. Die richtige Antwort ist interessanterweise nicht „Karneval“, sondern „am Rosenmontag“. „Mit solchen Fragen soll überprüft werden, ob die Test-Teilnehmer auch den Inhalt verstanden haben“, erklärt die Prüferin.

Weiter geht es mit Fragen nach Wahlrecht, Grundgesetz, Nationalhymne, Parteien, Meinungsfreiheit, Geschichte, Institutionen, EU, Arbeitsrecht, Nachbarstaaten, Gleichstellung, Diskriminierung, Gaststättenbetrieb und interessanterweise drei Fragen, die sich ausschließlich mit Berlin beschäftigen.

„Grundsätzlich bekommen alle Teilnehmer in Deutschland ihre Fragen aus dem gleichen Pool, allerdings gibt es zwei bis drei Fragen, die sich auf das Bundesland beziehen, in dem der Test abgelegt wird“, so Altun. Dem ist dann wohl zu entnehmen, dass Frau Mustermann ihren Test in der Bundeshauptstadt ablegen sollte.

In den vergangenen Jahren seien auch in Kierspe überdurchschnittliche viele Briten zur Prüfung angetreten, um in Deutschland keine Nachteile aus dem Brexit zu erleben. Aber auch Niederländer, Franzosen und Italiener haben sich in Kierspe neben vielen anderen Menschen aus den unterschiedlichsten Staaten dem Test schon gestellt. „Viele wollen nur die lästige Bürokratie loswerden, der sie ausgesetzt sind, wenn sie als Ausländer hier leben“, erklärt die Fachfrau. Ich erinnere mich dabei an einen niederländischen Freund, der seinen Pass immer im Konsulat in Düsseldorf verlängern ließ, als das nicht mehr ging, wurde er Deutscher, denn die Einbürgerung ersparte ihm die Fahrt in seine Heimatstadt in den Niederlanden.

Oft gehe es aber auch, so erklärt Altun, um die Reisefreiheit – ist doch der deutsche Reisepass der „drittwertvollste“ der Welt, weil er eine visafreie Einreise in 189 Länder (Stand 2017) ermöglicht oder es zumindest erlaubt, das Visum bei der Einreise auszufüllen oder die Erteilung eines elektronischen Visums ermöglicht. Noch mehr Länder können ohne großen Aufwand nur noch mit einem Pass aus Japan (191) und Singapur (190) bereist werden.

Ganz am Ende der Liste steht Afghanistan. Ein Pass aus diesem Land öffnet gerade noch die Schlagbäume an 28 Ländergrenzen. Übrigens: Russen kommen auf den genannten Wegen gerade einmal in 116 Länder und Türken nur in 110 Staaten.

Junge türkische Männer hätten ihres Wissens, so Altun, noch einen weiteren Grund, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Denn mit dem deutschen Dokument erledigt sich der Militärdienst im Herkunftsland.

Zur Hinführung zur Prüfung kann Dr. Aysegül Altun den Prüflingen viele Bücher, Karten, Spiele und Puzzles als Übungsmaterial anbieten.

Neben dem Einbürgerungstest gibt es auch noch den Leben-in-Deutschland-Test, der zum Abschluss des Integrationskurses abgelegt werden muss. Im Gegensatz zu den Absolventen des Einbürgerungstests, die keinen Kursus besucht haben müssen, haben die, die den Leben-in-Deutschland-Test ablegen, 600 Unterrichtsstunden hinter sich, in denen sie sich mit dem politischen und gesellschaftlichen Leben in Deutschland beschäftigt haben. Handelt es sich um Analphabeten, sind es sogar 1200 Stunden. „Der bestandene Leben-in-Deutschland-Test ist wichtig, da nur mit ihm die Aufenthaltserlaubnis entfristet werden kann“, erklärt die VHS-Abteilungsleiterin.

Beide Tests sind inhaltlich gleich und müssen in Deutsch abgelegt werden. Und während Briten und Italiener als größte Hürde die Sprache erleben können, sind es gerade bei den Flüchtlingen auch die kulturellen Unterschiede. Altun: „Da kommt es schon mal bei Themen wie Homosexualität und Antisemitismus zu Diskussionen.“

Wie viele Menschen den Einbürgerungstest nicht bestehen, weiß Aysegül Altun nicht, da die Fragebögen ans Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nach Nürnberg geschickt werden. Nach der Auswertung werden die Ergebnisse dann auch nur den Prüflingen mitgeteilt. Beim Leben-in-Deutschland-Test ist das anders, dort können die Träger, die den Kurs anbieten, auch die Prüfung abnehmen. Wer jedoch diese Prüfung abgelegt hat, muss später – wenn er eingebürgert werden möchte und kann – den Einbürgerungstest nicht noch einmal machen. „Durchfallen ist aber auch beim Leben-in-Deutschland-Test die absolute Ausnahme. Beim Einbürgerungstest ist es schon mal an der fehlenden Unterschrift auf der letzten Seite gescheitert“, sagt Altun. Ich, also natürlich Karin Mustermann, hat an diesem Morgen keine Fehler – wobei einen hätte es fast gegeben. Welchen? Das verrate ich nicht, es wäre mir peinlich.

Einbürgerungen in Deutschland

2020 wurden knapp 110 000 Menschen eingebürgert. Die größte Gruppe kam mit 11 600 Antragstellern aus der Türkei, gefolgt von Syrern (6700) und Rumänen (5900). Die meisten Einbürgerung in den vergangenen 30 Jahren gab es 1995. Damals bekamen mehr als 300 000 Menschen den deutschen Pass, wobei rund 250 000 der Neubürger als Aussiedler ins Land kamen und aufgrund dessen andere Kriterien erfüllen mussten. Wer nicht die deutsche Staatsbürgerschaft aufgrund seiner Abstammung erhält, muss unter anderem mindestens acht Jahre in Deutschland leben, sich zum Grundgesetz bekennen und in der Lage sein, seinen Lebensunterhalt selbstständig zu sichern. Natürlich muss auch der Einbürgerungstest bestanden werden. Eine Verurteilung wegen einer Straftat ist ein Ausschlusskriterium.

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