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Missbrauchsprozess: 82-Jähriger nicht verhandlungsfähig?

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Von: Thomas Krumm

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Symbolbild
Das Landgericht verhandelt den Fall eines 82-jährigen Kierspers, der seine drei Enkelinnen missbraucht haben soll. (Symbolbild) © Mediasuite

82 Jahre alt ist ein Angeklagter aus Kierspe, der sich im Landgericht Hagen wegen teilweise schweren sexuellen Missbrauchs seiner drei Enkelinnen verantworten muss.

Kierspe - Die Taten sollen sich zwischen dem 28. Februar 2004 und dem 28. Januar 2018 in Kierspe ereignet haben. Die Mädchen sollen in den unterschiedlichen Tatzeiträumen zwischen zwölf und 15 Jahre alt gewesen sein. Wie berichtet, werden dem Angeklagten ein Zungenkuss gegen den Willen seiner 13-jährigen Enkelin und das Streicheln der Mädchen im Brustbereich vorgeworfen.

Die 13-Jährige soll sich bei dem Zungenkuss-Versuch weggedreht haben, um die unerträgliche Situation zu beenden. Ziel der schwerwiegendsten Tat soll 2017 oder 2018 die damals zwölfjährige Enkelin des Angeklagten gewesen sein, die er im Schambereich gestreichelt haben soll. Ein weiteres Eindringen seines Fingers soll das Mädchen wegen starker Schmerzen unterbunden haben. Das Eindringen in den Körper des Opfers eines sexuellen Missbrauchs erfüllt den Tatbestand des „schweren“ sexuellen Missbrauchs.

Demenz beim Angeklagten?

Zum Auftakt des Prozesses äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. In einem Rechtsgespräch außerhalb der öffentlichen Hauptverhandlung zwischen den Richtern der 1. großen Strafkammer, der Staatsanwältin und Verteidiger Dirk Löber ging es vor allem um die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten. Hintergrund ist die Frage, ob der Angeklagte durch eine sich möglicherweise entwickelnde Demenz in seiner Erinnerungsfähigkeit eingeschränkt ist.

Ein psychiatrischer Gutachter hat diesen Befund vorläufig bestätigt und weitergehende neurologische Untersuchungen unter Einsatz bildgebender Verfahren empfohlen. Die Kammer will dieser Empfehlung folgen und entsprechende Untersuchungen spätestens vor dem übernächsten Hauptverhandlungstermin veranlassen. Zum nächsten Termin soll die Hausärztin des Angeklagten geladen und zu seinem Gesundheitszustand befragt werden. „Ein Urteil ist nur möglich, wenn sichergestellt ist, dass der Angeklagte alles verstanden hat”, stellte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz fest.

Aussetzung der Strafe wäre möglich - unter bestimmten Voraussetzungen

Der Richter äußerte sich im Referat der Ergebnisse des internen Rechtsgesprächs auch zum möglichen Strafmaß, falls sich die Vorwürfe bestätigen: Die Tatvorwürfe ließen eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung als möglich erscheinen. Für das dafür unverzichtbare Geständnis müsste allerdings festgestellt werden, dass der Angeklagte geistig noch hinreichend gesund ist, um dem Strafverfahren zu folgen.

Sein Erinnerungsvermögen wäre gefragt, wenn es darum ginge, sich an die Taten zu erinnern, um möglicherweise ein Geständnis abzulegen. Denn in Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs ist es für das Strafmaß immer entscheidend, ob die Geschädigten ihre bizarren und belastenden Erlebnisse noch einmal vor Gericht erzählen müssen.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

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