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Missbrauchsprozess gegen 82-Jährigen wird ausgesetzt 

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Von: Thomas Krumm

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Justizia
Nach der organischen Untersuchung soll eine Kontrolluntersuchung und ein weiteres neuropsychologisches Gutachten klären, zu welchen Hirnleistungen der Angeklagte noch in der Lage ist. © David-Wolfgang Ebener

Das Strafverfahren gegen einen 82-jährigen Angeklagten aus Kierspe, dem der sexuelle Missbrauch seiner drei Enkelinnen vorgeworfen wird, ist vorläufig ausgesetzt worden. Ein weiteres Gutachten soll Hinweis auf die neuropsychologische Gesundheit des Mannes liefern.

Kierspe/Hagen – Vorläufig ausgesetzt wurde im Landgericht Hagen das Strafverfahren gegen einen 82-jährigen Angeklagten aus Kierspe, dem der sexuelle Missbrauch seiner drei Enkelinnen vorgeworfen wird.

Um festzustellen, ob der möglicherweise an einer beginnenden Demenz leidende Senior überhaupt verhandlungsfähig ist, unterzog er sich einer neuroradiologischen Untersuchung seines Gehirns und der darin verlaufenden Blutgefäße. Der „relativ unauffällige Befund“ bestätigte die Verdachtsdiagnose nicht: „Der Befund ist für einen 82-jährigen Mann altersentsprechend“, erklärte der psychiatrische Sachverständige Dr. Nikolaus Grünherz. Bei der Untersuchung des Gehirns sei zwar Gewebe gefunden worden, „das dort nicht hingehört“. Das sei aber im Hinblick auf die in Frage stehenden geistigen Fähigkeiten nicht von Belang: „Das betrifft nicht moralische Instanzen und die Persönlichkeit“, erklärte der Gutachter.

Dieser Befund rechtfertigte aber noch nicht die Fortsetzung des Strafverfahrens, da die angewandten Verfahren nur bestimmte hirnorganische Veränderungen hätten dokumentieren können. Dass diese nicht gefunden wurden, heißt im Umkehrschluss nicht, dass die geistigen Fähigkeiten des Seniors voll erhalten sind.

Opfer sollen sich bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Übergriffe gewehrt haben

Nach der organischen Untersuchung soll nun eine Kontrolluntersuchung und ein weiteres neuropsychologisches Gutachten klären, „zu welchen Hirnleistungen der Angeklagte noch in der Lage ist“. Bis dieses Gutachten vorliegt, wurde der Strafprozess ausgesetzt.

Dem 82-jährigen wird vorgeworfen, seine drei Enkelinnen in unterschiedlichen Tatzeiträumen in Kierspe sexuell missbraucht zu haben. Die Anklage geht davon aus, dass diese Übergriffe sich nicht vor dem 28. Februar 2004 und nicht nach dem 28. Januar 2018 abspielten. Die Mädchen sollen sich bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Übergriffe ihres Großvaters gewehrt haben. Das erklärt, warum die Vorwürfe nicht ganz so schwerwiegend sind wie in anderen Fällen sexuellen Missbrauchs. Dennoch muss der Senior sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs verantworten. Dieser Straftatbestand ist immer mit einem Eindringen in den Körper verbunden.

Zunächst ist nun aber die Neuropsychologie gefragt. Mit ihrer Hilfe muss geklärt werden, ob der Senior aus Kierspe die geistigen Voraussetzungen für einen ordnungsgemäßen Strafprozess mitbringt.

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